
Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben. (Heb. 4,12-13)
GOTTES Wort ist lebendig. GOTTES Wort lebt und belebt. Das Wort GOTTES ist wirksam und voller Energie. Es gibt nichts, was man der Bedeutsamkeit des Wortes GOTTES gleichsetzen könnte. GOTTES Wort ist einzigartig und ein Wunder voller Wunder. Dieses Wort vergleicht der Hebräerbriefschreiber mit einem zweischneidigen Schwert. Zweischneidige Schwerter besitzen eine zweiseitige Schärfe. GOTTES Wort ist vielseitig. Es kann verletzen und es kann heilen. Es kann verurteilen und es kann freisprechen. Es kann belehren, überführen, zurechtweisen und zur Gerechtigkeit erziehen (vgl. 2. Tim. 3,16). GOTTES Wort ist eine gefährliche Waffe, mit der verschiedenste Angriffe auf den Feind ausgeführt werden können. Der Teufel fürchtet das Wort GOTTES, die Welt erbebt, wenn GOTT redet und unser Fleisch zittert vor den allmächtigen Worten dieses ewigen GOTTES. Dieses Wort ist durchdringend und unaufhaltsam. Keiner kann ihm widerstehen. Wenn GOTT mit Seinem Wort zuschlägt, dann trifft Er Sein Ziel und gewinnt jede Schlacht. GOTT kann durch Sein Wort den Geist des Menschen von einem seelischen Eigenleben befreien und die Seele des Menschen vom Geist scheiden. Menschen bestehen aus Geist, Seele und Leib (vgl. 1. Thess. 5,23). Seit dem Sündenfall sind Menschen nicht mehr empfänglich für das Reden GOTTES. Die Seele des Menschen hat den Geist des Menschen unterdrückt und gefangen genommen. Menschen handeln gegen ihr Gewissen (=Geist des Menschen), das von GOTT dazu gedacht war, den Menschen zu führen und zu leiten. In Römer 2,15 heißt es, dass das Werk des Gesetzes in das menschliche Herz geschrieben wurde, was auch durch das Gewissen bezeugt wird. In Römer 9,1 spricht Paulus davon, dass ihm sein Gewissen im Geist bezeugt, dass er die Wahrheit sagt und er große Traurigkeit um die verlorenen Menschen in Israel hat und in Römer 8,16 steht, dass der Geist GOTTES zusammen mit unserem Geist bezeugt, dass wir Kinder GOTTES sind. Das Wort für „bezeugen“ kommt fünfmal in der Bibel vor. Viermal finden wir es im Römerbrief in den genannten drei Versen. Es wird in allen drei Versen im Zusammenhang mit dem Gewissen oder dem Geist des Menschen genannt. Daher können wir daraus schlussfolgern, dass das Gewissen der Geist des Menschen ist. Für Geist wird das Wort „Pneuma“ verwendet. Für Seele oder auch oft als Leben übersetzt das Wort „Psyche“. Das sündige Geschöpf lässt sich durch das Gewissen nicht mehr zurechtweisen und hat keine Gemeinschaft mehr mit GOTT. Wir tun nicht mehr den Willen GOTTES, sondern unseren eigenen Willen. Wir lassen uns von unserem Verstand und unseren Emotionen leiten, anstatt von dem souveränen GOTT. GOTTES Wort muss uns von unserem störrischen Eigenwillen befreien. Es muss durchdringen „bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes“ (Elberfelder) (siehe Tabelle 1).
Tabelle 1: Die Seele und der Geist des Menschen
| Seele (Wille, Verstand, Emotionen) | Geist des Menschen (Gewissen) |
| Entspricht Gelenken | Entspricht Mark |
| Entspricht Gedanken | Entspricht Gesinnungen des Herzens |
In der Bibelübersetzung nach Elberfelder wird die Reihenfolge der Begriffe Mark und Bein (Schlachter) vertauscht. Der Kontext legt nahe, dass Elberfelder diesen Vers korrekter übersetzt hat als Schlachter. Die Seele des Menschen entspricht den Gelenken des Körpers, die die Bewegung des Menschen ermöglichen. Der Körper des Menschen wird von dem Willen, dem Verstand und den Emotionen kontrolliert. Die Seele, die aus dem Willen des Menschen, dem Verstand und den Emotionen des Menschen besteht, bewegt den Körper. Der Körper tut, was die Seele will. Unser Körper verhält sich entsprechend unserer Gedanken und Emotionen. Wenn ein Mensch wütend ist, kann man das an seinem Gesichtsausdruck ablesen. Manche Reaktionen des Körpers auf die Stimuli der Seele können wir kontrollieren, andere sind uns nicht einmal bewusst. Gelenke sind ein Bindeglied zwischen einzelnen Körperteilen. Die Seele verbindet den Geist des Menschen mit dem Körper des Menschen (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Geist, die Seele und der Körper des Menschen
Durch das Mark werden die Informationen des Gehirnes im gesamten Körper verteilt. Der Geist des Menschen übermittelt die Informationen GOTTES an die Seele des Menschen, die diese Informationen verarbeitet und ausführt. Christus muss zum Haupt und Hirn eines Menschen werden, damit der Geist des Menschen die Informationen des Herrn an die Seele weiterleiten kann. Erst wenn der Geist des Menschen von der Herrschaft der Seele befreit ist, kann der Mensch das Wort GOTTES ausführen und den Willen GOTTES tun (vgl. Nee, 1978). Nur wenn der Eigenwille des Menschen gebrochen ist, ist der Mensch bereit für den Willen GOTTES. GOTT redet zu dem Geist des Menschen. Der Geist GOTTES gibt uns zusammen mit unserem Geist das Zeugnis, dass wir Kinder GOTTES sind (vgl. Röm. 8,16). Der Geist des Menschen darf nicht von der Seele des Menschen beherrscht werden, sondern muss von dem Geist GOTTES beherrscht werden. GOTT muss den Geist des Menschen von der Seele des Menschen befreien, sodass der Geist die Seele beherrscht und nicht die Seele den Geist (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Befreiung des Geistes von der Seele
GOTTES Wort trennt Seele und Geist und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Die Gedanken, die wir denken, entspringen unseren innersten Überzeugungen und Gesinnungen. Unsere Gedanken können unsere Gesinnung beeinflussen und unsere Gesinnung kann unsere Gedanken beeinflussen. Die Seele des Menschen kann den Geist des Menschen beeinflussen und der Geist des Menschen kann die Seele des Menschen beeinflussen. Gedanken sind wie die Seele des Menschen, sie prägen und bestimmen, was wir tun. Die Gesinnung des Herzens ist das Konzept unserer Überzeugungen. Wir können unsere Überzeugungen durch unsere eigenen Gedanken prägen lassen, aber wir können unsere Überzeugungen auch durch die Gedanken GOTTES prägen lassen. Wenn wir unsere Überzeugungen von unserem seelischen Denken bestimmen lassen, dann werden wir tun, was die Seele will. Wenn wir aber unsere Überzeugungen von den Gedanken GOTTES bestimmen lassen, dann wird sich auch unser seelisches Denken und Empfinden ändern und unser Verhalten wird dem Willen GOTTES entsprechen. GOTTES Wort stellt unser seelisches, von GOTT unabhängiges Denken und Handeln bloß. Durch GOTTES Wort werden wir dazu befähigt, GOTTES Willen zu tun. Dieses Wort besitzt die Kraft, unser Leben und unser Denken zu verändern. GOTTES Wort ist gefährlich, weil jeder, der es liest, danach nicht mehr derselbe Mensch sein kann. Wenn wir uns mit GOTTES Wort beschäftigen, können wir nie wissen, was für gewaltige Auswirkungen diese Worte auf unser ganzes Dasein haben können und haben werden.
Im Wort GOTTES sind viele kostbare Schätze verborgen. Schätze, die uns nicht nur reich, sondern auch heilig, glücklich und gerecht machen können. Einer dieser Schätze ist das Johannes-Evangelium. Das Johannes-Evangelium ist das einzige Evangelium, das explizit nicht nur die Motivation des Schreibers, sondern auch den Zielgedanken des Autors erwähnt. Im Vergleich zu den anderen Evangelien ist bei Johannes kein aufmerksames Studieren des Textes erforderlich, um herauszufinden, was der Zielgedanke ist.
Johannes 20,30-31: Noch viele andere Zeichen tat Jesus nun vor Seinen Jüngern, die in diesem Buch nicht geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus, der Sohn GOTTES ist, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in Seinem Namen.
Johannes verrät erst gegen Ende seines Evangeliums, was er dem Leser eigentlich genau sagen wollte und warum er das Evangelium geschrieben hat. Durch diese späte Offenbarung stellt sich die Frage, warum er nicht bereits am Anfang des Evangeliums seine Absicht klargemacht hat. Beim genaueren Lesen lässt sich aber feststellen, dass Johannes genau das getan hat. Er hat in den ersten fünf Kapiteln des Buches unmissverständlich aufgezeigt, dass Jesus der Sohn GOTTES ist. Die ersten fünf Kapitel dienen als Einleitung und Hinführung zu den Ich-Bin-Aussagen. Der Leser soll durch das Johannes-Evangelium erkennen, „dass Jesus der Christus, der Sohn GOTTES ist“. Wo Matthäus Jesus Christus als den König, Markus Jesus Christus als den Knecht und Lukas den Herrn als Menschensohn beschreiben, legt Johannes seinen Fokus auf die Sohnschaft Gottes. In den ersten drei Evangelien bezieht GOTT selbst keine klare Stellung zu den Hauptgedanken, die Er durch Sein Wort vermitteln will. Die Beschreibungen von Christus als dem König, als dem Knecht und als dem Menschensohn sind menschliche Interpretationen der Evangelien, nicht aber GOTTES Offenbarungen. GOTT selbst hat nie gesagt, dass das Matthäus-Evangelium dazu bestimmt ist, Christus als den König darzustellen, auch wenn diese Auslegung für uns nachvollziehbar ist und sinnvoll erscheint. Nur im Johannes-Evangelium verrät GOTT durch den Schreiber, welchen Zielgedanken Er verfolgt.
Das Johannes-Evangelium ist in vielerlei Hinsicht ein besonderes Evangelium. Es enthält Aussagen über die Person Jesu, die in keinem anderen Evangelium gemacht wurden. Beispielsweise werden die Ich-bin-Aussagen des Herrn nur in diesem Evangelium erwähnt. Diese fundamental wichtigen Aussagen über den Sohn GOTTES sind so essentiell, dass sich die Frage stellt, warum sie in den anderen Evangelien nicht erwähnt wurden. Die Ich-bin-Aussagen des Herrn sind auf eine derart einzigartige Art und Weise aufschlussreich über die Person, den Charakter, die Aufgaben und das Werk des Herrn Jesus, dass es kaum nachvollziehbar ist, warum sie nicht in jedem Evangelium zu finden sind. Das Johannes-Evangelium wurde um die Ich-Bin Aussagen herumgeschrieben. Die Begebenheiten und Wunder im Johannes-Evangelium unterstreichen, verdeutlichen und veranschaulichen die Ich-Bin Aussagen. Dieser Kommentar soll dazu dienen, aufzuzeigen, wie sich die Struktur dieses Evangeliums um die Ich-Bin Aussagen bildet. Das Johannes-Evangelium offenbart uns Christi Sicht über sich selbst, wie kein anderes Evangelium es tut. Es offenbart das Wesen GOTTES durch den Sohn GOTTES, damit wir GOTT erkennen und an Ihn glauben können. Johannes hat genau wie Markus kein Geschlechtsregister und keinen Stammbaum des Herrn in sein Evangelium integriert, weil Christus als der Sohn GOTTES ewig ist und keinen Anfang und kein Ende hat.