Die Tiefe der Liebe Gottes

Viele Christen kennen und verstehen die Breite, die Länge und die Höhe der Liebe Gottes. Aber nur sehr wenige verstehen, was die Tiefe der Liebe Gottes bedeutet. Die Tiefe der Liebe Gottes erleben wir nur in den Tiefen des Leids. Wer noch nie wirklich gelitten hat, hat Gottes Liebe noch nie wirklich in ihrer vollen Tiefe erlebt. Wir können Gott nur wirklich kennen, wenn wir Leid kennen. Jesus‘ Leben war von Leid geprägt. Echte Liebe zeigt sich erst im Leid. Das gilt für menschliche und göttliche Liebe. Wer durch großes Leid geht, wird sehr schnell feststellen, wie sehr er von den Menschen um ihn herum wirklich geliebt wird. Eine der größten Enttäuschungen im Leid ist die Tatsache, dass viele Menschen, von denen wir erwartet hatten, dass sie im Leid für uns da sind, unser Leid entweder völlig verkennen oder sich sogar von uns abwenden. Eine der größten Ermutigungen im Leid ist im Gegensatz dazu aber die Tatsache, dass es Menschen gibt, die im Leid für uns da sind, obwohl wir gar nicht damit gerechnet hatten. Nur die Menschen, die uns wirklich lieben, sind auch in unserem größten Leid für uns da. Erst wenn Liebe wirklich etwas kostet, zeigt sich die Tiefe dieser Liebe.

Leid verkörpert einen Aspekt von Beziehungen, der heutzutage nicht mehr gewollt ist. Menschen, die zusammen gelitten haben, verbindet ein besonderes Band. Leid schweißt Gott und Menschen zusammen. Normalerweise ist es nicht so ohne weiteres möglich, völlig unterschiedliche Werkstoffe zusammenzuschweißen, weil einer der beiden Werkstoffe dadurch kaputt gehen kann. Gott und Menschen sind so unterschiedlich, dass eine untrennbare Verbindung zwischen ihnen gar nicht möglich wäre. Selbst wir Menschen unterscheiden uns so sehr voneinander, dass wir nicht kompatibel sind. Wir Menschen passen genauso wenig zueinander, wie wir zu Gott passen. Die Unterschiede zwischen Gott und uns sind unendlich groß. Die Unterschiede zwischen uns Menschen sind vielleicht nicht unendlich groß, aber bedenklich groß genug. Zwei völlig unterschiedliche Materialien können eigentlich nicht durch herkömmliche Verfahren zusammengeschweißt werden. Beim Reibschweißen können aber durch Druck von außen und Reibung aneinander unterschiedliche Metalle zusammengefügt werden. Die Verbindungsnaht zwischen den beiden Werkstoffen hat nach dem Reibschweißen oft sogar eine höhere Festigkeit als die beiden Grundkörper selbst. Zu zweit sind Menschen stärker als alleine. Gott benutzt oft Druck von außen und Reibung aneinander, um einen Menschen mit Gott oder einem anderen Menschen zu verschweißen. Leid ist wie ein Druck, der auf uns lastet und uns zusammenquetschen will. Durch diesen Druck entstehen Reibungen zwischen uns und Gott. Oft klagen wir Gott im Leid an und fangen an, zu zweifeln. Im Leid beginnen wir, uns wirklich mit Gott auseinanderzusetzen. Reibungen und Konflikte können eine Beziehung entweder stärken oder zerstören. Leid wühlt unser menschliches Gefüge auf. Es kratzt nicht nur an unserer Oberfläche, sondern gräbt sie auf. Erst wenn unsere Masken abgelegt wurden, können wir Gott wirklich von Angesicht zu Angesicht begegnen. Erst wenn unsere harten Schalen aufgebrochen wurden, kann Gott unser Herz erreichen. Das Verschweißen von Werkstücken verursacht immer Spannungen in den Werkstücken. Ein Fügeprozess kann nicht ohne Hitze, Spannungen oder Druck stattfinden. Gott kann durch Gnade errettete Sünder nur durch Leid verändern. Wir müssen uns diesem Fügeprozess aber fügen. Wenn wir beim Klagen und Zweifeln stehen bleiben, schweißt das Leid uns nicht zusammen, sondern macht uns kaputt. Gott benutzt Leid, um uns mit sich selbst und miteinander zu verschweißen.

Im Garten Eden hatten Gott und der Mensch eine enge Beziehung, ohne dass die Menschen davor leiden mussten. Leid lehrt uns, wie böse Sünde ist. Die Sünde hat unser leidloses Dasein zerstört. Das Leid kam durch die Sünde in diese Welt. Im Herzen eines Menschen steckt so viel Böses, dass Leid oft der einzige Weg und das einzige Mittel ist, um uns von unserer alten Natur zu befreien. Unser alter Mensch wird durch Leid geschwächt. Im Leid lernen wir Gott auf eine ganz besondere Weise kennen. Leid vertieft unsere Sehnsucht nach dem Himmel und unsere Sehnsucht nach Gott. In Schwierigkeiten und Nöten sind wir uns der Abhängigkeit von Gott viel mehr bewusst, als wenn es uns gut geht. Diese Abhängigkeit von Gott entsteht durch Druck von außen und Reibung aneinander. Erst wenn Gott und wir verschweißt sind, leben wir wirklich in der Abhängigkeit von Gott.