
Johannes 12,24: Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein; wenn es aber stirbt, so bringt es viel Frucht.
„Du meinst, wir müssen sterben, damit wir leben können?“
„Ja! Unsere Aufgabe ist es, zu sterben, damit wir viel Frucht bringen können.“
„Und woher willst du das wissen?“
„Das hat der Sämann gesagt.“
„Der Sämann?“
„Ja, der Sämann. Er war früher selbst ein Weizenkorn und Er war das erste Weizenkorn, das viel Frucht gebracht hat.“
„Und wie hat er das gemacht?“
„Er ist gestorben, um Leben zu bringen.“
„Der Sämann war ein Weizenkorn, das gestorben ist?“
„Ja. Er hat uns gezeigt, was echte Hingabe bedeutet.“
„Echte Hingabe? Findest du nicht, dass Er da ein bisschen zu viel von uns erwartet? Woher soll ich denn wissen, dass ich wirklich leben werde, wenn ich mich Ihm hingegeben habe?“
„Das hat etwas mit Glauben und Vertrauen zu tun. Du glaubst doch, dass es den Sämann wirklich gibt und dass Er es gut mit dir meint, oder?“
„Ja schon, aber Hingabe ist viel schwerer als Glauben.“
„Ja, Hingabe ist nicht einfach. Hingabe kostet uns alles, aber Hingabe führt zu großer Freude. Vertrauen und Hingabe gehen Hand in Hand. Wenn du an den Sämann glaubst und Ihm vertraust, ist Hingabe nicht mehr schwer. Sie führt nicht zum Tod, sondern zum Leben. Wenn wir uns dem Sämann hingeben, dann werden wir sterben, aber es bleibt nicht bei diesem Sterben stehen, sondern Hingabe führt immer zum Leben. Hingabe heißt, dass wir selbst, unser Wille, unsere Wünsche und unser vom Sämann unabhängiges Sein sterben müssen. Hingabe heißt, dass wir sterben, damit Neues entstehen kann.“
„Das hört sich ja so an, als ob du schon erlebt hättest, was es bedeutet, sich dem Sämann hinzugeben.“
„Ja, richtig. Ich muss immer wieder neu lernen, mich dem Sämann hinzugeben. Jedes Jahr um die gleiche Zeit kommt der Sämann in die Scheune, um uns zu holen. Dann geht er mit uns zusammen zu Seinem Acker, um uns dort auszusäen. Er entscheidet, wo Er uns aussät. Manchmal ist es ein sehr steiniger Acker, auf dem wir nicht viel Frucht bringen können und manchmal ist es ein sehr reicher Boden, der das Wachstum einfach macht.“
„Und was passiert dann?“
„Wir fallen dann auf die Erde und versinken im Boden. Dann ist es erstmal für sehr lange Zeit sehr dunkel. In manchen Jahren müssen wir Frost, Dürren, Fluten oder Stürmen standhalten, bevor aus uns neue Frucht entsteht. In anderen Jahren lächelt uns die Sonne nach jedem Regen wieder neu an. Es ist nicht einfach, unsere Wünsche, unsere Sehnsüchte, unseren Willen, unsere Begabungen, unsere Zukunft und unsere Beziehungen zu den anderen Weizenkörnern, an den Sämann abzugeben und darauf zu vertrauen, dass Er Größeres und Schöneres damit vorhat, als wir uns vorstellen können. Wenn wir das, was uns am Liebsten und Wertvollsten ist, an den Sämann abgegeben haben, dauert es lange, bis wir sehen dürfen, dass daraus etwas völlig Neues entsteht. Erst beginnt unsere Schale aufzubrechen. Dann wachsen Wurzeln und ein Halm und erst nach mehreren Monaten entsteht dann Frucht. Es kostet viel Glauben, um das, was man heute hat und auf das man sich verlassen kann, an den Sämann abzugeben und darauf zu vertrauen, dass dadurch mehr Frucht entsteht. Hingabe hat immer auch etwas mit Abgeben und Aufgeben zu tun. Oft sind es unsere eigenen Tränen, die die Wurzel benetzen und zu einer reichen Ernte führen. Bevor wir als Ähren wieder geerntet werden können, müssen wir als Weizenkorn in die Erde fallen und sterben. Das Säen, das Fallenlassen in die Erde und das Wachstum sind sehr schmerzhaft und kosten viel, aber es lohnt sich.“
Psalm 126,5-6: Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Wer weinend hingeht und den Samen zur Aussaat trägt, der kommt gewiss mit Freuden zurück und bringt seine Garben.