
Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.
Matthäus 11,28-30
In dieser Bibelstelle spricht Jesus das erste und einzige Mal über Seinen Charakter, den er auf dieser Welt hatte. Wir finden insbesondere im Johannes-Evangelium viele verschiedene Eigenschaften und Aufgaben, die der Herr bspw. in den „Ich-Bin“-Aussagen anspricht, aber Er spricht nur hier direkt über Seine persönlichen Charaktereigenschaften, während Er auf dieser Erde lebte. Es gibt andere Bibelstellen, in denen Gott über Seinen Charakter spricht, wie bspw. als Mose die Herrlichkeit Gottes sehen wollte (vgl. 2. Mo. 34,6-7), aber in den Evangelien ist das die einzige Stelle, in der wir eine Charakter-Beschreibung unseres Herrn finden, die von Ihm selbst gemacht wurde. Der Herr verwendet zwei Charaktereigenschaften, um sich selbst zu beschreiben. Er hat gesagt, dass Er sanftmütig und von Herzen demütig ist.
Warum verwendet der Herr ausgerechnet diese beiden Eigenschaften, um Seinen Charakter zu beschreiben? Warum hat Er nicht gesagt, dass Er geduldig, gnädig, barmherzig oder freundlich ist?
Die Demut und Sanftmut des Herrn sind das, was Ihn am meisten von uns unterscheidet. Wir alle können geduldig, gnädig, barmherzig und freundlich sein, aber niemand von uns kann wirklich demütig und sanftmütig sein. Diese beiden Eigenschaften liegen uns Menschen am Fernsten. Menschen können sogar aufopfernd lieben, aber nicht demütig und sanftmütig sein.
Warum war es dem Herrn so wichtig, zu betonen, dass Er von Herzen demütig ist? Warum reichte es nicht, zu sagen, dass Er demütig ist? Er hat ja auch nicht gesagt, dass Er von Herzen sanftmütig ist. Demut ist Herzenssache. Sanftmut ist Handlungssache. Die meisten Menschen besitzen nur eine oberflächliche Demut, die nicht von Herzen kommt. Wir wollen gar nicht wirklich demütig sein. Wir wollen, dass andere von uns denken, dass wir demütig sind, aber wollen nicht wirklich von Herzen demütig sein. Echte Demut ist eine Voraussetzung für echte Sanftmut. Demut zeigt sich durch Sanftmut im Umgang mit anderen Menschen.
C. S. Lewis: „Demut bedeutet nicht, weniger von sich selbst zu denken, sondern weniger an sich selbst zu denken.“
Es geht bei der Demut nicht darum, dass wir schlecht über uns selbst denken, sondern darum, dass wir gar nicht so viel über uns selbst nachdenken. Es gibt viele verschiedene Formen des Stolzes. Man kann auch Stolz sein, wenn man sich selbst für unwürdig und verdorben hält. Das liegt aber oft mehr an einem ungesunden Selbstwertgefühl und nicht an echter Demut, die von Herzen kommt. Demut hat nichts damit zu tun, dass man sich für dumm und schlecht hält, sondern mit Gehorsam. Der Mensch, der sich GOTT unterwirft und Ihm gehorcht, ist wirklich demütig. Demut ist eine mutige Ergebenheit. Hochmut ist eine übermütige Überheblichkeit. Demut kennzeichnet die Beziehung des Geschöpfes zum Schöpfer und damit die Beziehung des gehorsamen Knechts zu seinem Herrn. Hochmut kennzeichnet die Beziehung eines rebellischen Knechts zu seinem Herrn. Demut lernt man durch Demütigungen. Hochmut ist egozentrisch. Demut ist christuszentrisch. Ein hochmütiger Mensch dreht sich nur um sich selbst – sein eigenes Ego – und möchte, dass auch andere Menschen sich nur um ihn drehen. Er möchte andere Menschen beeindrucken und ist bereit, anderen scheinbar zu dienen, um demütig und geistlich zu wirken. Ein demütiger Mensch dreht sich um Christus und möchte Ihm gefallen. Wenn wir jemanden beeindrucken wollen, handeln wir aus Selbstsucht und stellen uns selbst in den Mittelpunkt. Wir drehen uns um uns selbst und erwarten, dass alle anderen uns bewundern. Wer andere beeindrucken möchte, versucht, besser zu scheinen, als er ist.
Echte Demut zeigt sich darin, dass wir GOTT vertrauen, dass Seine Kraft in den Schwachen mächtig wird (vgl. 2. Kor. 12,9). Demut sieht nicht auf die eigene Stärke oder Schwäche, sondern auf GOTT. Demütige Menschen leben in der Abhängigkeit von GOTT. Wahre Demut sagt nicht „Ich bin nichts oder ich bin unwürdig“, sondern wahre Demut schaut auf den „Ich bin“. Wahre Demut sagt: „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus“ (Phl. 4,13).
Von allen Früchten des Geistes wird die Sanftmut am wenigsten begehrt. Sanftmut ist sanfter Mut; Mut, Schwachheit zu zeigen; Mut angreifbar zu sein und übergangen zu werden. Sanftmut schlägt nicht zurück, wenn sie angegriffen wird. Sanftmut ist eine Folge von göttlicher Weisheit. Sanftmut kommt aus der Weisheit (vgl. Jak. 3,13). Wir sollen still sein und erkennen, dass Gott Gott ist. Er ist erhaben unter den Völkern und auf der Erde (vgl. Ps. 46,11). Wenn wir uns Gottes Sichtweise aneignen und Seine Größe erkennen, dann fällt es uns nicht schwer, zuzugeben, dass wir nicht so wichtig sind, wie wir manchmal denken. Stille Demut führt zur Weisheit und zur Erkenntnis Gottes. Wenn ich erkenne, dass Gott mein Leben in der Hand hat und für mich sorgt, dann kann ich klein und unbedeutend sein, weil ich einen bedeutungsvollen Vater im Himmel habe. Wenn ich erkenne, wie groß mein Gott ist, dann muss ich selbst nicht Großes vollbringen, weil im Angesicht Gottes sowieso alles verschwindend klein und unbedeutend wird. Wenn ich weiß, dass Gott für mich kämpft, dann muss ich mich nicht selbst rechtfertigen. Im Stillesein und im Vertrauen liegt unsere Stärke (vgl. Jes. 30,15). Selbst bitteres Leid kann uns zum Frieden dienen (vgl. Jes. 38,17).
Stolz und Sünde machen uns ruhelos. Wir müssen zu Jesus kommen, um Ruhe zu finden. Gott will nicht, dass wir das Joch der Sünde und des Stolzes tragen. Er will uns davon befreien. Er hat das Joch der Sünde und des Stolzes am Kreuz für uns getragen. Wenn Sünden uns plagen, dann dürfen wir Vergebung, Reinigung, Heiligung und Veränderung von Gott empfangen. Im Gebet lernen wir auch den Gebrauch der Waffenrüstung Gottes (vgl. Eph. 6,18). Wenn wir nicht beten, werden wir schnell feststellen, dass wir den Versuchungen und Anfechtungen des Teufels nicht standhalten können (vgl. Mt. 26,41). Er will auch das Joch unserer Probleme und Sorgen tragen. Wenn wir Ängste und Sorgen haben, finden wir bei Gott Geborgenheit. Wenn wir wütend und zornig auf böse Menschen sind, dürfen wir, wenn wir damit zu Gott kommen, Liebe für diese Menschen empfangen. Gott hat auch böse und unaufrichtige Menschen in der Hand, selbst böse und unaufrichtige Menschen innerhalb einer Gemeinde. Wenn wir glauben, dass wir unsere Probleme auch ohne Gebet lösen können, dann sind wir nicht demütig. Wenn wir uns Sorgen machen, dann sind wir nicht demütig. Menschen, die nicht beten, sind auch nicht demütig. Wahre Demut zeigt sich in einem ausgeprägten Gebetsleben. Die Weisheit und die Demut eines Menschen erkennt man an seinem Gebetsleben. Gott will uns Ruhe durch Gebet schenken. Wir dürfen bei allem im Gebet zu Gott kommen. Es geht dabei noch nicht einmal darum, dass wir um Ruhe und inneren Frieden beten, sondern viel mehr darum, dass wir in der Nähe und Gegenwart Gottes automatisch Ruhe und Frieden erleben und erfahren. Gott nimmt uns unsere Lasten ab, wenn wir zu Ihm kommen. Wenn wir im Alltag Stress erleben, dürfen wir diesen Stress bei Gott abladen. Wir dürfen echte Ruhe und echten Frieden durch das Beten finden. Wir dürfen aber auch um Ruhe und Frieden beten.
Sorgt euch um nichts; sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus!
Philipper 4,6-7
Hier finden wir beschrieben, wie wir Ruhe und Frieden in einer ruhelosen Welt finden können. Ruhe in der Ruhelosigkeit finden wir im Gebet. Frieden im Streit und Krieg finden wir durch Gebet. Echte Stille inmitten von Lärm gibt es nur im Gebet. Der Herr hat gesagt, dass wir im Gebet zu Ihm kommen sollen, dann wird Er uns den Frieden Gottes schenken, der allen Verstand übersteigt. Der Herr selbst wird unsere Herzen und Gedanken bewahren.
Wie oft nimmst du dir Zeit für das Gebet? Wie viel betest du? Ist Gebet für dich eine lästige Pflicht oder eine große Freude? Wenn du an Gebet denkst, denkst du dann an eine Verpflichtung oder an ein Vorrecht?
Der Herr will, dass wir Sein Joch auf uns nehmen und von Ihm lernen (vgl. Mt. 11,29).
Was sollen wir von Jesus lernen?
Wir sollen Demut und Sanftmut lernen. Und wie lernen wir Demut und Sanftmut? Durch Gebet. Die Jünger hatten den Herrn darum gebeten, dass Er ihnen beibringt, wie man betet (vgl. Lk. 11,1). Sie wollten nicht lernen, zu predigen. Vielleicht sollten auch wir anfangen, den Herrn zu bitten: „Herr, lehre uns beten! Lehre uns still zu sein! Und lehre uns, zu Dir zu kommen!“ Das Joch des Gebets ist das sanfteste Joch, das es gibt. Die Last des Gebets ist gleichzeitig die leichteste und schwerste Last, die es gibt. Es gibt nichts, was so wichtig ist, wie beten. Es gibt nichts, was so mächtig ist, wie beten. Es gibt nichts, was so heilsam ist, wie beten und es gibt nichts, was so ewig ist, wie beten. Gebet übersteigt unseren Verstand und unser Können. Kein Dienst ist wichtiger als das Gebet. Nichts ehrt Gott mehr als beten. Demütiges Gebet verherrlicht Gott mehr als alles andere. Wenn wir zu Jesus im Gebet kommen, dann zeigen wir Ihm, dass wir Ihn brauchen und Ihn lieben.
Betest du? Kommst du zu Jesus?