
Aber Ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast.
Offenbarung 2,4
Die Epheser waren eine Gemeinde, die voller guter Taten und makelloser Integrität war. Sie hassten das Böse und taten das Gute. Der Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge war ihnen wohlvertraut. Sie besaßen die Erkenntnis Gottes. Jegliche Form der Leichtgläubigkeit musste angesichts ihres scharfsinnigen und geistlichen Unterscheidungsvermögens weichen. In Schwierigkeiten und Herausforderungen haben sie Geduld und Standhaftigkeit bewiesen. Kein Leid war größer als ihre Ausdauer und Beharrlichkeit. Sie waren sogar dazu bereit, für ihren Herrn und Heiland zu sterben. Ihr Glaube konnte Berge versetzen, aber er war wertlos. Alles war wertlos.
Die Epheser hatten nur einen einzigen, scheinbar sehr kleinen und unbedeutenden Fehler. Es gab nur eine Sache, die Jesus an Seiner Gemeinde in Ephesus auszusetzen hatte. Diese eine vermeintlich kleine Sache hätte neben all den positiven Aspekten dieser Gemeinde untergehen können, wäre es nicht die Hauptsache gewesen. Wie schwerwiegend diese eine Sache war, erkennen wir an der Warnung, die Jesus aussprach. Er drohte den Ephesern damit, dass Er ihren Leuchter von seiner Stelle stoßen würde. In Offenbarung 1,20 lesen wir, dass die 7 Leuchter mit den 7 Gemeinden gleichzusetzen sind. Mit anderen Worten hat Jesus Ephesus damit gedroht, dass Er sie als Ortsgemeinde verstoßen würde, wenn sie keine Buße täten. Keiner anderen Gemeinde außer Laodizea wurde eine ähnliche Warnung überbracht. Nicht einmal die tote Gemeinde in Sardes hatte eine vergleichbare Warnung erhalten. Nur Ephesus und Laodizea wurde damit gedroht, dass sie von Gott als Gemeinde verstoßen oder ausgespien würden. Was für ein schreckliches Urteil über eine scheinbar so gesunde Gemeinde. Was könnte so schwerwiegend sein, dass es Berge-versetzenden Glauben, Leidensbereitschaft, Erkenntnis und gute Werke aufwiegen könnte? Was fehlte dieser Gemeinde, das so fatal war?
Was Ephesus fehlte, war die erste Liebe. Sie hatten alles, nur nicht das Wichtigste. Sie haben mit unermüdlicher Ausdauer einen schweren Weg auf sich genommen, sind aber in die falsche Richtung gelaufen. Die Epheser haben den Weg gemeistert, aber das Ziel verfehlt. Ihre Bemühungen waren wertlos und nützten ihnen nichts. Sie hatten die erste Liebe verlassen. Anfangs wurden sie noch von Paulus für ihre außerordentliche Liebe gelobt (vgl. Eph. 1,15). Aber ihre einstmals unvergängliche Liebe war vergangen (vgl. Eph. 6,24). Sie hatten die Breite, die Länge, die Tiefe und die Höhe der alle Erkenntnis übersteigenden Liebe Gottes vergessen (vgl. Eph. 3,18-19).
Wie oft ist es doch die erste Liebe, die wir als erstes verlassen. Wie oft verdrängen wir Gott von Seinem ersten Platz in unserem Herzen? Kann es sein, dass wir vergessen haben, dass Gott ein eifersüchtiger Gott ist (vgl. 2. Mo. 20,5)? Seit wann duldet Gott andere Götter neben sich? Was könnte in unserem Leben uns wichtiger sein als Gott? Sind es andere Menschen, die wir mehr lieben als Gott? Ist es unser Beruf, unser Ruf, unser Aussehen oder vielleicht sogar ein Hobby? Wie ernüchternd, dass selbst eine belanglose Freizeitbeschäftigung uns wichtiger sein kann als Gott. Wie traurig, dass wir das Entscheidende so gerne durch Belanglosigkeiten ersetzen. Wie gut wir doch darin sind, auf das falsche Ziel zuzusteuern. Die Epheser waren Pioniere auf falschen Wegen. Ihr Irrweg hätte ihr Ende sein können, aber er musste nicht das Ende sein. Es gab einen Weg zurück.
Die Epheser sollten sich an das erinnern, was sie verloren hatten. Der Herr forderte sie dazu auf, umzukehren und Buße zu tun. Er wollte, dass sie wieder die ersten Werke tun. Sie sollten zurück an den Anfang, um wieder von neuem zu beginnen. Ihre Lieblosigkeit konnte durch Liebe verdrängt werden. So wie sie ihre erste Liebe verlassen hatten, konnten sie auch ihre Lieblosigkeit verlassen. Ihre erste Liebe wartete geduldig auf sie, aber sie mussten umkehren. Selbsterkenntnis, Umkehr und die ersten Werke der Liebe waren die Lösung ihres Problems. Sie brauchten einen Glauben, der sich durch tätige Liebe als wirksam und echt erweist (vgl. Gal. 5,6). Glaube ohne Werke der Liebe ist tot (vgl. Jak. 2,17). Ohne Liebe zu Gott ist alles nichts. Sprachen der Engel und Weissagungen werden ohne Liebe zu sinnlosem Lärm. Alle Geheimnisse zu kennen und alle Erkenntnis zu besitzen, ist ohne Liebe wertlos. Starker, unerschütterlicher Glaube, der bereit ist, seinen Besitz und sein Leben aufzugeben, ist nutzlos ohne Liebe. Ohne Liebe sind wir nichts (vgl. 1. Kor. 13,1-3).
Die Liebe hört niemals auf. […] Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe.
1. Korinther 13,8+13