Die Sorgen eines Vogels und einer Lilie

„‚Was bist denn du für ein komischer Vogel?‘ ‚Du hast wohl eine Meise!‘ ‚Du bist doch bestimmt gegen eine Scheibe geflogen.‘ ‚Wenn die Katze dich fressen würde, wäre sie danach nicht satt, sondern dumm.‘

Ständig muss ich mir diese und andere Beleidigungen anhören. Es ist zum Weinen. Die Nachtigall macht sich über meine kratzige Stimme lustig. Dabei bin ich doch der größte existierende Singvogel. Der Pfau lästert über mein schwarzes Gefieder. Die Brieftaube bezeichnet mich als Unheilsbringer. Für die Elster bin ich ein Raubvogel, was nun wirklich nicht stimmt und die Sperlinge erkennen mich nicht als richtigen Sperling an, was auch immer das heißen soll. Von der Ratte muss ich mir anhören, dass ich ein Seuchenvogel sei, was ich aus ihrem Mund dann doch ein bisschen übertrieben finde. Selbst der Fuchs ist gemein zu mir und klaut manchmal meinen Käse. Der Falke beschimpft mich als lahme Ente, was gar keinen Sinn macht, aber er ist nun mal mehr schnell als schlau. Seine Führungsqualitäten lassen auch sehr zu wünschen übrig. Nicht einmal tausend und eine Nacht würden ausreichen, um diesen Scharlatan zu einem guten Vogel zu machen.

Als ob die Gehässigkeit meiner Mit-Vögel nicht schon genug ist, steht auch noch der Winter vor der Tür. Entschuldigung – dem Nest. Das war beinahe zu viel der kulturellen Aneignung. Wir Raben haben es wirklich nicht einfach. Oft werden wir eigenartigerweise auch als Krähen bezeichnet, obwohl dieser Name viel besser zu einem Hahn passen würde als zu uns. Nichtsdestotrotz machen wir unserem Namen alle Ehre.

Alles in allem habe ich Grund genug, mir Sorgen zu machen. Ich säe nicht, ich ernte nicht und ich habe weder Speicher noch Scheunen. Warum also mache ich mir keine Sorgen? Ganz einfach. Weil GOTT für mich sorgt. Winter hin oder her. GOTT ist ja im Winter genauso da wie im Frühling oder Sommer. Warum also Sorgen machen? Der Winter ist doch schon kalt genug, dann muss man ihn ja nicht auch noch durch Sorgen noch kälter machen. Ihr Menschen seid echt mehr eigenartig als einzigartig. Dass ihr Menschen in den Augen GOTTES mehr wert sein sollt als ich, ist zwar etwas ernüchternd, aber wer von euch nimmt das schon so ernst. Tatsache ist, dass selbst an Wintertagen der morgige Tag für das Seine sorgen wird. Jedem Tag genügt doch seine eigene Plage, wobei der Falke echt eine Plage für mindestens zwei Tage ist. Aber was soll’s! Man kann durch Sorgen doch sowieso keine Elle zu seiner Lebenslänge hinzusetzen. GOTT versorgt mich mit Nahrung, dann kann Er das auch bei euch machen. An dieser Stelle würde ich aber an die Lilie übergeben. Kleidung ist nicht mein Stil. Ich bevorzuge Federn.“

„Ganz genau! Vielen Dank! Wir Lilien wir wachsen, ohne uns Mühe zu geben und wir sind schöner gekleidet als Salomo, obwohl wir nicht spinnen. Wir haben schließlich keine Vögel. Ich bin zwar nicht so weise wie Salomo, dafür sehe ich aber besser aus. Dass ich mit Gras verglichen werde und irgendwann vertrockne und in den Ofen geworfen werde, ist zwar bedrückend und keine schöne Aussicht, aber wir wollen heute ja positiv denken. Wenn GOTT mich mit schöner Kleidung versorgen kann, dann kann er das auch mit euch. Es macht gar keinen Sinn, sich Sorgen zu machen. Ihr müsst zuerst nach dem Reich GOTTES trachten und nach Seiner Gerechtigkeit, dann wird euch das alles hinzugefügt werden. Und vergesst nicht: Da wo euer Schatz ist, wird auch euer Herz sein!“

Lukas 12,22-34: Und Er sprach zu Seinen Jüngern: Darum sage Ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen sollt, noch um den Leib, was ihr anziehen sollt. Das Leben ist mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung. Betrachtet die Raben! Sie säen nicht und ernten nicht, sie haben weder Speicher noch Scheunen, und GOTT nährt sie doch. Wieviel mehr seid ihr wert als die Vögel! Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzusetzen? Wenn ihr nun nicht einmal das Geringste vermögt, was sorgt ihr euch um das übrige? Betrachtet die Lilien, wie sie wachsen! Sie mühen sich nicht und spinnen nicht; Ich sage euch aber: Selbst Salomo in all seiner Herrlichkeit ist nicht gekleidet gewesen wie eine von ihnen! Wenn aber GOTT das Gras auf dem Feld, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel mehr euch, ihr Kleingläubigen! Und ihr sollt auch nicht danach trachten, was ihr essen oder was ihr trinken sollt; und beunruhigt euch nicht! Denn nach all diesem trachten die Heidenvölker der Welt; euer Vater aber weiß, dass ihr diese Dinge benötigt. Trachtet vielmehr nach dem Reich GOTTES, so wird euch dies alles hinzugefügt werden! Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben. Verkauft eure Habe und gebt Almosen! Macht euch Beutel, die nicht veralten, einen Schatz, der nicht vergeht, im Himmel, wo kein Dieb hinkommt und keine Motte ihr Zerstörungswerk treibt. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.