Das Ende der Selbsttäuschung

Hatte ich nicht alles getan, was ich tun konnte? Hatte ich nicht Tag und Nacht hart gearbeitet, um rechtzeitig mit dem Säen fertig zu werden? Ich hatte doch jeden Zentimeter dieses harten und widerspenstigen Ackers umgegraben, damit die Saat auf guten Boden fallen konnte. Beständig und ausdauernd hatte ich gebetet, dass GOTT Seinen Segen und eine reiche Ernte schenkt. Und doch stand ich jetzt vor einem trockenen und dürren Boden, der jeden Tropfen Wasser aufgesogen hatte und gierig nach mehr verlangte. Seit Wochen hatte es nicht mehr geregnet. Die einst vielversprechende Erde war fast schon versteinert. Wo inzwischen volle Ähren mich hätten anlächeln sollen, sah ich nur in das erstarrte und maskenhafte Gesicht eines in Apathie versunkenen Bodens. War alles umsonst gewesen? Hatte ich den wertvollen Samen an einen undankbaren Acker verschwendet? Wütend stampfte ich mit meinen Füßen auf den Boden und reckte meine geballten Fäuste in den Himmel. Vielleicht hoffte ich, dass ich durch meine Drohgebärden mehr bewegen konnte als durch mein gutes Zureden im Gebet. Aber Er schien von meinem Drohen völlig unbeeindruckt zu sein. Ich war mir sicher, dass Er mich gesehen hatte und dass Er wusste, dass ich dringend Regen brauchte. Trotzdem regte sich nichts. Jede Wolke, die am Himmel aufzog, bevor sie wieder für immer verblasste, war für mich nur noch Hohn und Spott, anstatt ein Zeichen der Hoffnung zu sein. Ich hatte aufgegeben. Meine Zeit war abgelaufen. Es war zu spät. Der Regen war nicht gekommen, als er hätte kommen sollen. Er hatte mich im Stich gelassen und mir falsche Hoffnungen gemacht. Ich hatte Ihm vertraut und monatelang auf Ihn gewartet und Er hatte mich enttäuscht. Wieso hatte Er das getan? Ich hatte meinen Teil doch erfüllt und war meiner Verantwortung nachgekommen. Warum hielt Er sich dann nicht an Seinen Teil der Abmachung? War es zu viel verlangt, dem Regen zu gebieten, mein bescheidenes Fleckchen Erde nicht zu ignorieren oder zu umgehen? Was sollte jetzt aus meiner Familie werden? Wie sollten wir ohne Nahrung durch den Winter kommen? Aus voller Kehle schrie ich zum Himmel: „Warum hast du mich verlassen? Wenn ich am Tag rufe, antwortest Du nicht und auch nachts gönnst du mir keine Ruhe. Meine verzweifelten Schreie scheinst du nicht zu hören, weil Du zu weit weg bist. Was habe ich falsch gemacht, dass Du mich so bestrafst?“

Plötzlich donnerte es. Wie vom Blitz getroffen zuckte ich zusammen. Der Schreck steckte mir noch in den Gliedern, als ich eine durchdringende Stimme hörte: „Wer verfinstert da den Ratschluss mit Worten ohne Erkenntnis? Wo warst du, als Ich den Grund der Erde legte? Wer hat der Regenflut ein Bett zugewiesen und dem Donner einen Weg, um es regnen zu lassen auf menschenleeres Land, auf die Steppe, wo niemand wohnt, um die Einöde und Wildnis reichlich zu tränken und Pflanzengrün sprießen zu lassen? Kannst du deine Stimme hoch zu den Wolken dringen lassen, sodass strömender Regen dich bedeckt? Kennst du die Gesetze des Himmels oder bestimmst du seine Herrschaft über die Erde? Wer bist du, dass du meinst, über den Regen bestimmen zu können? Wer gibt dir das Recht, zu fordern, was dir nicht zusteht? Deine Enttäuschung war notwendig für das Ende deiner Selbsttäuschung. Du wolltest Meinen Segen, aber nicht Mich. Du wolltest eine reiche Ernte, aber keine enge Beziehung zu Mir. Ich wollte dich, aber du wolltest Mich nicht. Wo warst du, als Ich jeden Morgen und Abend auf dich gewartet habe? Warum hast du dir keine Zeit für Mich genommen, um mit Mir zu reden und um Mir zuzuhören? Wieso hast du Mir nicht vertraut, dass Ich für dich sorge? Es ist umsonst, dass du früh aufstehst und spät aufbleibst, nur um mühsam erworbenes Brot zu essen. Ich hätte dir das alles im Schlaf gegeben. Wer zuerst nach Mir und nach Meinem Reich trachtet, dem wird alles, was er braucht, hinzugefügt. Geh und öffne deine Scheune, damit du erkennst, dass Ich der Allmächtige bin.“

Gehorsam und gedemütigt öffnete ich das Tor zu meiner Scheune. Sie war voller Weizen. Voller Staunen fiel ich auf meine Knie. Er hatte für mich gesorgt. Er hatte alle meine Erwartungen übertroffen. Wie konnte ich nur so dumm gewesen sein, Ihm nicht zu vertrauen, dass Er für meine Familie sorgt? Er brauchte keine Ernte, um meine Scheune mit Weizen zu füllen. Er ist ein GOTT der Wunder. Er ist der Allmächtige, der versorgt.