
Wie bereits im vorigen Kapitel angedeutet, ist der Führungsstil des guten Hirten ein außergewöhnlicher und oft eigenartiger Führungsstil. Der gute Hirte verletzt Seine Schafe, bevor Er sie verbindet. Er fügt ihnen Wunden zu, damit Er die Wunden heilen kann. Er reißt nieder, bevor Er aufbaut und Er reißt aus, bevor Er pflanzt. Er verabscheut das Starke und liebt das Schwache. Kein anderer Hirte will schwache und kranke Schafe, die zu nichts taugen. Nur der gute Hirte liebt das Schwache und Kranke. Die untreuen Hirten Israels werden in Hesekiel 34 getadelt, weil sie mit Härte und Gewalt über die Schafe geherrscht haben. Sie waren Tyrannen, die nur ihren eigenen Vorteil gesucht haben. Christus ist ein guter Hirte, der sich selbstlos um Seine Schafe kümmert. Er identifiziert sich mit Seinen Schafen. Kein anderer Hirte ist je zu einem Schaf geworden. Christus wurde nicht nur zu einem Schaf, Er wurde zu einem Lamm. Christus wurde zu einem kleinen, schwachen Schaf, auf das die meisten herabgesehen haben. Wir Menschen verachten die Lammesart Christi. Wir ziehen die Lamechsart des Menschen der Lammesart Christi vor. „Die Lamechsart steckte in uns von Kind an“ (Johannes Lohmann). Wir bewundern Lamech und verachten Christus. Der Name Lamech bedeutet Umstürzler. Lamech war ein Rebell, ein Nachkomme Kains.
1. Mo. 4,17-24: Und Kain erkannte seine Frau; die wurde schwanger und gebar den Henoch. Und er baute eine Stadt und nannte sie nach dem Namen seines Sohnes Henoch. Dem Henoch aber wurde Irad geboren, und Irad zeugte Mehujael; Mehujael zeugte Methusael, und Methusael zeugte Lamech. Lamech aber nahm sich zwei Frauen: die eine hieß Ada, die andere Zilla. Und Ada gebar den Jabal; der wurde der Vater der Zeltbewohner und Herdenbesitzer. Und sein Bruder hieß Jubal; der wurde der Vater aller Harfen- und Flötenspieler. Und auch Zilla gebar, und zwar den Tubal-Kain, den Meister aller Handwerker in Erz und Eisen. Und die Schwester Tubal-Kains war Naama. Und Lamech sprach zu seinen Frauen: »Ada und Zilla, hört meine Stimme! Ihr Frauen Lamechs, vernehmt meinen Spruch! Einen Mann erschlug ich, weil er mich verwundet, einen jungen Mann, weil er mich geschlagen hat! Denn Kain wird siebenfach gerächt, Lamech aber siebenundsiebzigfach!«
Lamech war der Erste, der gegen GOTTES Ordnung und Gebot der Ehe verstoßen hat. Er war der Erste, der es gewagt hat, sich GOTTES Ordnung der Monogamie zu widersetzen. Lamech hat als Erster GOTTES Geschenk der Ehe an den Menschen missbraucht. Lamech hat sich GOTT widersetzt. Lamech war der Schlimmste von allen. Er war ein Pionier auf dem nur ansatzweise erforschten Gebiet der Rebellion gegen GOTT. Lamech war rebellisch und ungehorsam. Er widerstrebte dem Willen GOTTES, anstatt GOTTES Willen zu tun. Christus war nicht rebellisch und ungehorsam. Christus ist der gehorsame Sohn GOTTES. Er war gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz (vgl. Phl. 2,8). Christus, das Lamm GOTTES, ist lieber gestorben, als dem Vater ungehorsam zu sein. Christus hat den Tod dem Ungehorsam dem Vater gegenüber vorgezogen. Er war dem Vater in allem gehorsam. Er hat großes Leid auf sich genommen, nur um gehorsam zu sein. Christi Gehorsam hat Ihn Sein Leben gekostet.
Lamech nahm sich seine beiden Frauen. Lamech nahm sich, was ihm gefiel. Er erhob einen Anspruch auf seine beiden Frauen und machte sie sich zu eigen. Er tat so, als ob sie ihm gehörten. Lamech machte immer das, was für ihn am besten war. Ada heißt Schönheit oder Geschmückte, Zilla heißt Schatten. Möglicherweise stand Zilla im Schatten von Ada. Glücklich war sehr wahrscheinlich keine von beiden, aber das hat Lamech nicht interessiert, weil er selbstsüchtig war. Lamech dachte nur an sich. Er war ein Egoist, der von seinen beiden Frauen erwartet hatte, dass sie ihn glücklich machten, ganz egal wie unglücklich sie dabei waren. Die Gefühle seiner Frauen waren ihm gleichgültig. Er war ignorant und egozentrisch. Andere mussten für ihn da sein, er war aber nie für andere da. Andere mussten ihm dienen, er diente aber niemandem. Er tat, was ihm gefiel. Christus ist nicht egoistisch. Christus ist das Lamm GOTTES, das sich aufopfert. Er hat sich selbst als Darbringung und Schlachtopfer für uns gegeben (vgl. Eph. 5,2). Christus hat alles für uns aufgeopfert. Er hat die Herrlichkeit, die Er beim Vater hatte, verlassen und nahm Knechtsgestalt an. Er entäußerte sich selbst und wurde wie wir Menschen (vgl. Phl. 2,5-11). Christus ist das Lamm, das uns mit Seinem Blut von der Sünde losgekauft hat (vgl. 1. Pet. 1,18-19). Er hat sich selbst nicht verschont, sondern hat die Herrlichkeit beim Vater verlassen, wurde Mensch und diente. Er war nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und Sein Leben zu geben als Lösegeld für viele (vgl. Mt. 20,28). Christus ist das Lamm, das sich geopfert hat.
Als Lamech sich seine Frauen genommen hatte, tat er, was er wollte. Er ging eigene Wege. Er fragte nicht nach GOTT und suchte nicht den Rat GOTTES. In 1. Mo. 2,22 lesen wir, dass GOTT Eva zu Adam brachte. GOTT lenkt unser Leben, nicht wir selbst. GOTT führt und leitet uns, nicht wir selbst. Lamech handelte entgegen GOTTES Gedanken. Lamech meinte, dass er keinen GOTT brauche, der ihn führt und leitet. Lamech war davon überzeugt, dass er nicht so dumm und schwach sei wie andere, die einen GOTT, der über ihr Leben bestimmt, brauchen. Lamech dachte, dass er schlau genug sei, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Lamech brauchte keinen GOTT. Lamech hatte sich selbst. Er war selbstständig, unabhängig und eigenwillig. Er ging eigene, von GOTT losgelöste Wege und fragte nicht nach GOTTES Willen oder Führung. Lamech ging nicht auf dem Weg, den GOTT für ihn bestimmt hatte. Er machte und bahnte sich seinen eigenen Weg. Er suchte nicht den geebneten Weg GOTTES, sondern ebnete sich die Wege, die er selbst gesucht hatte. Lamech war eigenwillig und unabhängig. Christus war abhängig vom Vater. Der Sohn konnte nichts von sich selbst aus tun (vgl. Joh. 5,19). Der Vater, der in Ihm wohnte, tat die Werke (vgl. Joh. 14,10). Christus hat nichts aus sich selbst heraus getan. Er lebte in der Abhängigkeit vom Vater. Christus, der Einzige, der stark genug war, ein Leben getrennt vom Vater zu leben, machte sich freiwillig abhängig. Er tat in allem den Willen des Vaters und nicht Seinen eigenen Willen. Christus ließ sich vom Vater führen und leiten. Er hätte auch schon mit 15 Jahren anfangen können, die Welt zu retten. Er hätte auch auf das Angebot des Teufels eingehen können und über alle Reiche der Welt herrschen können. Christus hätte als Herrscher über die Welt durch Seine Wunderkräfte alles Leid beenden können. Er hätte jedem Menschen das Leben so einfach wie möglich machen können. Aber Er konnte uns nur in der Abhängigkeit vom Vater und dem Willen des Vaters gemäß von unseren Sünden befreien und als das Lamm GOTTES die Sünden der ganzen Menschheit tragen.
Lamech war der Vater und Meister aller. Lamech hatte tolle Kinder. Er und seine Kinder hatten Erfolg. Ihnen gelang alles. Aus Lamech und seinen Kindern ist etwas geworden. Die ganze Familie war herausragend und bewundernswert. Lamech wollte sich selbst verwirklichen und das hat er geschafft. Lamech wollte etwas erreichen und er hat es erreicht. Lamech wollte Eindruck machen und er hat Eindruck gemacht. Er wollte sich selbst und anderen beweisen, dass er liebenswert und bewundernswert ist. Lamech hat sich immer mit anderen verglichen und wollte besser abschneiden als die anderen. Lamech wollte jeden Konkurrenzkampf gewinnen. Er musste in allem der Beste sein. Lamech war ehrgeizig. Das Vergleichen mit anderen macht uns entweder hochmütig, stolz und selbstzufrieden, weil wir besser abschneiden als andere oder es macht uns neidisch und eifersüchtig, weil wir schlechter sind als andere. Jeder Mensch will beeindruckend und herausragend sein. Lamechs wollen imponieren, weil sie ehrgeizig sind. Das Lamm GOTTES war nicht ehrgeizig. Christus suchte nicht Seine eigene Ehre, sondern die Ehre des Vaters. Das Lamm GOTTES war nicht gekommen, um sich selbst zu ehren, sondern den Vater, der es gesandt hatte. Christus wollte keinen Eindruck machen. Christus war nicht ein ehrgeiziger Hirte, sondern ein demütiges Lamm. Christus wollte sich nicht selbst verwirklichen, sondern den Vater ehren. Lamech war bewundernswert, Christus war verachtet. Lamech war erfolgreich und angesehen. Christus war verachtet und in den Augen der Welt ein erbärmlicher Versager. Christi Anblick gefiel uns nicht. Er war verachtet und verlassen. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht (vgl. Jes. 53,2-4). Jeder hat auf das Lamm GOTTES herabgeschaut. Keiner hat in dem kleinen, schwachen Lamm den großen Hirten der Schafe gesehen. Die Pharisäer haben behauptet, dass er einen Dämon habe (vgl. Joh. 8,48). Christus hat nicht die Ehre von Menschen gesucht, Christus wollte den Vater ehren.
Lamech war ein rachsüchtiger Mensch. Er erschlug einen Mann, der ihn verwundet hatte und einen jungen Mann, weil er ihn geschlagen hatte. Lamech war der Beste von allen, mit dem sich keiner anlegen durfte. Lamech vernichtete jeden, der sich mit ihm anlegte. Wer Lamech schlug, wurde von ihm erschlagen. Lamech schlug nicht nur zurück, er zerschlug seinen Feind. Kain wurde siebenfach gerächt, weil GOTT versprochen hatte, ihn siebenfach zu rächen. Wer Kain tötete, musste mit einer siebenfachen Rache rechnen. Wer Lamech etwas antun wollte, wurde von Lamech 77-mal stärker zurückgeschlagen. Lamechs Rache wurde potenziert. Er war viel toller als Kain. Lamech war viel wertvoller als Kain und musste elfmal mehr gerächt werden als Kain. Und Lamech hielt sich selbst nicht nur für toller als Kain, sondern auch für toller als GOTT. GOTT schaffte es, nur siebenfach zu rächen, Lamech 77-fach. Lamech sah sich selbst als stärker als GOTT. Lamech war in seinen Augen gefährlicher als GOTT. Er war größenwahnsinnig. Lamech schlug zurück, wenn er angegriffen wurde. Er war ein stolzer Schläger. Christus war der demütige Geschlagene (vgl. Jes. 53,7). Christus wurde geschlagen, verspottet, verhöhnt, misshandelt und gedemütigt. Er wurde nackt an ein Kreuz geschlagen. Man hat Lügen über Ihn erzählt und Er schwieg. Als Er geschmäht wurde, schmähte Er nicht wieder; als Er litt, drohte Er nicht, sondern übergab es dem, der gerecht richtet (vgl. 1. Pet. 2,21-23). Christus hat die ganzen Qualen ertragen, obwohl Er in einem Augenblick alle seine Feinde hätte töten können. Und Er hat die ganzen Qualen und die Schande nicht nur ertragen, sondern Er hat auch noch für seine Feinde gebetet. „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Der Herr hat nicht einfach nur so gebetet, weil Er es für Seine Pflicht hielt oder weil Er feurige Kohlen auf ihr Haupt sammeln wollte (vgl. Röm. 12,20 & Spr. 25,21-22), sondern weil Er Seine Feinde liebte. Obwohl wir Menschen Christus unendlich viel Leid zugefügt haben; obwohl Er wegen dir und mir am Kreuz hing, hat Er geschwiegen und uns nicht verdammt, sondern für uns gebetet. Das Lamm GOTTES hat Seinen Feinden vergeben und sie gesegnet. Lamech forderte 77-fache Rache für seine Feinde. Christus fordert 70×7-fache Vergebung von Seinen Freunden (vgl. Mt. 18,22). Lamechs wollen keine Vergebung, sie wollen Rache. Christus verbietet Rache und gebietet Vergebung.