Der Weg der Veränderung

Viele Christen sehnen sich nach dem Ziel, sind aber nicht bereit, den Weg bis zum Ziel zu gehen. Wir wollen Reinheit ohne Reinigung, Heiligkeit ohne Heiligung, Geduld ohne Erdulden, Hingabe ohne Aufgeben, Zerbrochenheit ohne Zerbruch und Leben ohne Sterben. Wie oft wünschen wir uns doch, ein brauchbares und schönes Gefäß in der Hand des Meisters zu sein, scheuen uns aber vor der schmerzhaften Prägung und Formung durch die Hand des Töpfers. Wer dem Ebenbild des Sohnes gleichgestaltet sein möchte, muss erstmal umgestaltet werden. Die meisten Menschen wollen groß sein, aber nicht wachsen. Wir wünschen uns mehr Hingabe an Gott, sind aber nicht bereit, uns selbst aufzugeben. Oft beten wir dafür, dass Jesus mehr und mehr in uns wächst, wollen aber selbst nicht kleiner werden. Wir wollen Erweckung ohne Aufwachen. Unser Wunsch ist es, dass Gott zu unserer ersten und größten Liebe wird, aber wir wollen nicht, dass unsere falsche Liebe zu anderen Menschen oder Dingen abnimmt. Wir reden darüber, dass wir von Gott abhängig sein und aus Seiner Kraft leben wollen, wollen gleichzeitig aber nicht schwach sein. Gott erfüllt die Schwachen mit Seiner Stärke. Es gibt keinen geistlichen Reichtum ohne vorherige geistliche Armut. Es gibt keine Demut ohne Demütigungen. Demut lernt man durch Demütigungen. Erst wenn wir erkannt haben, dass wir Gott wirklich brauchen, können wir in der Abhängigkeit von Ihm leben. Um von Gott abhängig zu sein, brauchen wir Glauben. Das Problem ist, dass wir aber erst sehen wollen, bevor wir glauben. Um glauben zu müssen oder glauben zu können, darf man aber nicht sehen. Glaube ist per Definition ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Nur wenn wir jetzt glauben, werden wir letztendlich sehen. Glaube, Liebe, Hingabe, Demut und Geduld lernt man nur durch einen langen und langsamen Prozess der Veränderung. Reinheit, Heiligkeit und Zerbrochenheit vor Gott brauchen Zeit.

Der Weg zur Veränderung muss erstmal der Weg der Veränderung sein. Wir müssen erst verändert werden, bevor wir verändert und anders sein können. Veränderung ist viel mehr ein Weg als ein Ziel. Veränderung erreichen wir nicht, wenn wir am Ziel angelangt sind, sondern auf dem Weg. Hier auf dieser Erde werden wir nie das vollkommene Maß der Veränderung erreichen, aber wir müssen sie trotzdem anstreben.