
Ich liebe den HERRN, denn er hat erhört meine Stimme und mein Flehen; denn er hat sein Ohr zu mir geneigt; darum will ich ihn anrufen mein Leben lang. Die Fesseln des Todes umfingen mich und die Ängste des Totenreichs trafen mich; ich kam in Drangsal und Kummer. Da rief ich den Namen des HERRN an: »Ach, HERR, errette meine Seele!« Der HERR ist gnädig und gerecht, ja, unser Gott ist barmherzig. Der HERR behütet die Einfältigen; ich war ganz elend, aber er half mir. Kehre zurück, meine Seele, zu deiner Ruhe, denn der HERR hat dir wohlgetan! Denn du hast meine Seele vom Tod errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Fall. Ich werde wandeln vor dem HERRN im Land der Lebendigen. Ich habe geglaubt, darum rede ich; ich wurde aber sehr gebeugt. Ich sprach in meiner Bestürzung: »Alle Menschen sind Lügner!« Wie soll ich dem HERRN vergelten all seine Wohltaten an mir? Den Kelch des Heils will ich nehmen und den Namen des HERRN anrufen; meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen, ja, vor seinem ganzen Volk. Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Getreuen. Ach, HERR, ich bin ja dein Knecht, ich bin dein Knecht, der Sohn deiner Magd; du hast meine Fesseln gelöst. Dir will ich Dankopfer darbringen und den Namen des HERRN anrufen; meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen, ja, vor seinem ganzen Volk, in den Vorhöfen des Hauses des HERRN, in deiner Mitte, Jerusalem. Hallelujah!
Psalm 116
Als ich diesen Psalm gelesen habe, fragte ich mich: „Wie viele Bibelstellen kenne ich, in denen jemand sagt, ‚Ich liebe den Herrn‘?“ Es gibt nicht so viele Bibelstellen, in denen jemand sagt, dass er Gott liebt. Den meisten Menschen ist bewusst, wie wichtig und bedeutungsvoll die Worte „Ich liebe dich“ in zwischenmenschlichen Beziehungen sind. Es gibt nicht sehr viele Personen im Leben jedes Menschen, zu denen man diese Worte sagen würde. Nur bei ganz besonders nahestehenden Menschen verwendet man diese Worte. Sie sind gleichermaßen und gleichzeitig ein Ausdruck von Emotionen und von einer Entscheidung für die geliebte Person. Wenige Sätze, die man verwenden könnte, sind so ausdrucksstark, wie der Satz „Ich liebe dich“. Es gibt nicht viele Worte, mit denen man sowohl tiefe Emotionen als auch eine bindende Entscheidung ausdrücken könnte. In zwischenmenschlichen Beziehungen ist es nicht nur wichtig, diese Entscheidung zur Liebe zu treffen oder die damit einhergehenden Emotionen zu fühlen. Es ist genau so wichtig, diese Emotionen und Entscheidungen in Worte zu fassen und den geliebten Personen immer wieder neu zu kommunizieren. Die Bedeutung des Satzes „Ich liebe dich“ ist uns auf menschlicher Ebene meistens noch bewusst. Wie sieht es aber mit unserer Beziehung zu Gott aus? Glauben wir noch, dass es Gott etwas bedeutet, wenn wir zu Ihm sagen, dass wir Ihn lieben? Glauben wir noch, dass Gott diese Worte von uns hören möchte? Oder denken wir, dass Gott sowieso alles weiß und es daher gar nicht nötig hat, dass wir Ihm sagen, wie sehr wir Ihn lieben. Wie oft sagen wir zu Gott, dass wir Ihn lieben? Wann hast du das letzte Mal zu Gott wortwörtlich gesagt: „Ich liebe dich!“?
Warum liebt der Psalmschreiber den Herrn? Was war der Grund dafür, dass der Psalmist diese besondere Aussage gemacht hatte?
Weil Gott ihn erhört hat. Der Psalmist hatte nicht gesagt, dass er den Herrn liebt, weil Er ihm seine Sünden vergeben hatte. Er hat auch nicht gesagt, dass er den Herrn liebt, weil der Herr ihm geholfen, ihn beschützt oder ihn zuerst geliebt hatte. Er hätte ja auch schreiben können: „Ich liebe den Herrn, weil Er mich errettet hat.“ Er beschreibt ja dann in diesem Psalm, dass Gott ihn gerettet und ihm geholfen hat, aber das war nicht der Hauptgrund für seine Liebe zu Gott. Der Hauptgrund, den der Psalmist hier für seine Liebe zu Gott nennt, ist der, dass Gott seine Stimme und sein Flehen erhört hat. Gebet zu Gott führt zu Liebe zu Gott. Der Grund, warum der Psalmist Gott auch weiter anrufen will, ist der, dass Gott ihn bereits erhört hat. Das, was ihm am meisten hängen geblieben ist, war nicht die mächtige Rettung Gottes, sondern das Zuhören Gottes. Gott hatte dem Psalmschreiber zugehört. Er hatte erstmal nicht direkt in seine Situation eingegriffen, auch wenn Er das später dann getan hat, aber Er hat ihm erstmal zugehört und das war für den Psalmschreiber das Wichtigste. Dass Gott ihm zugehört hat, war ihm wichtiger, als die Erhörung seines Gebets.
Diese sanfte und stille Reaktion Gottes hat mich an Elia am Berg Horeb in 1. Könige 19 erinnert. Dieser Bibelstelle geht die Begebenheit voraus, in der Elia die Baalspriester auf dem Berg Karmel besiegt hat. Es hatte jahrelang nicht mehr in Israel geregnet, weil Gott das Volk Israel für ihren Götzendienst bestrafen wollte. Nach ca. 3 Jahren, in denen Elia sich vor dem König Ahab verstecken musste, hatte Elia ein Treffen auf dem Berg Karmel ausgemacht. Auf diesem Berg sollten Elia und die Baalspriester beweisen, wer der wahre Gott ist. Die Geschichte hat dann damit geendet, dass Gott bewiesen hat, dass nur Er der wahre Gott ist, indem Er Feuer vom Himmel hat fallen lassen. Elia hat dann alle Priester Baals getötet. Nachdem Elia sieben Mal dafür gebetet hatte, hat es dann auch wieder geregnet. Jetzt wollte Isebel sich an Elia rächen, weil er ihre Priester getötet hatte.
In 1. Könige 19,1-18 wird berichtet, dass Elia vor Isebel geflohen ist und sich in der Wüste versteckt hat. Der Engel des HERRN kam dann in dieser Wüste zweimal zu Elia, um ihm zu sagen, dass er aufstehen und essen solle. Gott hatte Elia durch ein Wunder Brot und Wasser in der Wüste gegeben. Genau wie in den vorangegangen 3,5 Jahren hatte Gott auch hier wieder für Elia gesorgt. Elia hatte gegessen, getrunken und geschlafen, um sich erstmal zu erholen, weil er eine lange Reise vor sich hatte. Er ging dann gestärkt 40 Tage und 40 Nächte bis er am Berg Horeb angekommen war. Am Berg Horeb fragte Gott ihn in Vers 9: „Was willst du hier, Elia?“ Elia klagt dann dem Herrn sein Leid.
Ich habe für den HERRN, den Gott der Heerscharen, unerschrocken geeifert; denn die Israeliten haben deinen Bund verlassen, deine Altäre niedergerissen und deine Propheten mit dem Schwert getötet; ich allein bin übriggeblieben, und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. 1. Könige 19,10
Elia beschreibt hier, was er alles für Gott getan hatte. Er hatte sich vor den Israeliten für Gott eingesetzt und versucht, das Volk Israel wieder zu Gott zurückzubringen. Er dachte, dass er der einzige sei, der Gott treu geblieben war und dass alle anderen Propheten bereits getötet worden seien. Dabei hatte sich Elias Situation eigentlich gar nicht verschlechtert, sondern verbessert. Er klagt hier darüber, dass das Volk sich von Gott abgewandt hatte, dabei haben sie im Kapitel 18,39 erkannt, dass der HERR Gott ist. Sie hatten sogar die Baalspriester gefangen, damit Elia sie alle töten konnte. Er klagt auch darüber, dass man ihn umbringen will, dabei hat sich auch hier seine Situation verbessert. In den vorigen Kapiteln hat der König Ahab überall in Israel und in den Nachbarländern nach Elia gesucht, um ihn zu töten. Jetzt wollte Ahab ihn nicht mehr töten. Er hatte auf dem Berg Karmel ja die Gelegenheit gehabt. Die Soldaten des Königs hatten sicherlich auch kein Interesse daran, Elia etwas anzutun, nachdem sie gesehen hatten, wie Gott sich offenbart hat. Nur noch die Königin Isebel wollte ihn töten. Die wollte ihn aber auch davor schon töten, genau wie die anderen Propheten Gottes. Seine Situation hatte sich deutlich verbessert. Obadja hatte ihm auch berichtet, dass er 100 Propheten Gottes vor Isebel versteckt hatte, d. h. Elia wusste eigentlich, dass er nicht allein übrig geblieben war. Seine Situation war nicht einfach, aber deutlich besser im Vergleich zu den Monaten und Jahren zuvor.
Gott fordert Elia dann dazu auf aus der Höhle herauszutreten und sich vor Gott hinzustellen. Auf einmal zog ein heftiger Sturm auf, riss ganze Felsbrocken aus den Bergen heraus und zerschmetterte sie. Doch der HERR war nicht in dem Sturm. Als Nächstes bebte die Erde, aber auch im Erdbeben war der HERR nicht. Dann kam ein Feuer, doch der HERR war nicht darin. Danach hörte Elia ein leises Säuseln.
Gott begegnet Elia in dieser Geschichte in einem sanften Säuseln, nachdem Er nicht in dem starken Wind noch in dem Erdbeben oder dem Feuer gewesen ist. Er hatte für Gott geeifert und hatte vielleicht erwartet, dass Gott jetzt für ihn eifert und sich durch einen gewaltigen Sturm in Israel offenbart oder Feuer auf Isebel herabfallen lässt. Gott begegnete Elia in seiner Glaubenskrise nicht als verzehrendes Feuer, sondern als sanftes Säuseln. Gott ist Elia in Seiner Güte, Gnade und Barmherzigkeit erschienen, als Elia gehofft hatte, dass Gott sich durch Stürme, Erdbeben und Feuer offenbart. Interessanterweise handelt es sich hier um drei von vier Elementen. Wind, Erde und Feuer. Was fehlt ist das Element Wasser. Das Element Wasser finden wir aber ein Kapitel früher, als Gott sich durch einen gewaltigen Regen offenbart hat, nachdem es 3,5 Jahre nicht mehr geregnet hatte. Elia hatte sicherlich erwartet, dass Gott auch in dieser Notlage mit Isebel mächtig eingreift und durch ein Wunder seine Probleme löst. Gott hatte ihn 3 Jahre lang durch verschiedene Wunder am Leben erhalten und ihn ernährt.
Gott begegnet Elia am Berg Horeb nicht auf eine materiell greifbare Art und Weise, indem Er Seine Macht über die 4 Elemente zur Schau stellte. Er begegnet ihm nicht auf einer materiellen Ebene, sondern auf einer Beziehungsebene. Elia hatte ein mächtiges Eingreifen Gottes erwartet – wie wahrscheinlich auch der Psalmist, aber Gott hörte ihm einfach nur zu. Gott hatte Elia zugehört, genau wie Er auch dem Psalmisten zugehört hatte. Er stellte Elia zum zweiten Mal die gleiche Frage und hörte Elia zu. „Was willst du hier, Elia?“ (1. Könige 19,13). Elia gab Gott genau die gleiche Antwort auf seine Frage wie in Vers 10.
Gott war gar nicht auf das Klagen Elias eingegangen. Er hatte ihm einfach nur zugehört und ihm dann neue Aufträge gegeben. Elia sollte nach Damaskus ziehen, um Hasael zum König über Aram zu salben. Danach sollte er Jehu zum König über Israel salben und als letztes sollte er Elisa als seinen Nachfolger salben. Es ist bemerkenswert, wie Gott durch diese Aufträge Bezug auf Elias Klage nimmt. Hasael wurde später von Elisa in 2. Könige 8 zum König gesalbt. Im Verlauf der Geschichte wurde Hasael zu einem Widersacher des Volkes Israel, durch den Gott das Volk für ihren Götzendienst bestraft hatte. Jehu war Gottes Strafe für das Haus Ahabs. Er wurde im Auftrag von Elisa von einem unbekannten Propheten-Lehrling zum König gesalbt (vgl. 2. Könige 9). Danach hat er Isebel und die Söhne Ahabs getötet. Elia hatte den Eindruck, dass Gott nichts gegen die Bosheit des Volkes und gegen die Bosheit Ahabs unternehmen würde. Aber Gott hatte bereits für Gerechtigkeit gesorgt. Gott hatte Elias Gebet genauso erhört wie das Gebet des Psalmisten.
Der Psalmist wechselt im Psalm 116 immer wieder zwischen einem Reden über Gott, einem Reden mit Gott und einem Reden mit sich selbst. In Vers 1-6 redet der Psalmschreiber über Gott. Er beschreibt, dass Gott sein Flehen erhört hat. Er spricht darüber, dass er durch schwere Not gegangen ist und dass Gott gnädig, gerecht und barmherzig ist. Fesseln des Todes hatten ihn umfangen und Ängste, Drangsal und Kummer ihn umgeben. In seiner Not rief er den Namen des Herrn an und Gott half ihm. Er bezeugt, dass Gott die Einfältigen beschützt. Genau das gleiche hatte Elia auch erlebt. Gott hatte ihn immer wieder gerettet und beschützt. Er war durch sehr schwierige Zeiten gegangen, aber Gott war bei ihm. Die Fesseln des Todes und die Ängste es Totenreichs hatten Elia genauso gefangen genommen wie den Psalmisten. Elia wollte nicht mehr weiterleben (vgl. 1. Kön. 19,4). Er erlebte Drangsal und Kummer, genau wie der Psalmist. Beide beschreiben ihr Leid und ihr Elend.
Danach haben wir aber einen plötzlichen und unerwarteten Perspektivwechsel in Psalm 116,7-10. Völlig aus dem Nichts fängt der Psalmist an mit sich selbst und mit Gott zu reden. „Sei nun wieder ruhig, meine Seele, denn der HERR tut dir Gutes“ (V. 7). Zwischendurch erklärt er dann noch, was Gott ihm alles Gutes getan hat. Gott hatte seine Seele aus dem Tod gerissen, sein Auge von Tränen befreit und seinen Fuß vor dem Fall bewahrt (V. 8). Das ist wie eine absteigende Ordnung. Das größte, was Gott für ihn getan hatte, war, seine Seele vom Tod zu erretten. Das zweitgrößte, was Gott für ihn getan hatte, war seine Tränen versiegen zu lassen und das drittgrößte seine Füße vor dem Fall oder Abgrund zu bewahren. Gott hatte den Psalmisten vor drei Dingen errettet und bewahrt: Tod, Schmerz und falsche Wege. Gott hat auch Elia vor dem Tod, vor Schmerzen und vor falschen Wegen bewahrt. Er hatte ihn wieder zurück an den Berg Horeb in die Gemeinschaft mit Gott gebracht.
In Vers 9 macht der Psalmist dann ein Gelübde oder Versprechen: „Ich werde wandeln vor dem HERRN!“ Er hatte am Glauben festgehalten, auch als er am Boden lag (V. 10). Er hatte geglaubt, wurde aber trotzdem sehr gebeugt und erniedrigt. Sicherlich hatte er sehr große Enttäuschungen erlebt. Vielleicht war er auch einsam und verlassen. In Vers 11 ruft er aus: „Alle Menschen sind Lügner“ (V. 11). Er hatte den Eindruck, dass er alleine war. Wahrscheinlich hatten viele Menschen ihn hintergangen und enttäuscht. Auch Elia hatte den Eindruck, dass er alleine war. Er dachte, dass er der letzte Prophet in Israel sei. Gott sagt ihm dann aber, dass Er Elisa zum neuen Propheten berufen hat und dass es in Israel noch 7000 Menschen gibt, die ihre Knie nicht vor Baal gebeugt haben. Elia war nicht alleine, auch wenn er sich so gefühlt hatte. Es gab mehr als 7000 Mitstreiter, die Gott treu geblieben waren. Nicht alle Menschen im Umfeld von Elia und dem Psalmisten waren Lügner.
Ab Vers 12 wird uns eine völlig neue Perspektive aufgezeigt. Bisher hat uns der Psalmschreiber sein Leid geklagt und darüber geschrieben, wie viel Schlimmes er erlebt hat. Er hatte zwar in seinem Leid und seinen Problemen immer wieder auf Gott geschaut, aber sein Gebet kam hauptsächlich aus einer Not heraus. Er hatte darüber geschrieben, wie Gott ihm in seinen Problemen geholfen und ihn erhört hatte. Ab Vers 12 spricht er hauptsächlich darüber, wie er jetzt auf diese Rettung und Wohltaten Gottes reagieren will. Seine erste Reaktion ist, dass er den Kelch des Heils nehmen und den Namen des Herrn anrufen will. Seine erste Reaktion auf alle seine Gebetserhörungen ist noch mehr Gebet.
In Vers 14 erinnert er sich dann an seine Gelübde, die er erfüllen muss. Er hat sich an seinen Auftrag und an seine Versprechen Gott gegenüber erinnert. Während Gebetszeiten zeigt Gott uns oft den nächsten Schritt für unser Leben. Er gibt uns einen neuen Auftrag und ein neues Ziel. Der Psalmist hatte sich vorgenommen, seine Gelübde Gott gegenüber zu erfüllen. Vielleicht hast du das auch schon erlebt, dass Gott dir während du gebetet und Stille Zeit gemacht hast, ein Gelübde abverlangt hat, etwas das du Ihm versprechen musstest. In 1. Petrus 3,4 heißt es, dass ein sanfter und stiller Geist vor Gott sehr kostbar ist. Gottes Geist ist oft wie dieses sanfte und stille Säuseln. Er offenbart sich nicht unbedingt durch Aufsehenerregendes wie einen Sturm, ein Erdbeben, ein Feuer oder einen gewaltigen Regen, sondern durch eine sanfte Stimme, die zu uns redet. Oft benutzt Gottes Geist z. B. unser Gewissen, um uns sanft und still auf etwas aufmerksam zu machen. Oft schenkt Er uns auch einen Gedanken. Gottes Geist ist nicht aufdringlich und es ist sehr einfach Ihn zu betrüben und zu überhören, weshalb Gebet so wichtig ist, damit wir aufmerksam sind, wenn Gott zu uns redet (vgl. Eph. 4,30). Wir können Gott nicht sehen, aber wir können Seine sanfte Stimme hören. Gott legt uns oft während wir in der Stille vor ihm sind, ein Anliegen aufs Herz, das uns nicht mehr loslässt. Und diese Herzensanliegen sind oft Aufträge, die Gott für uns hat. Wir sind Knechte und Mägde Gottes. Wir sind keine Gefangenen Gottes, aber Knechte Gottes. Gott hat unsere Fesseln gelöst, damit wir Ihm dienen können und Seine Aufträge ausführen können. Während Elia in dieser Stille vor Gott verweilte, gab Gott ihm neue Aufträge und ein neues Ziel. Er durfte Elisa zum Propheten salben und das Gericht Gottes durch Hasael und Jehu in die Wege leiten.
Viermal spricht der Psalmist in diesem Psalm darüber, dass er Gott anruft oder Gott anrufen will. In Vers 2 schreibt er, dass er Gott sein Leben lang anrufen will, weil Gott Sein Ohr zu ihm geneigt und ihm zugehört hat. In Vers 4 beschreibt er, wie er den Namen des HERRN in seiner Not angerufen hat, damit Gott seine Seele errettet. In Vers 13 will er den Kelch des Heils nehmen und Gott anrufen. Und zuletzt will er Gott in Vers 17 einfach nur aus Dankbarkeit anrufen.
Auch hier finden wir wieder eine Reihenfolge. Erst spricht der Psalmist darüber, dass er Gott einfach nur anrufen will, weil er mit Gott reden möchte. Dann geht er weiter und will Gott anrufen, damit Gott ihn rettet. Als nächstes will er Gott anrufen, weil Gott ihn gerettet hat. Und der letzte Schritt ist einfach nur noch generelle Dankbarkeit. Durch Gebet wurde der Blick des Psalmisten von seinen Problemen auf Gott gelenkt. Aus Druck von außen wurde Dankbarkeit von innen. Sein Leid wurde während seiner Gebetszeit zu einem Lob und zu Liebe. Er und Elia hatten erlebt, dass Gebet sie in allen Lebensumständen durchtragen kann und dass Gott Gebet erhört.