
Es gibt eine Irrlehre, die von vielen Christen unserer Zeit geglaubt, von manchen gelehrt und von den meisten gelebt wird. Diese Irrlehre heißt Antinomismus. „Anti“ bedeutet „gegen“ und „nomos“ bedeutet „Gesetz“ – gegen Gesetz – Antinomismus. Das ist die Irrlehre, wegen der der Jakobusbrief geschrieben wurde (vgl. Lloyd-Jones, 2003). Im Antinomismus wird gelehrt, dass selbst die moralischen Gebote für ein Kind GOTTES nicht mehr gelten, was eine Irrlehre ist. Im Antinomismus versucht man, zu argumentieren, dass GOTT im neuen Bund nur noch Prinzipien und keine Gesetze aufgestellt hat. Das ist eine Irrlehre. „Heben wir nun das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Vielmehr bestätigen wir das Gesetz“ (Röm. 3,31). Insbesondere in der Postmoderne, in der wir leben, ist der Antinomismus in den Gemeinden wieder aufgelebt. Das große, moderne Motto lautet: „Es ist mir alles erlaubt – aber es ist nicht alles nützlich. Alles ist mir erlaubt – aber es erbaut nicht alles!“ (1. Kor. 10,23). Dieser Vers wird in beiden Fällen, in denen er in der Bibel in ähnlichen Worten vorkommt, im Zusammenhang mit Essen erwähnt und macht keine Aussage über Moral (vgl. 1. Kor. 6,12). Essen ist dem Leib erlaubt, aber Unzucht nicht. Es ist uns nicht erlaubt, einen anderen Menschen zu ermorden oder zu bestehlen, nicht weil das uns nicht zum Guten dient und uns gefangen nehmen kann oder wir dafür ins Gefängnis kommen könnten, sondern weil GOTT allgemeingültige, moralische Prinzipien und Gebote aufgestellt hat, an die sich jeder Mensch zu halten hat. Nicht das, was für uns nützlich oder gut ist; nicht das, was in unseren Augen gut ist, ist auch gut und richtig und bestimmt unsere moralischen Maßstäbe, sondern das, was in GOTTES Augen gut ist, ist gültig für alle Menschen. Das, was GOTT für gut hält, ist gültig. Die Ansicht, dass wir selbst bestimmen können, was gut und richtig ist und wir uns keinen universalen Maßstäben unterordnen müssen, ist der moralische Relativismus der Postmoderne. Moral ist nicht relativ, sondern absolut. Nicht das, was mir gut erscheint, bestimmt, was mir erlaubt ist, sondern das, was GOTT für gut hält, bestimmt, was mir erlaubt und nicht erlaubt ist. Die Frage ist nicht, ob etwas gut ist, sondern ob etwas richtig ist. Etwas Gutes kann falsch sein, weil es nicht der spezielle Wille GOTTES für unser Leben ist. Es ist gut, als Missionar in ein fernes Land zu ziehen, aber es kann falsch sein, als Missionar in ein fernes Land zu ziehen, wenn GOTT will, dass wir in unserem Heimatland unserer täglichen Arbeit nachgehen und die Missionare auf dem Missionsfeld durch Gebet und Spenden unterstützen. Nicht alles, was gut ist, ist auch richtig. Bei Moral geht es nicht um die Frage, ob etwas für mich gut oder schlecht ist, sondern darum, ob es richtig oder falsch ist. Die Postmoderne hat allgemeingültige und für jeden Menschen geltende moralische Normen und göttliche Gesetze abgeschafft.
Wenn wir über das mosaische Gesetz reden, müssen wir unterscheiden, über welchen Teil des Gesetzes wir reden. Das mosaische Gesetz bestand aus Gesellschaftsordnungen für die damalige Theokratie im Volk Israel, aus zeremoniellen Geboten, was die Stiftshütte und die Opfergesetze anging und aus moralischen Geboten (vgl. Fruchtenbaum, 2010). Diese Unterteilung des mosaischen Gesetzes in drei Teile stellt uns vor die Frage, was vom mosaischen Gesetz für uns als neutestamentliche Christen gilt. Was vom alten Bund findet sich im neuen Bund wieder und was nicht? Zuerst ist wichtig zu sagen, dass der alte Bund komplett durch den neuen Bund ersetzt wurde. Der alte Bund und das mosaische Gesetz wurden als System vollständig durch den neuen und besseren Bund ersetzt (vgl. Heb. 8,6-13). Als System ist das mosaische Gesetz für uns Christen nicht mehr gültig. Der neue Bund ist ein neues und besseres System. Aber der neue Bund ist nicht etwas völlig anderes als der alte Bund. Der alte und der neue Bund sind sich in vielen Dingen sehr ähnlich, was für uns selbstverständlich sein sollte, weil der alte Bund dazu gedacht war, um auf den neuen Bund vorzubereiten und hinzuweisen. Das Gesetz war ein Zuchtmeister auf Christus hin, damit wir durch Glauben gerechtfertigt würden (vgl. Gal. 3,24). Das Gesetz hat nie einen alternativen Weg der Errettung dargestellt. Das Gesetz war nie dazu gedacht, dass Menschen durch eigene Werke errettet werden könnten. Christus war schon immer der einzige Weg zum Vater. Menschen wurden schon immer aus Gnade und durch Glauben errettet. Menschen mussten auch im alten Bund an den verheißenen Messias glauben, um errettet zu werden, weil sie GOTTES Gebote nicht halten konnten. Das Gesetz hat GOTTES Heiligkeit und GOTTES Maßstäbe offenbart, beides hat sich bis heute nicht geändert. Das Gesetz hat Sünde definiert und sollte zur Erkenntnis der Sünde führen (vgl. Röm. 3,20). Das Gesetz hat bewirkt, dass die Übertretungen und die Sünde zugenommen haben (vgl. Röm. 5,20), weil die Sünde durch das Gebot die Gelegenheit ergriff, um uns zu verführen und um uns durch das Gebot zu töten (vgl. Röm. 7,11). Weil wir Feinde GOTTES waren und GOTT gehasst haben, haben wir gegen alles rebelliert, was GOTT uns geboten hat und so wurde das Maß unserer Sünde und unserer Übertretung immer voller. „Sünde ist die Gesetzlosigkeit“ (1. Joh. 3,4). Sünde ist laut der Definition der Bibel eine Übertretung des Gesetzes oder Gesetzlosigkeit. Auch Kinder GOTTES können sündigen und damit, das Gesetz GOTTES übertreten. Die Gesellschaftsordnung des mosaischen Gesetzes finden wir in einer anderen Form im neuen Bund wieder. In der Bergpredigt beschreibt GOTT die neue Ordnung und den neuen Bund in Seinem neuen Reich. Im neuen Bund gibt es nicht die gleiche Theokratie wie im alten Bund, aber GOTT ist immer noch Herrscher in Seinem Reich. An der Herrschaft GOTTES hat sich nichts geändert. Nur die Art und Weise des Reiches, über das GOTT herrscht hat sich geändert. GOTT ist der Herr im Leben Seiner Kinder, GOTT ist der Herr in der Gemeinde und wir wissen, dass GOTT auch in der Zukunft Seine Theokratie im Volk Israel wieder aufrichten wird. GOTT beschreibt in der Bergpredigt, wie Menschen, die zu Seinem Reich dazugehören, leben sollen. Die Bergpredigt ist keine staatliche Gesellschaftsordnung wie das Gesetz im Alten Bund, aber in der Bergpredigt beschreibt GOTT, wie Seine Herrschaft im Leben Seiner Kinder praktisch aussieht. Die Bergpredigt dient nicht dazu, dass Menschen erkennen sollen, dass sie die Bergpredigt nicht halten können – das war der Zweck des mosaischen Gesetzes – in der Bergpredigt beschreibt GOTT die Menschen, die zu Seinem Reich dazugehören und was für Ordnungen in diesem Reich gelten. Auch die Strafen für die Übertretung des Gesetzes im alten Bund gehörten zu dieser Gesellschaftsordnung und werden von uns in dieser Form nicht mehr vollstreckt. Die gesellschaftsorientierten Gebote GOTTES waren nur für den alten Bund gegeben und wurden durch die Ordnungen für die Gemeinde ersetzt. Ehebruch und Mord werden heute nicht mehr mit dem Tode bestraft und das ist gut so, aber GOTT wird Ehebruch und Mord in der Hölle bestrafen, wenn der Sünder keine Sündenvergebung erfährt. Im neuen Bund wird ein Übertreten des Gesetzes nicht sofort gerichtet, aber GOTTES Gericht bleibt nicht aus. Die Gesellschaftsordnung des alten Bundes, die Theokratie gilt nicht mehr für Kinder GOTTES, aber es gibt eine Herrschaft GOTTES im Leben Seiner Kinder und in der Gemeinde. Die zeremoniellen Gebote und die Opfergesetze aus dem alten Bund finden wir alle im neuen Bund wieder. Auch hier sind sich der alte und der neue Bund sehr ähnlich. Die zeremoniellen Gebote sollten alle auf das einmalige, stellvertretende und vollkommene Opfer des Herrn Jesus hinweisen. Keines der zeremoniellen Gebote gilt mehr für ein Kind GOTTES, weil Christus alle diese Gesetze vollkommen und stellvertretend durch Sein Opfer ersetzt hat. Der Vorhang im Tempel ist zerrissen, was ein Bild für das Fleisch Christi war (vgl. Heb.10,20). Wir müssen diese zeremoniellen Gebote nicht mehr halten, weil wir Christus haben. Die Gesellschaftsordnung und die zeremoniellen Gebote gelten für ein Kind GOTTES nicht mehr. Was ist aber mit den moralischen Geboten? GOTTES moralische Gebote sind völlig unabhängig vom Gesetz. Die moralischen Gebote sind ein Teil des mosaischen Gesetzes, sie sind aber völlig unabhängig vom Gesetz. Moral gab es schon vor und auch nach dem Gesetz. Kain durfte seinen Bruder Abel nicht töten. Die Menschen, die vor der Sintflut gelebt hatten, durften nicht gegen das ungeschriebene, moralische Gesetz GOTTES verstoßen. Gebote und Verbote sorgen dafür, dass wir uns zivilisiert verhalten. Gebote und Verbote sind die Grundlage einer Zivilisation. Die moralischen Gebote galten bereits, als es das Gesetz noch gar nicht gab. Die moralischen Gebote sind nicht noch immer gültig, sondern sie waren schon immer gültig. Ehebruch und Mord waren bereits Sünde, als das Gesetz Moses noch gar nicht existierte. Moral existierte vor dem alten Bund und existiert auch heute noch nach dem alten Bund. Die Sintflut und die Vernichtung Sodoms und Gomorras waren rechtmäßig, obwohl es noch kein Gesetz GOTTES gab. Moral ist unabhängig von einem geschriebenen Gesetz. Wäre Moral von einem niedergeschriebenen Gesetz abhängig, hätte GOTT den Menschen zur Zeit der Sintflut und den Menschen aus Sodom und Gomorra Unrecht getan, weil es kein Gesetz gab, basierend auf dem sie hätten verurteilt werden können. GOTT gab den Menschen ein Gewissen, durch das sie Gut und Böse unterscheiden konnten. Was das System angeht, wurde der alte Bund durch den neuen Bund ersetzt, was die Prinzipien und Maßstäbe GOTTES angeht, hat sich nichts geändert. Wir finden GOTTES Prinzipien, Gesetze und Maßstäbe im neuen Bund wieder. GOTTES Prinzip der Herrschaft GOTTES gilt nach wie vor, nur in einer anderen Form. GOTTES Prinzip der Zeremonien und Opfer gilt nach wie vor im Opfer des Herrn Jesus, damit unsere Übertretungen vergeben werden können. GOTTES Prinzipien und Maßstäbe für Moral haben sich nicht geändert. Die Prinzipien und die Maßstäbe GOTTES offenbaren sich in den Geboten GOTTES. Die moralischen Gebote sind genauso Teil des neuen Bundes, wie sie Teil des alten Bundes waren. GOTTES moralische Prinzipien sind für uns Gesetz, weil sie von GOTT eingesetzt wurden. Gehorsam GOTT gegenüber ist kein Bonus, der dem Glauben hinzugefügt werden kann oder nicht. Gehorsam ist keine Option für ein Kind GOTTES. Gehorsam ist eine Realität für ein Kind GOTTES. Echter Glaube zeigt sich in echtem Gehorsam. Unechter Glaube zeigt sich in echtem Ungehorsam. Ein Kind GOTTES muss GOTT gehorchen, sonst sündigt es und Sünde ist Gesetzlosigkeit und eine Übertretung des Gesetzes. Die moralischen Gebote des alten Bundes müssen auch im neuen Bund gehalten werden, weil GOTTES Maßstab für Heiligkeit und Moral sich nicht geändert hat. Was die moralischen Gebote angeht, gibt es aber auch einen gewaltigen Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Bund. Das mosaische Gesetz hatte nicht die Kraft, Menschen dazu zu befähigen, das Gesetz zu halten. Das Gesetz des Buchstabens konnte das Gesetz der Sünde nicht überwinden. Was dem mosaischen Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch kraftlos war, das tat GOTT durch Seinen Sohn stellvertretend auf dieser Erde und in uns durch die Wiedergeburt, durch Christus in uns.
Jer. 31,33: Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. (vgl. Heb. 10,16)
Hes. 36,26-27: Und Ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen; Ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben; ja, Ich will Meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, dass ihr in Meinen Satzungen wandelt und Meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut.
Das Gesetz des Geistes des Lebens überwindet das Gesetz der Sünde. GOTT bewirkt durch Seinen Geist, dass wir Seine Gebote halten können. Das mosaische Gesetz bewirkte, dass die Sünde auflebte und ich starb (vgl. Röm.7,9). Das Gesetz des Geistes des Lebens hat uns in Christus frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Die Sünde hat das mosaische Gesetz missbraucht, um uns zu verführen, um uns zu töten und um uns zur Rebellion zu reizen. Durch das mosaische Gesetz wurde unser steinernes Herz bloßgestellt. Im alten Bund war das Gesetz außerhalb des Menschen und hat ihn gequält. Im neuen Bund hat GOTT Seine moralischen Gebote durch die Wiedergeburt in unser Herz gelegt, damit die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt würde. Durch das Gesetz des Geistes des Lebens wurden wir von diesem steinernen Herzen befreit und haben ein neues fleischernes Herz bekommen. Unser steinernes Herz hat sich dem Gesetz GOTTES nicht unterworfen, unser fleischernes Herz unterwirft sich dem Gesetz GOTTES und trachtet nach dem, was geistlich ist. GOTT hat durch Seinen Geist die Liebe GOTTES in unsere Herzen ausgegossen (vgl. Röm. 5,5) und diese Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes (vgl. Röm. 13,10). Die moralischen Gebote GOTTES definieren, wie Liebe zu GOTT und zu unseren Mitmenschen praktisch aussieht. Liebe ist das Fundament von Moral. Denn das ist die Liebe zu GOTT, dass wir Seine Gebote halten und Seine Gebote sind nicht schwer (vgl. 1. Joh. 5,3). Wenn wir GOTT lieben, dann halten wir Seine Gebote; wenn wir Ihn nicht lieben, dann halten wir Seine Gebote nicht (vgl. Joh.14,15 + 21 + 23 + 24). „Das Endziel des Gebotes aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben“ (1.Tim.1,5). Ein Kind GOTTES hält die Gebote GOTTES nicht, um errettet zu werden, sondern weil es GOTT liebt und weil GOTT ihm jede Sünde vergeben hat. Wem viel vergeben ist, der liebt viel (vgl. Lk. 7,47). Wenn wir erkennen, wie viel uns vergeben wurde und wie wenig Liebe wir verdient haben, dann können wir den Wert, den GOTT uns durch seine Liebe zuspricht, viel mehr schätzen. GOTT liebt Menschen nicht, weil sie wertvoll sind. Menschen sind wertvoll, weil GOTT sie liebt. Menschen besitzen keinen in ihnen selbst wohnenden Wert in GOTTES Augen. GOTT legt einen unermesslichen Wert in Menschen hinein. Wenn es GOTT nicht gäbe, hätten Menschen keinen Wert. Menschen müssen nicht lernen, sich selbst zu vergeben, sondern lernen, die Vergebung GOTTES anzunehmen. Niemand kann sich selbst vergeben, weil nur GOTT das Recht darauf hat, Vergebung zuzusprechen und Vergebung einzufordern. Auch David wurde viel vergeben und deshalb liebte er viel. Die moralischen Gebote sind nicht für unsere Rechtfertigung und Erlösung relevant, sehr wohl aber für unser tägliches Leben in der Heiligung und im Glaubensgehorsam. GOTT vergibt uns jede Übertretung Seines Gesetzes, aber Er befähigt uns auch dazu, Seine Gebote zu halten. Ein Kind GOTTES rebelliert nicht mehr gegen die Gebote GOTTES, sondern es hat Lust am Gesetz GOTTES (vgl. Röm. 7,22). Ein gesundes Kind GOTTES freut sich über das Gesetz GOTTES, auch wenn es bis zu seinem Lebensende immer wieder dagegen verstoßen wird.