Segen durch Gebet

Ich weiß aber, dass, wenn ich zu euch komme, ich mit der Segensfülle des Evangeliums von Christus kommen werde.
Römer 15:29

Paulus spricht hier über sein Vorhaben, die Gemeinde in Rom zu besuchen. Er hatte von den Gemeinden in Mazedonien und Achaja eine Spende für die Gemeinde in Jerusalem erhalten und war auf dem Weg, diese Spende zu übergeben. Danach wollte er über Rom bis nach Spanien reisen. Er wollte die Römer schon seit Jahren besuchen, ist aber immer wieder verhindert worden. Sein Ziel war es, bei den Römern Ermutigung zu finden und dann gemeinsam mit ihnen nach Spanien zu reisen. Paulus wusste, dass, wenn er nach Rom geht, die Segensfülle des Evangeliums von Christus mit ihm geht. Was für eine krasse und gewagte Aussage! Wie kommt man dazu, sowas von sich zu behaupten?

Was ist diese Segensfülle des Evangeliums von Christus? In anderen Übersetzungen steht in der Fülle des Segens Christi? Was ist das für ein Segen? Ist es das Evangelium, die frohe Botschaft? Wollte Paulus den Römern das Evangelium verkündigen? Wollte er mit ihnen über die Fülle des Segens Christi sprechen? War diese Segensfülle des Evangeliums für ihn wie ein Thema, über das man predigt? Was hat Paulus gemeint, als er geschrieben hat, dass mit ihm der volle Segen Christi und die Segensfülle des Evangeliums kommen?

Ich denke nicht, dass er gemeint hat, dass er über diesen Segen und über das Evangelium predigen wollte. Jeder kann über Gottes Segen und über das Evangelium predigen. Das ist nicht wirklich schwer. Paulus spricht hier über sich als Person und nicht über seine Predigten. Die Segensfülle des Evangeliums hat nicht nur seine Predigten ausgemacht, sondern viel mehr ihn als Person und sein ganzes Leben. Er, Paulus, war ein Segensbringer und nicht nur ein Segens-Verkündiger. Er war nicht nur jemand, durch den ein Teilaspekt des Segens gebracht wurde. Durch ihn wurde die ganze Fülle des Segens, die ganze Fülle des Evangeliums und die ganze Fülle Christi zu anderen Menschen gebracht. Diese Fülle hat Paulus auf Schritt und Tritt begleitet. Er hat diese Fülle verkörpert. Wer Paulus hatte, hatte die Segensfülle Christi. Und Paulus wusste das. Er wusste, dass andere durch ihn der Fülle Christi begegnen können. Die Fülle des Segens Christi ist alles, was Jesus für uns getan hat und was Er für uns war. Sie ist, alles, was Er für uns tut und für uns ist und alles, was Er noch für uns tun und für uns sein wird.

Wie sieht das bei uns aus? Ist uns die Segensfülle des Evangeliums überhaupt bewusst? Können wir von uns behaupten, dass die Segensfülle des Evangeliums mit uns geht? Kannst du von dir behaupten, dass du die Segensfülle Christi zu anderen Menschen bringst? Ist diese Segensfülle des Evangeliums eine Realität in deinem Leben? Kann die Segensfülle des Evangeliums überhaupt durch dich zu anderen kommen oder stehst du der Fülle Christi im Wege? Begegnen andere durch dich der Segensfülle des Evangeliums?

Wir sind in Christus zur Fülle gebracht (vgl. Kolosser 2,9-10). In Christus wohnt die ganze Fülle Gottes. Durch Christus besitzen wir diese ganze Fülle Gottes. Heißt das, dass die Fülle Christi uns automatisch begleitet? Geben wir diese Fülle des Evangeliums automatisch an andere weiter? War die Aussage von Paulus, dass er die Segensfülle Christi mit sich bringt gar nicht so besonders?

Epheser 3,14-21: In dieser Bibelstelle werden Gebet, Liebe und die Fülle Gottes in einen Zusammenhang gebracht. Durch den Geist Gottes wird die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen (vgl. Röm. 5,5). Je mehr wir in dieser Liebe zu Gott und zu unseren Mitmenschen wachsen und je mehr wir diese Liebe erkennen, desto mehr werden wir auch erfüllt bis zur ganzen Fülle Gottes. Erfüllt zu sein mit der ganzen Fülle Gottes funktioniert nicht automatisch. Die Fülle Gottes in unserem Leben ist von Gebet, vom Heiligen Geist, von Glauben und von Liebe abhängig. Paulus betete dafür, dass die Epheser mit der Fülle Gottes erfüllt werden. Er betete dafür, dass sie in der Liebe wachsen.

In Epheser 5,18 heißt es, dass wir uns von Gottes Geist erfüllen lassen sollen. Gottes Geist erfüllt uns nicht automatisch, wenn wir Kinder Gottes sind. In Epheser 5 heißt es, dass wir uns gegenseitig mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern ermutigen sollen. Wir sollen Gott in allem danken. Das sind alles Formen des Gebets, die Paulus in Epheser 5 beschreibt, wo er uns dazu auffordert, dass wir uns von Gottes Geist erfüllen lassen sollen.

Wie kam Paulus zu dieser Fülle, die er auch an andere weitergeben konnte?

Römer 15,29-33

Paulus nennt hier die gleichen Dinge, die wir auch in Epheser 3 gefunden haben. Durch die Liebe des Geistes und durch Gebet wird die Fülle des Evangeliums zu einer Realität in unserem Leben. Nur wenn wir beten und in der Liebe zu Gott und zu unseren Mitmenschen wachsen, können wir auch mit dem Heiligen Geist erfüllt werden.

Paulus war mit Heiligem Geist erfüllt und nur deshalb konnten Ströme lebendigen Wassers durch ihn hindurchströmen (vgl. Joh. 7,38). Er war von der Liebe, die der Geist Gottes bewirkt, erfüllt und geleitet. Und er appelliert auch an die Römer, dass sie um des Herrn Willen und um der Liebe des Geistes willen für ihn beten. Paulus war so sehr von Gottes Geist erfüllt, dass er aufrichtig und von Herzen sagen konnte, dass diese Fülle mit ihm geht und dass er sie auch an andere weitergeben kann. Er besaß geistliches Unterscheidungsvermögen. Er konnte sich selbst richtig einschätzen.

Dienen wir anderen Menschen um unseres Herrn Jesus Christus und um der Liebe des Geistes willen oder dienen wir nur uns selbst, um vor Menschen gut da zu stehen? Paulus suchte nicht seine eigene Ehre. Er war auch nicht arrogant. Er liebte Christus und er liebte seine Mitmenschen. Er liebte die Römer so sehr, dass er ihnen seine Herzensanliegen mitteilte. Er bat sie darum, dass sie für ihn beten. Er wusste, dass in Jerusalem böse Menschen auf ihn warteten. Menschen, die ihn sogar töten wollten. Auch machte er sich Gedanken darüber, ob die Gemeinde in Jerusalem seinen Dienst annimmt oder nicht. Diese Gedanken und Sorgen teilte er mit den Römern. Er brachte ihnen Vertrauen entgegen. Er wusste, wie sehr er vom Gebet anderer Menschen abhing. Paulus wusste, dass er auf die Gebete anderer angewiesen war, damit er ein Segen sein konnte. Er war aber nicht nur auf die Gebete anderer angewiesen, sondern auch auf seine eigenen Gebete. Er wollte, dass die Römer mit ihm zusammen in den Gebeten kämpfen. Paulus hat für sich selbst im Gebet zu Gott gekämpft. Er betete natürlich auch für andere, aber er betete auch für sich selbst.

Das Erkennungsmerkmal, das Paulus als Christ auszeichnete, war sein Gebetsleben. Gott sagte zu Ananias, dass er in Damaskus in das Haus des Judas gehen solle, um nach Saulus von Tarsus zu fragen. „Denn siehe, er betet“ (vgl. Apg. 9,11). Die Garantie für die Sicherheit von Ananias war das Gebetsleben von Paulus. Ananias musste keine Angst davor haben, dass Paulus ihn gefangen nimmt oder ihn tötet, weil Paulus gebetet hat. Paulus kämpfte im Gebet für andere und er kämpfte auch für sich selbst. Er wusste, dass er nur durch Gebet den Segen Gottes empfangen und auch weitergeben kann.

Nur durch Gebet werden wir mit Gottes Geist erfüllt. Nur durch Gebet können wir in der Liebe des Heiligen Geistes wachsen. Und nur durch Gebet können wir die Segensfülle des Evangeliums zu anderen Menschen bringen. Unser persönlicher Segen hängt von Gebet ab und wir können nur insofern ein Segen für andere Menschen sein, wie wir beten. Es hängt aber nicht nur unser eigener, persönlicher Segen vom Gebet ab, sondern auch der Segen anderer. Andere können durch unsere Gebete den Segen Gottes erleben und zu Trägern dieses Segens werden. Wenn wir beten, dann ist der Gott des Friedens mit uns und mit anderen.