Der gute Hirte und Seine Schafe (Joh. 20,19-21,14)

Wenn wir die erste Begegnung des Herrn mit Seinen Jüngern nach Seiner Auferstehung betrachten, müssen wir im Hinterkopf behalten, was die Jünger kurz davor alles erlebt hatten. Wir sollten bedenken, dass die Jünger in den letzten Tagen die Gefangenahme, die Folter, die Kreuzigung und den Tod des Herrn miterlebt hatten. Sie mussten mitansehen, wie ihr Herr und Meister gefoltert und unschuldig zum Tode verurteilt wurde. Alle ihre Hoffnungen und Träume wurden in nur wenigen Augenblicken völlig zerstört. Sie hatten Angst, waren desillusioniert und verzweifelt. Sie hatten ihre einzige Hoffnung sterben sehen. Sie hatten ihren Hirten und Meister verloren und waren jetzt völlig allein, umgeben von einer blutrünstigen Meute an Pharisäern, die bereit waren, alles, was mit Jesus Christus zu tun hatte, im Keim zu ersticken. An Psalm 23 hat wahrscheinlich keiner von ihnen gedacht, auch wenn sie ihn sicherlich gekannt haben.

Psalm 23,1-6: Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern. Er erquickt meine Seele; Er führt mich auf rechter Straße um Seines Namens willen. Und wenn ich auch wanderte durchs Tal des Todesschattens, so fürchte ich kein Unglück, denn Du bist bei mir; Dein Stecken und Dein Stab, die trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über. Nur Güte und Gnade werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Haus des Herrn immerdar.

Die Jünger waren durch ein Tal der Todesschatten gegangen. Sie waren enttäuscht von ihrem Hirten und Meister. Wahrscheinlich haben diejenigen, die bei der Kreuzigung dabei waren, als die Volksmenge gerufen hatte, dass der Herr vom Kreuz herabsteigen solle, gehofft, dass Er es auch tatsächlich tat. Sie hatten die ganze Zeit über an den Löwen aus dem Stamme Juda geglaubt, aber nicht an das Lamm GOTTES. Sie hatten an Christus als herrschenden König geglaubt, aber nicht an Christus als leidenden Knecht. Sie kannten die Verheißung GOTTES, dass der gute Hirte sich um Seine Schafe kümmert. GOTT war schon immer ein guter Hirte. Sie wussten, dass es Schafen in der Herde GOTTES an nichts mangelt und trotzdem waren sie plötzlich allein. Ohne ihren Meister. Sie hatten auf grüne Auen und stille Wasser gehofft und alles, was sie bekommen hatten, waren ein Kreuz und ein leeres Grab. Sie wussten noch nicht einmal, was aus dem Leichnam ihres Hirten geworden war, weil sie dem Auferstehungsbericht der Frauen nicht geglaubt hatten. In GOTTES Wort stand, dass GOTT ihre Seelen erquicken würde und alles, was ihre Seele empfand, war Angst, Trauer, Enttäuschung, Wut und völlige Verwirrung. Sie hatten gehört, dass der Herr der Weg, die Wahrheit und das Leben war und jetzt standen sie mitten in einer Sackgasse, aus der es noch nicht einmal einen Weg zurück in ihr altes Leben gab. Sie kamen sich betrogen und hintergangen vor. Und von Leben war im Angesicht des Todes keine Spur. Der gute Hirte hätte sie auf rechter Straße führen müssen und jetzt gab es nicht einmal mehr einen Weg nach vorne. Der Klang Seines Hirtenstabs auf dem felsigen Boden hätte sie trösten und ihnen Geborgenheit schenken sollen. Sie waren ihrem Meister treu auf Seinen Wegen gefolgt und waren sich sicher, dass Er den richtigen Weg kennt und plötzlich war der Meister weg. Sie konnten Ihn nicht mehr sehen und Ihn auch nicht mehr hören, obwohl Er doch versprochen hatte, ihnen den richtigen Weg zu weisen. Er hatte versprochen, dass sie kein Unglück fürchten müssten und dass Er sie trösten würde, aber sie hatten keinen Trost und sie fürchteten sich zu Tode. Der gute Hirte hätte ihnen einen Tisch im Angesicht ihrer Feinde bereiten sollen. Stattdessen verkrochen sie sich vor dem Angesicht ihrer Feinde, damit sie ja niemand sehen und finden konnte. Ihr Haupt wurde nicht mit Öl, sondern mit Schande und Schmach gesalbt. Ihre Becher flossen nicht über. Sie waren völlig leer. Von Gutem und Barmherzigkeit war keine Spur zu sehen und auf ein langes Leben konnten sie auch nicht mehr hoffen. Sie blieben auch nicht immerdar im Haus des Herrn, sondern hatten sich aus Furcht vor den Pharisäern hinter verschlossenen Türen eingesperrt.

Es gibt Zeiten, in denen das Schaf nichts vom guten Hirten sieht; Zeiten, in denen das Schaf vom guten Hirten enttäuscht wird. Viele Schafe sind enttäuscht und verzweifelt, weil sie sich den guten Hirten anders vorgestellt hatten. Sie meinten, dass Er sich in einer bestimmten Situation, zu einer bestimmten Zeit, auf eine bestimmte Art und Weise hätte verhalten müssen. Aber Er tat es nicht. Der gute Hirte verhielt sich nicht so, wie das Schaf es von einem guten Hirten erwartet hätte. Als Er der gute Hirte hätte sein sollen, war Er es nicht. Scheinbar nicht. Als Er hätte eingreifen müssen, tat Er es nicht. Manche Schafe warten bis heute vergebens auf ein Eingreifen des guten Hirten. Für sie ist der gute Hirte nur dann gut, wenn Er sie auf grünen Auen weidet und sie zu frischen Wassern führt. Er ist dann ein guter Hirte, wenn Er die Seelen Seiner Schafe erquickt und sie auf rechter Straße führt. Was aber wenn die rechte Straße durch das Tal der Todesschatten führt? Jede rechte Straße führt irgendwann durch ein Tal der Todesschatten. Der gute Hirte bewahrt Seine Schafe nicht vor dem Tal der Todesschatten, aber Er bewahrt sie vor dem Tod. Der gute Hirte gab Sein Leben, um die Schafe vor dem ewigen Tod zu bewahren. Die Todesschatten sind nichts im Vergleich zum Tod. Jedes Leid hat den Beigeschmack des Todes und der Hölle, aber es ist nicht der Tod oder die Hölle selbst. Leid ist nur ein Todesschatten. Leid ist nicht der Tod, sondern nur der Schatten des Todes. Die Hölle ist der Tod. Die Todesschatten sind nicht der Tod selbst, sondern nur ein Abbild davon. Könnte der gute Hirte nicht einen Weg wählen, der nicht durch das Tal der Todesschatten hindurchführt? Könnte Er das Tal der Todesschatten nicht vermeiden und umgehen? Er kennt doch den richtigen Weg. Warum tut ein guter Hirte Seinen Schafen so etwas an? Warum tat der Herr Seinen Jüngern das alles an? Hätte Er ihnen das Leid und die Enttäuschung nicht ersparen können? Das Leid wurde den Jüngern nicht erspart, aber die Enttäuschung wäre den Jüngern erspart geblieben, wenn sie an die Auferstehung geglaubt hätten. Er hatte ihnen immer wieder gesagt, dass Er sterben und am dritten Tag auferstehen müsse (vgl. Mt. 16,21). Petrus hatte Ihn sogar deswegen zurechtgewiesen, weil er davon nichts hören wollte. Hätten die Jünger auf ihren Herrn und Meister gehört, hätten sie keine Enttäuschung erlebt. Sie kannten den Willen und den Plan GOTTES, aber sie wollten ihren eigenen Willen durchsetzen. Die Jünger hatten ihre Lektion noch nicht gelernt. Sie haben ihrem guten Hirten noch immer nicht vertraut. Anstatt siegessicher und voller Hoffnung auf die Auferstehung zu warten, waren sie völlig verzweifelt. Sie fürchteten die Menschen, die im Garten Gethsemane vor den Worten des „Ich bin“ zu Boden fielen. Sie hatten die Allmacht GOTTES gesehen. Sie waren Zeugen davon, dass Blindgeborene geheilt wurden und Lazarus auferweckt wurde. Sie haben den Messias über drei Jahre lang begleitet und Seine Wunder gesehen. Obwohl der Herr ihnen immer wieder beibringen wollte, dass es nicht Sein Ziel war, dass sie gemeinsam mit Ihm über das Volk Israel herrschen sollten, sondern gemeinsam mit Ihm verlorene Sünder zur Buße rufen sollten, haben sie bis zuletzt an ihrem Plan, Israel von den Römern zu befreien, festgehalten. Jeder von ihnen wollte der Größte im Reich GOTTES sein, aber keiner von ihnen wollte demütig sein. Sie wollten herrschen, der Herr aber wollte, dass sie dienen. Die erste Lektion, die die Jünger durch diese Enttäuschung lernen mussten, war die Lektion der Demut. Sie wurden dadurch gedemütigt, dass alle ihre vermessenen und ehrgeizigen Pläne völlig fehlgeschlagen sind. Und sie wurden dadurch gedemütigt, dass sie erkennen mussten, dass sie Christus völlig falsch verstanden hatten. Er hatte ihnen so klar gesagt, was Er vorhat und sie hatten trotzdem nichts verstanden. Die Jünger müssen sich ziemlich dumm vorgekommen sein. Als der Herr plötzlich mitten unter ihnen stand und ihnen Seine Nägelmale und Seine Seite zeigte, wurden sie mit Freude erfüllt. Der Herr sprach ihnen Seinen Frieden zu. Diesen Frieden und diese Freude hätten sie mitten im Tal der Todesschatten haben können, wenn sie an die Auferstehung geglaubt hätten. Hätten sie ihrem Meister geglaubt, hätten sie erkannt, dass das Tal der Todesschatten nicht der Tod selbst ist, sondern nur ein Schatten des Todes. Der gute Hirte war tatsächlich gut. Er war nicht nur bei Seinen Schafen im Tal der Todesschatten, sondern Er ist für Seine Schafe in den Tod gegangen, um nicht nur die Todesschatten zu besiegen, sondern den Tod selbst. Die Auferstehung und das Leben hatte ihr Leben gelassen, um es wieder zu nehmen (vgl. Joh. 10,17). Niemand hatte Christus das Leben genommen. Der gute Hirte hatte die Vollmacht, Sein Leben zu lassen und Er hatte die Vollmacht Sein Leben auch wieder zu nehmen (vgl. Joh. 10,18).

Thomas war bei der ersten Begegnung des Herrn mit Seinen Jüngern nicht mit dabei. Thomas tritt nur im Johannes-Evangelium wirklich in Erscheinung. In den anderen Evangelien wird er immer nur in der Aufzählung der 12 Jünger erwähnt. Johannes legt diesen Fokus auf Thomas, weil das Ziel des Johannes-Evangeliums ja ist, dass wir Christus als den Sohn GOTTES erkennen und an Ihn glauben. Thomas war ein Zweifler und durch diesen Zweifler dürfen wir lernen, dass auch Zweifler Christus als den Sohn GOTTES erkennen können. An Thomas dürfen wir sehen, dass Christus von Zweiflern nicht abgeschreckt wird und sie auch nicht von sich stößt, sondern ihnen nachgeht, um ihren Glauben neu zu beleben und zu stärken. Thomas ist die Personifizierung des Zielgedankens des Johannes-Evangeliums. Im Johannes-Evangelium geht es primär darum, dass Menschen an den Sohn GOTTES glauben und durch den Glauben leben haben in Seinem Namen. Und Thomas war einer von denen, die erst nicht geglaubt, dann aber doch geglaubt haben. Im Johannes-Evangelium gibt es drei Begebenheiten, in denen er zu Wort kommt. In Johannes 11,16 sagte Thomas kurz vor der Auferweckung des Lazarus, dass sie als Jünger mit dem Herrn nach Bethanien mitgehen sollten, um dort mit Ihm zu sterben, weil die Pharisäer am Ende von Johannes 10 ja vorhatten, den Herrn zu steinigen, Ihn aber nicht ergreifen konnten. Thomas war wie auch die anderen Jünger, bereit für den Herrn und mit dem Herrn zu sterben. Als es dann darauf ankam, verließ er den Herrn aber genauso feige wie die anderen Jünger. Aber seine Bereitschaft vor der Auferweckung des Lazarus, mit dem Herrn zu sterben, war ernst gemeint. Dann lesen wir in Johannes 14,5: „Thomas spricht zu Ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst, und wie können wir den Weg kennen?“ Woraufhin dann der Herr sich den Jüngern als den Weg, die Wahrheit und das Leben offenbarte. Der Herr sprach davon, dass Er zum Vater gehen würde, um den Jüngern dort eine Stätte zu bereiten und Thomas dachte, dass der Herr ein irdisches Ziel hätte. Thomas begegnet uns als ein ehrlicher und aufrichtiger Mensch, der mutig genug war, zuzugeben, wenn er etwas nicht verstanden hatte und zu fragen, wenn er etwas nicht wusste. Es ist eigenartig, dass der Herr nicht einfach zu einem Zeitpunkt gekommen war, an dem alle Jünger anwesend waren. Warum war er das erste Mal genau zu dem Zeitpunkt den Jüngern erschienen, als Thomas nicht mit dabei war? Weil Thomas ein ganz besonders schlechter Schüler in der Glaubensschule GOTTES war. Thomas‘ Glaube sollte wiederhergestellt werden und der Glaube der anderen Jünger sollte gefestigt und gestärkt werden. Keiner der anderen Jünger hatte gefordert, dass er unserem Herrn erst die Finger in die Nägelmale und seine Hand in die Seite legen müsse, bevor er glauben könne. Thomas benutzt hier sogar einen sehr starken Ausdruck. Er spricht davon, dass er „niemals“ glauben würde, wenn er dem Herrn nicht persönlich begegnet (V. 25). Der Begriff „niemals“ ist mehr als deutlich. Deutlicher kann man gar nicht sein. Unser Herr ging in Seiner Gnade und Geduld als guter Hirte aber auch diesem Thomas nach. Er erscheint den Jüngern ein weiteres Mal, während sie sich in einem verschlossenen Raum versammelt hatten. Wir dürfen sehen, dass der Herr zwar körperlich nicht gegenwärtig war, als Thomas den Bericht der anderen Jünger gehört und nicht geglaubt hatte, dafür aber im Geiste gegenwärtig war. Der Herr wusste ganz genau, was Thomas gesagt hatte. Er hatte ganz genau gehört, dass Thomas seinen Finger in die Nägelmale des Herrn und seine Hand in die Seite des Herrn legen wollte, bevor er glauben konnte. Als guter Hirte hat der Herr das geknickte Rohr nicht zerbrochen und den glimmenden Docht nicht ausgelöscht, sondern wahrheitsgetreu das Recht hervorgebracht (vgl. Jes. 42,3). Thomas‘ Glaube war eingeknickt und kurz vor dem Auslöschen. Thomas war dieses geknickte Rohr und dieser glimmende Docht, aber der Herr hat sich gerade um diesen Thomas gekümmert. Wir lesen nichts davon, dass Thomas, als der Herr vor ihm stand, dann auch tatsächlich seine Finger in die Nägelmale und seine Hand in die Seite des Herrn gelegt hat. Wir lesen nur, dass Thomas völlig überwältigt von der Begegnung mit dem auferstandenen Herrn nur noch ausrufen konnte: „Mein Herr und mein GOTT!“ Thomas hatte es nicht nötig, die Nägelmale zu berühren, weil er Christus gesehen hatte. Wenn wir Christus wirklich in unserem Leben begegnet sind, dann brauchen wir keine weiteren Beweise für die Auferstehung des Herrn. Der Herr selbst ist der beste Beweis für Seine Auferstehung, nicht die Nägelmale. Es hat unserem Herrn nicht gereicht, nur zehn der elf Jünger aufzubauen. Er ging jedem einzelnen Schaf nach. Er wollte alle elf Apostel von der Auferstehung überzeugen, damit sie ihr Leben lang an Ihn glauben und Ihn bezeugen würden. Genau wie der Vater den Herrn gesandt hatte, hat auch der Herr Seine Jünger gesandt. Er hauchte sie an und stattete sie mit göttlicher Vollmacht aus. Die Jünger wurden zwar erst zu Pfingsten mit dem Heiligen Geist getauft, aber sie durften schon hier das Wirken des Heiligen Geistes erleben und die Schriften verstehen (vgl. Lk. 24,45). Ihnen wurde von Christus die Vollmacht gegeben, dass GOTT durch sie Menschen von ihren Sünden befreien wollte. Christus wollte durch Seine Jünger Menschen zur Buße und zum rettenden Glauben rufen und deshalb mussten sie felsenfest davon überzeugt sein, dass Er auch tatsächlich auferstanden war. Der gute Hirte hat sich 40 Tage lang Zeit genommen, um aus elf verängstigten und schwachen Schafen, die ihren Hirten feige im Stich gelassen hatten, elf Hirten für Seine Gemeinde zu machen. Diese elf Männer hatten sich noch Tage und Stunden zuvor aus Furcht vor den Pharisäern in verschlossenen Räumen verkrochen, weil sie Angst vor den Wölfen hatten. Aber nach diesen 40 Tagen mit dem Herrn waren diese elf Männer keine feigen und dummen Schafe mehr, sondern Hirten, die sich mutig den Wölfen in den Weg gestellt haben, um die Schafe, die ihnen anvertraut wurden, vor den Wölfen zu schützen. Diese elf Männer hatten nicht nur die Auferstehung ihres Herrn an Ostern erlebt. Diese elf Männer hatten die Auferstehung ihres Herrn in ihren eigenen Herzen erlebt.

1. Pet. 1,3-5: Gelobt sei der GOTT und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns aufgrund Seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel aufbewahrt wird für uns, die wir in der Kraft GOTTES bewahrt werden durch den Glauben zu dem Heil, das bereit ist, geoffenbart zu werden in der letzten Zeit.

Glauben wir, dass Christus in uns auferstanden ist? Haben wir die Hoffnung der Herrlichkeit, die in uns wohnt (vgl. Kol. 1,27)? Wir sollen an den Sohn GOTTES glauben und genauso überzeugt sein von der Auferstehung wie die Jünger. Wir können aber nur dann wirklich von der Auferstehung überzeugt sein, wenn wir die Auferstehung Christi in uns durch die Wiedergeburt erlebt haben. Wenn Christus nicht in uns auferstanden ist, dann bringt uns die Auferstehung nichts. Wir sind nur durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeboren (vgl. 1. Pet. 1,3). Wenn Christus nicht in uns auferstanden ist, dann sind wir immer noch tot. Es gibt Hoffnung und Rechtfertigung durch Glauben, weil Jesus Christus auferstanden ist (vgl. Röm. 4,25). Aber es gibt nur für diejenigen Menschen Hoffnung, Rechtfertigung und ewiges Leben, die eine persönliche Auferstehung aus den Toten erlebt haben. Die Auferstehung Christi vor 2000 Jahren reicht nicht; wir brauchen eine persönliche Auferstehung. Christus muss in uns leben, sonst sind wir nicht nur immer noch tot, sondern für immer tot. Wir sind mit Christus gekreuzigt und nun leben nicht mehr wir, sondern Christus lebt in uns. Was wir jetzt im Fleisch leben, das Leben wir im Glauben an den Sohn GOTTES, der uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat (vgl. Gal. 2,20). Christus in uns ist die Hoffnung der Herrlichkeit. Als Martha verzweifelt war, nachdem ihr Bruder gestorben war, sagte der Herr zu ihr: „Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit GOTTES sehen“ (Joh. 11,40). Die Jünger hatten nicht geglaubt und deshalb hatten sie nur die Umstände und die Pharisäer gesehen und sich gefürchtet. Hätten sie geglaubt, hätten sie die Herrlichkeit GOTTES in ihnen selbst sehen können, weil sie von GOTTES Frieden und Freude erfüllt gewesen wären. Weil sie nicht geglaubt haben, haben sie tagelang ohne die Hoffnung der Herrlichkeit leben müssen. Sie hätten die lebendige Hoffnung der Auferstehung haben können, wenn sie geglaubt hätten. Die Jünger haben ihre Lektion gelernt. Der gute Hirte ging Seinen verstreuten Schafen nach, um sie zu suchen. Er verband ihre Wunden und schenkte ihnen eine Hoffnung, die ein Leben lang halten sollte. Die Jünger waren völlig überzeugt davon, dass Jesus Christus lebt und dass Er im Himmel auf sie wartet. Sie waren sich ganz sicher, dass der Herr sie nicht allein gelassen hatte, weil sie wussten, dass Er in ihnen lebt und wirkt. Thomas hatte geglaubt, weil er den Herrn gesehen hatte, aber glückselig sind die, die nicht sehen und doch glauben! Wir sollen Jünger sein, die an das glauben, was Johannes in Seinem Evangelium über den Sohn GOTTES geschrieben hat, damit wir durch den Glauben Leben haben in Seinem Namen.

Im 21-ten Kapitel beschreibt uns GOTT, dass die Jünger nach Galiläa gereist waren und dort auf den Herrn warteten. Während sie warteten, kam Petrus auf die Idee, fischen zu gehen. Es fällt uns leicht, die Jünger an dieser Stelle für ihr Verhalten zu verurteilen, wo sie doch scheinbar in ihr altes Leben zurückgefallen waren und wieder fischen gingen. Wir sollten jedoch nicht vergessen, wie verwirrend die letzten Tage für die Jünger waren. Sie hatten Christus die ganze Zeit über missverstanden und wurden von einer Ungewissheit in die nächste gestoßen. Christus war bereit, von Seiner zukünftigen Braut missverstanden zu werden. Christus hat Schande und Schmach auf sich genommen, um Seine zukünftige Braut näher zu GOTT zu bringen. Er war bereit, den Willen des Vaters zu tun und Seine zukünftige Braut vorerst zu enttäuschen, zu verletzen und von ihr für einen schwachen und feigen Versager gehalten zu werden, weil Er wusste, dass der Vater Größeres im Sinn hat, indem Er die Braut mehr und mehr von sich abhängig macht und Christus und Seine Braut letztendlich doch zusammenführen und für ewig vereinen wird. Christi Braut war desillusioniert, enttäuscht und verzweifelt. Trotzdem ließ Er sie warten, bis zu dem vom Vater bestimmten Zeitpunkt der Auferstehung. Die vom Vater bestimmten Zeitpunkte sind für uns oft nicht nachvollziehbar und unverständlich, weil Er sie scheinbar verzögert, um unseren Glauben zu prüfen und zu stärken. GOTT hat Größeres mit uns im Sinn, als wir uns vorstellen und erahnen können. Wer hätte damals gedacht, dass die Braut Christi nicht das irdische Jerusalem oder das Volk Israel sein wird, sondern das himmlische Jerusalem und die Gemeinde, von der das Volk Israel natürlich nicht ausgeschlossen ist (vgl. Offb. 21,9-10)? Als der Herr dann auferstanden war und ihnen begegnet ist, konnten einige ihr Glück kaum fassen und andere konnten die Auferstehungsbotschaft noch nicht einmal glauben. Inzwischen waren sie ohne den Herrn nach Galiläa gereist, so wie es ihnen befohlen war. Möglicherweise mussten sie in Galiläa wieder auf den Herrn warten. Vielleicht haben sie sich gefragt, ob sie ihren Meister schon wieder falsch verstanden haben, genau wie vor Seiner Kreuzigung. Sie lebten in einer Ungewissheit, weil sie den nächsten Schritt des Herrn nicht kannten. Sie wussten nur, dass Er ihnen irgendwann in Galiläa begegnen würde. Menschen warten nicht gerne und doch lässt der Herr uns immer wieder warten. Der Herr hatte sich für die Jünger geopfert und für ihre Sünden bezahlt und sie nicht verraten, als Er gefangen genommen wurde. Trotz Seinem Einstehen für sie im Garten Gethsemane zweifelten sie immer noch an Ihm und waren nicht bereit, auf Ihn zu warten. Sie hatten kein Recht auf die Erfüllung ihrer Erwartungen, nachdem sie Ihn verleugnet und verlassen hatten. Trotzdem erwarteten sie von Ihm, dass Er auf sie zukomme, ohne dass sie auf Ihn warten müssen. Sie hatten den Herrn falsch verstanden. Sie hatten andere Pläne mit Christus, als Christus mit ihnen hatte. Vertrauen wir dem Herrn immer noch, wenn Er unsere gut gemeinten Pläne scheitern lässt? Vertrauen wir dem Herrn immer noch, wenn Er uns in eine Sackgasse führt, obwohl wir auf Seinen Wegen wandeln wollten? Vertrauen wir dem Herrn immer noch, wenn Er uns jahrelang auf die Erfüllung einer Verheißung hat warten lassen und wir nach Jahren des geduldigen Ausharrens feststellen müssen, dass wir Seine Verheißung falsch verstanden hatten? Der Unterschied zwischen Warten auf GOTT und Passivität ist der, dass Warten auf GOTT uns schwerfällt und Passivität nicht. Passivität ist der einfache Weg. Warten auf GOTT ist der schwere Weg. In Zeiten der Ungewissheit wenden sich Menschen oft an das, was ihnen Gewissheit gibt, an das, was sie gut kennen und gut können. Es vermittelt ihnen ein scheinbar gewisses Maß an Kontrolle und gibt ihnen das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Das Fischen war den meisten Jüngern sehr vertraut und als Aktionisten neigten sie dazu, in ihre wohlbekannte Arbeit zu flüchten. Petrus und die anderen Apostel waren Menschen, die keine Geduld besaßen und emotionale Entscheidungen trafen. Das Fischen war für die Jünger wie ein sicherer Hafen, in dem sie Schutz fanden vor dem stürmischen Meer der Ungewissheit. Der Herr macht den Jüngern keine Vorwürfe wegen ihres Fischfangs. Als sie nach einer Nacht des Fischens nichts gefangen hatten, fragte Er sie, ob sie etwas zu essen hätten, was die Jünger verneinen mussten. Die Jünger wussten nicht, dass sie gerade ihrem Herrn begegneten. Er forderte sie dazu auf, das Netz auf der rechten Seite des Schiffes auszuwerfen. Dieser Fischfang erinnert uns an die Berufung des Petrus (vgl. Lk. 5,1-11). In Seiner unermesslichen Gnade und Weisheit sorgte der Herr dafür, dass Petrus nach seiner Verleugnung eine ähnliche Situation durchlebt, wie bei ihrer ersten Begegnung, damit er an seine Berufung durch Christus erinnert wird. Als Petrus dem Herrn zum ersten Mal begegnete, war er so entsetzt über das Wunder, das er erlebt hatte, dass er den Herrn darum bat, von ihm wegzugehen, weil er ein sündiger Mensch sei. Nach über drei Jahren in der Nähe des Herrn, wünscht sich Petrus nicht mehr, dass der Herr von ihm weggeht, sondern er wünschte sich die Nähe des Herrn. Aus Ehrfurcht vor GOTT bekleidete er sich, nachdem Johannes ihn darauf hingewiesen hatte, dass der Herr am Ufer sei, und warf sich in den See, um möglichst schnell bei seinem geliebten Meister sein zu können. Die anderen Jünger kamen mit dem Schiff und dem prall gefüllten Netz im Schlepptau. Als sie das Land erreichten, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und einen Fisch und Brot darauf liegend. Der Herr forderte sie dazu auf, einige von den gefangenen Fischen mit an das Feuer zu bringen. Petrus gehorchte sofort und zog das Netz an Land, das trotz der vielen und großen Fische nicht riss. Jesus Christus lud Seine sprachlosen Jünger dazu ein, gemeinsam mit Ihm zu frühstücken. Er gab ihnen von dem Brot und dem Fisch. Der gute Hirte kümmerte sich um Seine Schafe. Der Herr sorgte wie ein Hirte für Seine Schafe. Seinen Schafen sollte nichts mangeln. Er weidete sie auf einer grünen Aue und führte sie zum frischen Wasser. Der gute Hirte ließ Seine Schafe nicht allein, sondern erquickte ihre Seele und führte sie auf rechter Straße. Er bereitete ihnen einen Tisch angesichts der Feinde, die Ihn noch vor einigen Tagen ans Kreuz genagelt hatten. Keiner der Jünger wagte, zu fragen, wer der Fremde am Ufer sei, weil sie alle wussten, dass es der Herr war, auch wenn Er einen neuen Auferstehungsleib hatte. Die Schafe kannten die Stimme ihres guten Hirten. Er war ihnen schon zum dritten Mal nach Seiner Auferstehung begegnet.