Das Geheimnis eines geistlichen Wandels (Eph. 6,10-20)

Ein Wandel im Geist ist immer auch ein geistlicher Kampf. Es gibt keinen Wandel im Geist ohne ein Kämpfen im Geist. Für diesen geistlichen Wandel und für diesen geistlichen Kampf hat GOTT Seinen Kindern eine Waffenrüstung gegeben. Wir haben diese geistliche Waffenrüstung bekommen, weil wir gegen geistliche Mächte der Bosheit ankämpfen müssen. Wenn wir im Geiste wandeln wollen, müssen wir diesen Mächten der Finsternis widerstehen können. Wir können diesen geistlichen Wandel und diesen geistlichen Kampf nur gewinnen und in der Heiligung wachsen, wenn wir die Waffenrüstung GOTTES anziehen. Wir sollen unsere Lenden mit Wahrheit umgürten und den Brustpanzer der Gerechtigkeit tragen. Unsere Füße sollen mit der Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums gestiefelt sein. Wir sollen den Schild des Glaubens ergreifen und den Helm des Heils und das Schwert des Geistes nehmen. Wenn mich jemand fragen würde, was die wirksamste Waffe gegen die bösen Mächte oder der beste Schutz vor dem Feind ist, würde ich Gebet sagen. Die mächtigste Waffe und der beste Schutz, den wir als Kinder GOTTES für uns selbst und stellvertretend für andere haben, ist das Gebet.

Warum ist Gebet dann kein Teil der Waffenrüstung GOTTES?

Warum heißt es nicht: Ergreift den Speer des Gebets, mit dem ihr die Heeresreihen des Feindes durchbrechen könnt oder mit dem ihr zu einem vernichtenden Schlag gegen den Feind ausholen könnt. Oder bildet als Gemeinde eine Mauer des Gebets, die der Feind nicht durchbrechen kann. Das wären ja treffende Beschreibungen des Gebets. Aber Gebet wird nicht als Teil der Waffenrüstung GOTTES aufgeführt. Das sollte bei uns Fragen aufwerfen. Das sollte uns stutzig machen. GOTT gibt so viele Verheißungen bezüglich des Gebets. Er spricht immer wieder von der Macht des Gebets und dem Einfluss des Gebets (vgl. Jak. 4,2). Wir kennen aus dem Alten und Neuen Testament die Bedeutung eines Fürsprechers und die fatalen Folgen eines Fehlens von Fürsprechern (vgl. Hes. 22,30-31). Wir lesen in der Bibel immer wieder von den katastrophalen Folgen der Gebetslosigkeit. Der Herr sagte zu Seinen drei Jüngern im Garten Gethsemane, dass sie wachen und beten sollen, damit sie nicht in Anfechtung fallen (vgl. Lk. 22, 46). Wir lesen in dieser Begebenheit im Garten Gethsemane die gleiche Aufforderung, die auch an uns im Epheserbrief ergeht: „Betet und wacht“ (Eph. 6,18). Die Jünger haben nicht gewacht und nicht gebetet und haben deshalb den Herrn feige im Stich gelassen und Ihn verleugnet. Gebet hat im Leben des Herrn Jesus eine zentrale Rolle gespielt und trotzdem ist Gebet kein Teil der Waffenrüstung GOTTES. Es wird im gleichen Abschnitt im Epheserbrief miterwähnt, aber nicht als zur Waffenrüstung dazugehörig. Auf den ersten Blick erscheint es so, als ob das Gebet weniger wichtig sei als die in der Waffenrüstung aufgeführten Dinge. Wenn man flüchtig über diesen Text hinwegliest, könnte man den Eindruck gewinnen, dass Gebet nicht so wichtig für den geistlichen Wandel und für den geistlichen Kampf sei. Auf den zweiten Blick fällt einem vielleicht der Zusammenhang zwischen dem Gebet und dem Schwert des Geistes, dem Wort GOTTES auf. In der Schlachter-Übersetzung heißt es in Vers 18: „indem ihr zu jeder Zeit betet mit allem Gebet und Flehen im Geist und wacht zu diesem Zweck in aller Ausdauer und Fürbitte für alle Heiligen“. Wir könnten jetzt schlussfolgern, dass wir GOTTES Wort, das Schwert des Geistes nur nehmen und gebrauchen können, wenn wir GOTTES Wort unter Gebet lesen, was ja richtig ist. Aber auch in dieser Auslegung würde dem Gebet nur eine unterstützende Nebenrolle zukommen. Es heißt ja nicht, dass wir das Schwert des Geistes nehmen sollen, welches das Wort GOTTES und das Gebet ist. Das Schwert des Geistes ist das Wort GOTTES und nicht das Wort GOTTES und das Gebet. Wie wir es auch drehen und wenden, Gebet scheint auf den ersten und zweiten Blick bei der Waffenrüstung GOTTES eine untergeordnete Rolle zu spielen. Und das stimmt nicht mit der Bedeutung des Gebets, von der wir überall in der Bibel lesen können, überein.

Warum ist Gebet also kein Teil der Waffenrüstung GOTTES?

Im Gebet lernen wir den Gebrauch der Waffenrüstung GOTTES. Ohne Gebet gibt es keine Waffenrüstung. Im Gebet legen wir die Waffenrüstung GOTTES an. Das Gebet selbst hat keinen Teil in der Waffenrüstung GOTTES , weil es der wichtigste Teil von jedem Teil der Waffenrüstung ist. Am Gebet steht und fällt der Gebrauch der Waffenrüstung. Das Gebet ist das Geheimnis eines geistlichen Wandels und eines siegreichen Kampfes. Das Gebet ist der Schlüssel zu einem Wandel im Geist. Die Jünger hatten im Garten Gethsemane die Waffenrüstung GOTTES nicht angezogen, weil sie nicht gebetet hatten. Sie konnten den Angriffen des Bösen nicht widerstehen, weil sie nicht gebetet hatten. Paulus spricht in Epheser 6 davon, dass man für ihn beten solle, damit ihm das Wort gegeben werde und er das Geheimnis des Evangeliums verkündigen könne. Gebet ist nicht nur das Geheimnis zu unserem eigenen persönlichen Wandel im Geist, sondern auch zum geistlichen Wandel unserer Mitmenschen. Durch Gebet können wir den geistlichen Wandel und den geistlichen Kampf anderer Menschen entscheidend prägen. Als das Volk Israel gegen die Amalekiter gekämpft hatte, lag der Ausgang des Kampfes in Moses Gebetshänden (vgl. 2.Mo. 17,8-16). Wenn wir geistlich wandeln und in der Heiligung wachsen wollen, müssen wir unsere Amalekiter, d. h. unser Fleisch im Kampf überwinden. Der wichtigste Faktor für einen Sieg über das Fleisch ist das Gebet. Amalekiter können nur durch Gebet besiegt werden. Josua hätte seine Waffenrüstung so oft anziehen können, wie er wollte, es hätte alles nichts gebracht, wenn Mose nicht gebetet hätte. Wir können nur geistlich wandeln, wenn wir gegen unser Fleisch kämpfen und durch Gebet diesen Kampf gewinnen. Im Gebet ziehen wir die Waffenrüstung GOTTES an und im Gebet lernen wir den Gebrauch der Waffenrüstung GOTTES. Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen dem Gebet und den einzelnen Teilen der Waffenrüstung GOTTES. Wir hatten den Zusammenhang zwischen Gebet und dem Schwert des Geistes, dem Wort GOTTES schon kurz erwähnt. Wir können GOTTES Wort nur richtig verstehen, wenn wir es unter Gebet lesen. Wenn wir immer versuchen, GOTTES Wort mithilfe von Bibelkommentaren zu verstehen, werden wir immer Kinder im Glauben bleiben, die von anderen abhängig sind. Wenn es uns an Weisheit mangelt, sollen wir GOTT um Weisheit bitten und Er wird sie uns gerne und ohne Vorwurf geben (vgl. Jak. 1,5). Wir alle brauchen göttliche Weisheit, um GOTTES Wort richtig und ausgewogen zu verstehen. Weisheit im biblischen Sinne ist immer die Sichtweise GOTTES. Wenn wir GOTTES Sichtweise in GOTTES Wort erkennen und verstehen wollen, müssen wir um die Sichtweise GOTTES beten. Paulus bittet ja auch in Epheser 6,19 darum, dass ihm das Wort durch die Gebete der Epheser gegeben werde. Den Zusammenhang zwischen Gebet und dem Helm des Heils erkennen wir in 1. Johannes 3,19-22. Wenn wir davon ausgehen, dass mit dem Helm des Heils die Heilsgewissheit oder laut 1. Thessalonicher 5,8 die Hoffnung auf das Heil gemeint ist, dann müssen wir in 1. Johannes 3,21-22 sehen, dass fehlende Heilsgewissheit zu einer fehlenden Freimütigkeit im Gebet führt. Fehlende Heilsgewissheit führt zu fehlendem Gebet und fehlendes Gebet führt zu fehlender Heilsgewissheit. Das ist ein Teufelskreis. Ein wichtiger Faktor, um Heilsgewissheit zu erhalten, ist Dankbarkeit für das, was Christus für uns getan hat. Fehlende Heilsgewissheit ist ein negativer Gefühlszustand, der nicht der Realität entspricht. Negative Gefühle überwindet man durch Dankbarkeit im Gebet. Den Schild des Glaubens ergreifen wir im Gebet. Bevor Petrus den Herrn verleugnet hatte, hat der Herr diese Verleugnung angekündigt und für Petrus gebetet. Der Herr hatte für Petrus gebetet, dass sein Glaube nicht aufhöre (vgl. Lk. 22,32). Petrus hatte für sich selbst den Schild des Glaubens nicht ergriffen, aber der Herr hatte für ihn den Schild des Glaubens ergriffen. Die Gebete des Herrn hatten dazu geführt, dass die feurigen Pfeile des Bösen ausgelöscht wurden und der Satan die Jünger nicht sichten konnte wie den Weizen (vgl. Lk. 22,31). Gebet für uns selbst und für andere führt zu Glaubenswachstum. Im Epheserbrief lesen wir, dass Paulus, die Epheser darum gebeten hat, dass sie für ihn beten sollen, damit er das Evangelium freimütig verkündigen kann. Wir stiefeln unsere Füße mit der Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums, indem wir dafür beten. Wir müssen füreinander beten, damit wir fähig sind, das Evangelium angemessen zu verkündigen. Wir müssen Evangelisation immer im Gebet tragen und vorbereiten. Wenn wir das Evangelium verkündigt haben, müssen wir für die Menschen beten, denen wir GOTTES Heilsbotschaft verkündigt haben. Den Brustpanzer der Gerechtigkeit wollen wir mit einem gerechten Lebenswandel und mit Früchten der Gerechtigkeit gleichsetzen (vgl. Phl. 1,11). Es geht dabei um Integrität, Reinheit, Heiligkeit und Aufrichtigkeit als Folge der Gerechtigkeit aus Glauben. In Kolosser 1,10 lesen wir, dass Paulus dafür betet, dass die Kolosser des Herrn würdig wandeln sollen. Paulus hat für ein Leben der Gerechtigkeit bei den Kolossern gebetet und seine Gebete wurden erhört. Nur wenn wir im Gebet vor GOTT stehen, werden wir vom Geist GOTTES umgestaltet in das Bild des Sohnes GOTTES (vgl. 2. Kor. 3,18). Nur im Gebet können wir mit unverhülltem Angesicht vor den Gnadenthron treten und die Herrlichkeit des Herrn anschauen und in unserem Wesen und Wandel verwandelt werden und Früchte der Gerechtigkeit hervorbringen. In Philipper 1,9-10 lesen wir, dass Paulus dafür betet, dass die Philipper in der Erkenntnis und im Urteilsvermögen zunehmen, damit sie prüfen können, worauf es ankommt. Echte und wahre Erkenntnis erhalten wir, wenn wir dafür beten. Durch Gebet umgürten wir uns mit Wahrheit, die nur von GOTT kommen kann. Wir müssen um Erkenntnis der Wahrheit beten. Gebet ist kein Teil der Waffenrüstung GOTTES, weil Gebet die Grundlage der Waffenrüstung ist. Die Waffenrüstung kann nur im Gebet angezogen und gebraucht werden. Gebet findet sich in jedem Teil der Waffenrüstung, weil das Gebet das Geheimnis eines geistlichen Kampfes und eines geistlichen Wandels ist.