Die zwei Aspekte der unreinen Sünde (Joh. 4,43 – 5,47)

Die folgenden zwei Wunder im Johannes-Evangelium dienen als Beispiele für die Folgen der Sünde. Diese Wunder zeigen den ersten Aspekt der Sünde – die Krankheit des Menschen – auf. Nach zwei Tagen in Sichar zog der Herr wieder nach Kana in Galiläa. Die Galiläer hatten gesehen, was der Herr in Jerusalem getan hatte und erhofften sich weitere Wunder von Ihm. Er wusste, dass Er in Seinem Vaterland keine angemessene Beachtung finden würde, aber im Moment war Er für die Galiläer noch eine interessante Attraktion. Die meisten glaubten nur an Ihn, weil sie Seine Wunder beobachtet hatten. Sie hatten einen sichtbaren Beweis dafür, dass Er ein Prophet sein musste, weshalb es ihnen nicht schwerfiel, an Ihn zu glauben. In Kapernaum gab es einen königlichen Beamten, dessen Sohn im Sterben lag. Dieser Mann kam zum Herrn nach Kana, um Hilfe für seinen Sohn zu erflehen. Er glaubte, dass Jesus seinen Sohn heilen konnte und er glaubte auch, dass der Herr seinen Sohn geheilt hatte, als Er zu ihm sagte: „Geh hin, dein Sohn lebt!“ Aber der Beamte glaubte erst mit seinem ganzen Haus an den Sohn GOTTES, als er festgestellt hatte, dass sein Sohn genau zu dem Zeitpunkt geheilt worden war, als der Herr ihm verheißen hatte, dass sein Sohn lebe. Er war einer von denen, die erst dann völlig geglaubt haben, als sie die Zeichen und Wunder GOTTES sahen. Der Herr Jesus hatte es nicht nötig mit diesem königlichen Beamten nach Kapernaum zu gehen. Er konnte den Jungen auch aus weiter Ferne heilen. Dieses zweite Zeichen, das der Herr in Galiläa getan hatte, bewies, dass Er als Sohn GOTTES die allgemeinen Folgen der Sünde überwinden konnte. GOTT kann uns von den Krankheiten, die die Menschheit seit dem Sündenfall plagen, heilen. Im nächsten Wunder zeigt der Herr, dass Er uns auch von den spezifischen Folgen der Sünde befreien kann. In Jerusalem begegnete Er einem Mann, der seit 38 Jahren krank war. Dieser Kranke lag an dem Teich Bethesda, weil an diesem Teich zu bestimmten Zeiten ein Engel das Wasser des Teiches bewegte und dadurch die erste Person, die dann in den Teich stieg von ihrer Krankheit geheilt wurde. Als der Herr vom Vater erfuhr, wie lange dieser Mensch schon krank war, fragte Er ihn, ob er gesund werden wolle. Der Kranke gab Ihm eine verzweifelte Antwort. Er hatte offensichtlich fast keine Hoffnung mehr auf Genesung und Heilung. Er hatte niemanden, der sich um ihn gekümmert hat, weshalb er das Wasser nie als Erster erreichen konnte. Jeder hatte ihn verlassen und niemand wollte etwas mit ihm zu tun haben. Er war am Boden zerstört. Trotzdem versuchte er es immer wieder aufs Neue, das Wasser als Erster zu erreichen. Er gab nicht auf und blieb nicht liegen, wenn das Wasser in Bewegung geriet. Er wollte unbedingt gesund werden. Der Mann hatte die Hoffnung, dass wenn er tatsächlich als Erster den Teich erreichen würde, GOTT auch ihn heilen würde. Er wusste, dass er nicht nur in einem Haus der Gnade und Barmherzigkeit wohnte, sondern auch einen GOTT der Gnade und Barmherzigkeit hatte. Dieser barmherzige GOTT forderte ihn dazu auf, aufzustehen, seine Liegematte zu nehmen und umherzulaufen. Der Herr sagte nicht zu ihm, wie zu dem Gelähmten, der durch das Dach zu Ihm herabgelassen wurde (vgl. Mt. 9,6), dass er nach Hause gehen solle, weil Er wusste, dass dieser Mann zu Hause nicht willkommen war. Seine Familie wollte nichts mit ihm zu tun haben. Er war ein Ausgestoßener, weil er von GOTT wegen seiner Sünde bestraft wurde. GOTT hatte diesem Kranken vergeben, aber seine Angehörigen hatten ihm scheinbar nicht vergeben. Da der Geheilte kein Zuhause hatte, in das er gehen konnte, ging er in den Tempel, wo er von Jesus gefunden wurde. Christus mied die Menschenmasse und begegnete dem Geheilten erneut an einem ungestörteren Ort. Der Herr warnte den Mann davor, einfach weiter zu sündigen, weil ihm sonst noch etwas Schlimmeres als die bisherige Krankheit widerfahren könne. Er war krank gewesen, weil er gesündigt hatte. Der Herr sorgte sich nicht nur um die Krankheit des Körpers dieses Menschen, sondern auch um seine kranke Seele. Er offenbarte sich diesem Menschen, der noch nicht einmal den Namen seines Arztes gekannt hatte. Körperliche Krankheiten sind durch die Sünde in die Welt gekommen. Jede Krankheit ist eine Folge der Sünde, aber nicht jede Krankheit ist eine Folge der Sünde des Kranken. Es gibt Krankheiten, die nichts mit unserer persönlichen Sünde zu tun haben und es gibt Krankheiten, die wegen einer bestimmten Sünde über uns gekommen sind. Im ersten Wunder scheint es so, als ob der todkranke Junge keine Schuld an seiner Krankheit hatte. Im zweiten Wunder macht der Herr deutlich, dass der Mann, der 38 Jahre lang krank war, selbst schuld an seinem Zustand war. Der Herr hatte sich über beide Menschen erbarmt und sie von der Krankheit ihrer Körper und ihrer Seelen geheilt. GOTT ist ein gnädiger GOTT, aber Menschen sind gnadenlos und unbarmherzig. Als die Pharisäer den Geheilten in Jerusalem mit seiner Liegematte herumlaufen sahen, wiesen sie ihn zurecht, weil er das an einem Sabbat getan hatte. Nachdem sie erfahren hatten, dass Jesus ihn geheilt hatte und ihm geboten hatte, mit seiner Matte umherzulaufen, wollten sie den Herrn töten, weil Er gegen eins ihrer menschlichen Gebote verstoßen hatte.

Ab Vers 17 hält der Herr den Pharisäern die Schuld ihrer Sünde vor und zeigt dadurch ein Beispiel für den zweiten Aspekt der Sünde. Dieser Vers 17 stellt einen Wendepunkt in dem ersten Abschnitt des Johannes-Evangeliums dar, weil Jesus sich vor den Pharisäern als den Sohn GOTTES bezeichnet. Bisher begegnete Ihm nur eine Mischung aus Ablehnung und Bewunderung, aber nachdem Er am Sabbat geheilt und sich als Sohn GOTTES ausgegeben hatte, wollte man Ihn töten. Es ist interessant zu beobachten, dass der Herr nicht versucht hat, die wütenden Pharisäer zu besänftigen, sondern gleich nach dem Wunder am Sabbat die sowieso schon mordgierigen Heuchler noch mehr aufgebracht hat. Sie wollten Ihn umbringen und Er antwortete ihnen, dass Sein Vater bis jetzt wirke, und Er selbst auch wirke. Die Pharisäer hatten sofort verstanden, dass der Herr sich durch diese Aussage zum Sohn GOTTES erklärt hatte. Der Herr hatte sich nicht nur zum Sohn GOTTES erklärt, sondern auch die Beziehung zu Seinem Vater beschrieben. Er war abhängig vom Vater und hat alles getan, was Er den Vater hatte tun sehen. Christus war der einzige Mensch, der wahrheitsgemäß behaupten konnte, dass Er den Vater sehe und genau das tat, was der Vater auch tat. Der Vater und der Sohn lieben einander und kommunizieren miteinander. Als der Sohn Mensch war, zeigte der Vater Ihm alles, was der Sohn tun sollte. Der Vater handelte durch den Sohn. Nicht Christus allein hat den Kranken am Sabbath geheilt, sondern Christus und der Vater haben das gottlose Menschengebot der Pharisäer übertreten. Die Werke, die der Vater und der Sohn bisher getan hatten, waren nichts im Vergleich zu dem, was sie noch geplant hatten zu tun. Der Sohn besaß und besitzt die gleiche Vollmacht, die auch der Vater hat. Christus besitzt als Sohn GOTTES die Vollmacht, die Werke GOTTES zu wirken. Er kann Tote auferwecken und Menschen lebendig machen (vgl. Joh. 5,21). Er kann Gericht halten, weil der Vater Ihm alles Gericht übergeben hat (vgl. Joh. 5,22) und Er hat die gleiche Ehre verdient, die auch dem Vater zusteht. „Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der Ihn gesandt hat“ (Joh. 5,23). Weil der Vater den Sohn liebt, sind Sie eine Einheit und wirken dieselben Werke. Weil Sie dieselben Werke wirken, kann der Sohn jeden lebendig machen, den Er will. Da der Sohn der Richter über alle Menschen ist, kann Er Leben schenken oder Leben nehmen. Wenn Er als Sohn das größte aller Werke – die Totenauferweckung – bewirken kann, kann Er auch jedes andere Werk tun, das der Vater tun kann. Diese Vollmachten sind dem Herrn so wichtig, dass Er sie in den folgenden Versen wiederholt und sie durch ein „wahrlich, wahrlich“ unterstreicht. In den Versen 24 bis 30 des fünften Kapitels betont der Herr, dass jeder, der Sein Wort hört und dem glaubt der Ihn gesandt hat, ewiges Leben hat und nicht ins Gericht kommt, sondern vom Tod zum Leben hindurchgedrungen ist. Die Stunde, in der die Toten die Stimme GOTTES hören konnten, war da, weil ER, der Sohn GOTTES, da war. Christus konnte Leben spenden, weil Er selbst in sich Leben hatte. Er war und ist das ewige Leben (vgl. 1. Joh. 1,2). Er hatte die Vollmacht, Gericht zu halten, weil Er der Sohn des Menschen (andere Bezeichnung für Sohn GOTTES) war und von Seinem Vater bevollmächtigt wurde. In den Versen 28 und 29 verdeutlicht der Herr den Zusammenhang zwischen Werken, Totenauferstehung, Leben und Gericht. Jeder Mensch, der gestorben ist, wird irgendwann von den Toten auferstehen, weil er die Stimme des Gottessohnes gehört hat. Die einen werden zur Auferstehung des Lebens hervorgehen und die anderen zur Auferstehung des Gerichts. Nur die Menschen, die durch die Wiedergeburt mit GOTT vereinigt wurden, können die guten Werke GOTTES tun und aus Glauben leben und lieben. Die Menschen, die das Böse getan haben und GOTT nicht geglaubt, sondern Seinen Sohn im Unglauben verworfen haben, erwartet das gerechte Gericht GOTTES. Das Gericht erfolgt nach der Auferstehung der Toten. Die Entscheidung, ob man zum Gericht oder zum Leben aufersteht, erfolgt vor dem Tod und wurde vom Herrn in Vers 24 beschrieben. Christus richtet so, wie der Vater Ihm gesagt hat, dass Er richten solle. Dieses Gericht ist gerecht, weil der Herr gerecht, kompetent und fähig ist. Er ist kein Richter, der Seinen eigenen Vorteil sucht, sondern ein Richter, der den Willen des himmlischen Vaters ausführen will.

Das Zeugnis, das der Herr von sich gegeben hatte, beruhte nicht auf Seiner alleinigen Einschätzung, sondern dem Grundsatz GOTTES gemäß auf zwei oder drei Zeugen. Zusätzlich zu Ihm selbst waren Johannes der Täufer, die Werke Jesu, der Vater, und die Schriften des Alten Testaments Seine Zeugen. Christus hatte außer sich noch vier weitere Zeugen, die eindeutig belegten, dass Er der Sohn GOTTES war. GOTT forderte von den Menschen, Zeugnisse nur basierend auf zwei oder drei Zeugen als wahr zu erklären. Er selbst hatte fünf Zeugen, die bestätigten, dass Jesus Christus GOTTES Sohn war und immer noch ist. Johannes hatte von der Wahrheit Zeugnis gegeben. Die Israeliten wussten, dass Johannes ein Mann GOTTES war. Sie dachten sogar fälschlicherweise, dass er der Messias sein könnte. Johannes erschien den Israeliten als glaubwürdig, aber sie wollten sich nur an seinem Schein erfreuen. Sie hatten kein Interesse an der Lehre des Johannes und an seinen Aufrufen zur Buße. Der Herr hatte aber nicht nur Johannes als Seinen Zeugen, sondern auch Seine eigenen Werke, die bewiesen, dass Er der Christus war. Nur der Herr Jesus konnte messianische Wunder tun. Die Wunder, die der Vater durch den Sohn vollbrachte, waren ein eindeutiges Zeugnis für Seine Gottessohnschaft. Der Vater hat Seinen Sohn aber nicht nur durch die Wunder bestätigt, sondern auch durch Sein gesprochenes Wort. Der Herr war der viel geliebte Sohn des Vaters und auf Ihn sollten die Menschen hören, aber sie haben nicht auf Jesus Christus gehört. Kein anderer Mensch hatte je den Vater gesehen oder Seine Stimme gehört, aber dem Menschen, der Ihn sowohl gesehen als auch gehört hatte, wollten sie nicht glauben, dass Er von GOTT gesandt war. Die Menschen hatten die Worte GOTTES nicht dauerhaft in sich, weil ihr Herz durch Unglauben verstockt war. Sie erforschten zwar das Wort GOTTES, aber sie wollten nicht erkennen, dass diese heiligen Schriften, von Jesus Christus Zeugnis gaben. Sie suchten in den Schriften nach dem ewigen Leben, aber als das ewige Leben vor ihnen stand, wählten sie den ewigen Tod. Sie wollten nicht zu Jesus Christus kommen, um ewiges Leben zu empfangen. Das Zeugnis über Christus war eindeutig und unmissverständlich, aber die Menschen weigerten sich, zu glauben. Die erste Schuld der Menschen bestand in ihrem Unglauben, der dazu führte, dass sie nicht zu dem Sohn GOTTES kamen. Die zweite Schuld, die der Herr den Pharisäern vorgehalten hat, war ihre Ehrsucht. Sie suchten die Ehre vor den Menschen, aber die Ehre GOTTES interessierte sie nicht. Christus war der einzige Mensch, der Ehre und Ruhm verdient hatte und der einzige, der keine Ehre vor Menschen gesucht hat. Die dritte Schuld des Menschen war ihre fehlende Liebe zu GOTT. Hätten sie GOTT geliebt, dann hätten sie Ihn geehrt und Ihn verherrlicht. Als vierte Schuld nennt der Herr Seine Ablehnung durch die Menschen und die Annahme des Antichristen. Christus war im Namen Seines Vaters gekommen und hatte bewiesen, dass nur Er der Sohn GOTTES sein konnte, aber Sein Volk hatte Ihn nicht angenommen. Christus wurde verworfen, aber der Antichrist wird von dem Volk GOTTES als Messias angenommen werden, obwohl er nicht im Namen GOTTES kommen wird, sondern in seinem eigenen Namen. Die Pharisäer verließen sich auf Mose, weil sie nicht wussten, dass Mose sie verklagen wird. Mose war ein Prophet, der das Kommen des Herrn prophezeit hatte. Sie dachten Mose sei auf ihrer Seite, aber sie glaubten weder ihm noch Jesus Christus. Die Schuld der Menschen begann mit dem Unglauben (V. 38) und sie endet bei dem Unglauben (V. 46-47). Der Mensch verendet durch Unglauben. Jesus Christus ist der Sohn GOTTES, der Wiedergeburt bewirkt, der den Menschen von der Krankheit der Sünde heilt und von der Schuld der Sünde befreit. Er war das Lamm GOTTES, das die Sünde der Welt hinweggetragen hat. Nur Er kann den Menschen wirklich reinigen und heiligen, weil Er das personifizierte Wort GOTTES ist und durch Sein Wort neues Leben schaffen kann.