Die Stellungnahme der Gnade

Ich frage mich oft, ob es überhaupt irgendjemanden gibt, der mich wirklich versteht. Irgendjemanden, der mich kennt und wertschätzt. Immer wieder neu versuche ich, Menschen zu begegnen, die mich dringend brauchen, aber doch nicht wollen.

Die meisten Menschen nennen mich Gnade und wissen doch nicht, wie gnädig ich eigentlich bin. Sie können sehr genau erläutern, was mich ausmacht und charakterisiert, verstehen mich aber doch nicht. Sie reden darüber, dass man nur aus Gnade und durch Glauben errettet werden kann, meinen aber gleichzeitig, dass sie auch ohne mich gerecht und gut sein können. Sie sind der Ansicht, dass alles, was ich zu bieten habe, ein Geschenk ist, das sie nicht verdient haben. Dabei bin ich doch viel überströmender und vielseitiger. Die einen meinen, dass ich vorherbestimmt sei und die anderen glauben, dass mich nur der freie Wille des Menschen aufhalten kann. Viele lehnen mich ab, ohne zu wissen, dass es viele verschiedene Formen von mir gibt, die sie gerne und bereitwillig annehmen.

Ich kann so viele Formen annehmen. Ich kann mich in Form von Gesundheit oder Krankheit zeigen. Ich kann Freude oder Trauer sein. Ich kann mich im Leben oder im Sterben offenbaren. Manche finden mich in der Form des Reichtums, andere in Form der Armut. Es gibt mich sowohl in Form von Freiheit als auch in Form von Abhängigkeit. Ich bin nicht so durchschaubar und simpel gestrickt, wie die meisten Menschen meinen. Ich kann meine Form völlig unerwartet und überraschend ändern. Manchmal zum Erstaunen der Menschen und manchmal zur Bestürzung.

Formen formen Inhalt. Formen prägen den Geschmack und die Qualität des Inhalts. Mein Aroma kann sich je nach meiner Form ganz unterschiedlich entfalten. Formen formen auch das Erscheinungsbild des Inhalts. Manche Formen von mir werden strikt abgelehnt, andere werden vergöttert. Viele Menschen lehnen meine Form der Rettung vor dem ewigen Tod ab. Viele derjenigen, die mich in Form der Rettung angenommen haben, lehnen meine Form des Erziehers ab. Durch mich rettet GOTT nicht nur, Er erzieht und unterweist auch. Manche meinen, dass sie mich nur einmal brauchen und dann nie wieder. Andere verlassen sich nur auf mich, anstatt selbst Verantwortung zu übernehmen. Dass ich heilbringend bin heißt nicht, dass ich nur heile. Ich kann auch verletzen, bevor ich heile. Beides ist Gnade. Viele spielen mich auch gegen Wahrheit und Gerechtigkeit aus. Dabei gibt es mich gar nicht ohne Wahrheit und Gerechtigkeit.

Oft werde ich auch als freiwilliges, aus Liebe gegebenes Geschenk GOTTES abgetan. Natürlich gibt GOTT mich freiwillig, aber gleichzeitig lässt Seine unendlich große Liebe Ihm auch gar keine andere Wahl. Liebe zwingt GOTT gewissermaßen zur Gnade, Liebe zwingt Menschen aber nicht zum Glauben. Glaube ist aber eine Voraussetzung für ewige Gnade und ewige Liebe. Das vergessen auch sehr viele. Meine höchste Form der Errettung und Erlösung gibt es nur durch Glauben. Wachstum im Glauben ist Gnade, aber diese Gnade ist an den Gebrauch der Gnadenmittel gebunden. Die Gnadenmittel sind die Mittler der Gnade. GOTT hat Sein Wort, das Gebet, die Gemeinschaft mit den Glaubensgeschwistern und das Abendmahl dazu bestimmt, um mich zu verschenken. Wer diese Gnadenmittel nicht gebraucht, erfährt mich auch nicht auf die Art und Weise, die GOTT Seinen Kindern beim Gebrauch der Gnadenmittel verheißt.

Manche bilden sich etwas auf mich ein, dabei sollte ich sie doch viel mehr Demut als Hochmut lehren. Wieso werde ich so missverstanden? Wieso werde ich gleichzeitig so unterschätzt und überschätzt? Wieso vergessen Menschen, dass sie mich brauchen? In ihrer größten Verzweiflung war ich ihre größte Hoffnung und in ihrer größten Freude, gerate ich als ein vermeintlich schwacher Moment in erwünschte Vergessenheit. In ihrem Versagen klammern sie sich an mich und wollen mich nie wieder loslassen. In ihrem Erfolg schämen sie sich dafür, dass sie einst erkannt haben, dass sie auf mich angewiesen sind. Stehend vor dem Abgrund ihrer Sünde lassen sie sich in meine Arme fallen, sobald ich sie dann aber trage, vergessen sie den Abgrund, der sie beinahe in die Tiefe gerissen hatte.

Die einen halten mich für ein Werkzeug in der Hand eines Genies. Für die anderen bin ich das Genie. Für manche bin ich ein Götze, dabei will ich doch einfach nur eine Charaktereigenschaft sein – ein Wesenszug GOTTES. Ich will gar nicht mehr, weil es gar nicht mehr gibt. Warum reicht es den Menschen nicht, dass ich das Höchste bin, was ich sein kann – eine Eigenschaft GOTTES? Warum wollen sie, dass ich entweder mehr oder weniger bin als ich bin? Warum verachten mich die einen, während die anderen mich vergöttern? Beide Seiten verkennen mich, anstatt mich zu kennen. GOTT ist gnädig. Kann es eine größere Ehre geben?

Gnade vergibt das Unvergebbare. Gnade verzeiht das Unverzeihliche. Gnade erneuert das Unerneuerbare. Gnade heilt das Unheilbare.

Titus 2,10: Denn die Gnade GOTTES ist erschienen, die heilbringend ist für alle Menschen; sie nimmt uns in Zucht, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in der jetzigen Weltzeit, indem wir die glückselige Hoffnung erwarten und die Erscheinung der Herrlichkeit des großen GOTTES und unseres Retters Jesus Christus, der sich selbst für uns hingegeben hat, um uns von aller Gesetzlosigkeit zu erlösen und für sich selbst ein Volk zum besonderen Eigentum zu reinigen, das eifrig ist, gute Werke zu tun.