Der Möglich-Macher des Unmöglichen

Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Es war unmöglich. Meine Umstände waren unüberwindbar. Nichts schien mehr möglich zu sein. Ich hatte alle Optionen abgewägt und alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Anfangs war ich noch voller Hoffnung und Vertrauen. Nichts konnte meinen Glauben erschüttern. Jetzt aber war von meinem einst unerschütterlichen Glauben an eine bessere Zukunft nur noch Schutt und Asche übrig. Die bessere Zukunft war nicht real und die Hoffnung nur ein Trugschluss. Nur der Schmerz, der mir von meiner unerfüllten Hoffnung blieb, war real. Er war das einzige, was von meiner Hoffnung übriggeblieben war. Vielleicht wäre es besser gewesen, nie gehofft zu haben, dann wäre mir wenigstens dieser Schmerz erspart geblieben. Laut Seinem eigenen Sohn waren bei Gott doch alle Dinge möglich. Hatte Er nicht Abraham und Jeremia gefragt, ob für Ihn etwas zu unmöglich oder zu wunderbar sein könnte? Trotzdem hatte Er meine Hoffnung nicht erfüllt. Meine Umstände blieben, wie sie waren. Unverrückbar und unbeweglich ragten sie immer stolzer in meinem Leben empor, bis von allen Seiten nur noch sie sichtbar waren. Ich prägte nicht mehr meine Umstände, sondern meine Umstände prägten mich. Dabei wollte ich doch einfach nur Veränderung. Ich erwartete noch nicht einmal einen Neu-Anfang, sondern nur ein bisschen Erleichterung. Ich hoffte nicht auf ein leichtes und bequemes Leben. Alles, was ich mir zu wagen erhoffte, war ein erträglicheres Leben. Ich wollte keinen Himmel auf Erden, aber ich wollte auch nicht, dass der Himmel so unerreichbar erschien. Er war viel zu weit weg und je mehr meine Hoffnung schwand, umso weiter schien der Weg bis zum Himmel zu sein. Der Berg meiner Umstände war zu groß. Am Anfang war er noch sehr klein und überschaubar. Ich hatte nie gedacht, dass er irgendwann so groß werden könnte. Mit der Zeit wurde er aber immer größer. Die vergangene Zeit allein schien ihn exponentiell wachsen zu lassen. Es war fast so, als ob er mich immer mehr zermürben würde, je länger es dauerte. Viele behaupten, dass die Hoffnung zuletzt stirbt. Aber was, wenn sie stirbt? Was bleibt, wenn die Hoffnung in einem dichten Nebel verblasst ist und, wenn der Nebel sich lüftet, sich nur noch der Berg der Umstände vor einem mächtig aufbaut? Kann es Hoffnung angesichts der Unmöglichkeit geben? Ich hatte keine Antwort, sondern nur Fragen. „Warum?“, fragte ich mich. „Warum das alles? Warum versperrt der Berg der Umstände meinen Blick und meinen Weg nach vorne?“

„Weil du nicht wirklich glaubst“, antwortete Jesus. „Ich versichere dir: Selbst wenn dein Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könntest du zu diesem Berg sagen: ›Rücke von hier nach dort!‹, und er würde dorthin rücken. Nichts würde dir unmöglich sein. Manchmal löst sich der Berg der Umstände durch ein Wunder in Luft auf. Manchmal wird er nur minimal versetzt, damit es einen Weg an ihm vorbei gibt und manchmal bleibt er einfach, wo er ist, weil er bereits dort ist, wo er sein soll. Nicht immer werden die Berge der Umstände versetzt oder in Luft aufgelöst. Manche Berge gehören zum Weg dazu. Es gibt aber keinen einzigen Berg der Umstände, der nicht von mir kontrolliert wird. Die Berge der Unmöglichkeit werden durch die Allmacht des Möglich-Machers zu Ebenen der Freude und des Friedens. Oft sind diese Freude und dieser Friede, aber Teil des Schmerzes. Man kann Freude und Frieden haben, auch wenn die Umstände sich nicht ändern. Es geht nicht darum, dass du dich einfach nur freust, sondern darum, dass du dich an Gott freust. Wenn du leidest, kann es sein, dass man dir deine Freude gar nicht ansieht. Es gab Zeiten auf dieser Erde, in denen Ich geweint habe. Mir hat im Garten Gethsemane keiner angesehen, dass Ich Mich gefreut habe. Ich war zu Tode betrübt und hatte sogar Blut geschwitzt. Aber ich hatte in allem immer die vor Mir liegende Freude vor Augen und habe die Schande für nichts geachtet und den Tod am Kreuz auf mich genommen. Schau auf mich! Ich bin der Anfänger und Vollender des Glaubens. Die Freude, von der die Bibel spricht, ist kein Lächeln auf dem Gesicht oder eine fröhliche Ausstrahlung, sondern ein Klammern an die Hoffnung auf das, was in der Ewigkeit vor dir liegt. Du sollst fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis und beharrlich im Gebet sein. Man kann traurig und betrübt sein und sich trotzdem freuen. Ich kann auch dir diese Hoffnung schenken, damit du immer vor Augen hast, dass Ich alles in der Hand habe und deine Hoffnung nicht enttäuschen werde. Deine Errettung schließt ja diese Hoffnung mit ein. Nun ist aber eine Hoffnung, die sich bereits erfüllt hat, keine Hoffnung mehr. Denn warum sollte man auf etwas hoffen, was man schon verwirklicht sieht? Wenn du aber auf etwas hoffst, das du noch nicht sehen kannst, wirst du geduldig warten, bis es sich erfüllt. Ich lasse Menschen oft warten, weil durch Wartezeiten die wichtigsten Lektionen im Glaubensleben erlernt werden. Warten erfordert Glauben und Glauben möchte ich dir beibringen. Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Du kannst Mir vertrauen.“

Von diesem Tag an klammerte ich mich an die Hoffnung. Ich hatte erkannt, dass Er alles vermag und dass kein Plan für Ihn unausführbar ist. Keiner meiner Berge war zu groß für Ihn und nachdem ich meinen Blickwinkel geändert hatte, war auch kein Berg mehr zu groß für mich. Ich schaute von dem Berg der Unmöglichkeit auf den Anfänger und Vollender des Glaubens. Er ist der Möglich-Macher des Unmöglichen.

Epheser 3,20: Ihm aber, der nach der Kraft, die in uns wirksam ist, unendlich mehr zu tun vermag über alles hinaus, was wir erbitten und erdenken können, Ihm gebührt die Ehre.