Ein König, ein Diener und ein Beter

In der Geschichte, in der Saul zum König berufen wurde, gibt es drei Personen, die eine komplett unterschiedliche Beziehung zu Gott hatten. Die Geschichte von Saul beginnt damit, dass Saul und sein Diener von Sauls Vater losgeschickt wurden, um verlorengegangene Eselinnen zu suchen. Die beiden machten sich auf und suchten mehrere Tage nach den Eselinnen, bis Saul zu seinem Diener sagte, dass sie lieber umkehren sollten, weil sein Vater sich sonst noch Sorgen um die beiden machen würde. Die Antwort des Dieners finden wir in 1. Samuel 9,5-17 beschrieben.

Als Saul zu seinem jungen Diener sagte, dass sie umkehren sollten, meinte dieser, dass sie doch noch eine letzte Sache probieren und den Propheten Gottes um Rat bitten könnten. Die letzte Option dieses Dieners war, einen Propheten Gottes nach dem Weg zu fragen. Saul kam gar nicht auf die Idee, Gott oder einen Diener Gottes nach Rat zu fragen. Wie wichtig ist es uns, Gottes Hilfe zu suchen? Wenden wir uns an Gott, wenn wir Probleme haben oder versuchen wir unser Glück ohne Gott? Ist Gott auch deine letzte Option oder ist Er deine erste und einzige Option?

Saul hatte auch nichts, was er dem Mann Gottes als ein Geschenk hätte geben können. Der junge Diener war aber bereit, dem Propheten einen Viertel Silberschekel aus eigener Tasche als Geschenk zu geben. Mit dem Viertel-Schekel in der Tasche haben Saul und sein Diener sich aufgemacht, um Samuel zu suchen. Als sie kurz vor der Stadt auf eine Gruppe junger Frauen getroffen waren, erfuhren sie, dass der Mann Gottes genau am gleichen Tag in der Stadt angekommen war wie Saul und sein Diener. Samuel war exakt an dem Tag in die Stadt zurückgekehrt, an dem Saul und sein Diener ihn suchten. Gott hatte für den perfekten Zeitplan und Zeitpunkt gesorgt.

Was weder Saul noch sein Diener wussten, war, dass Samuel von Gott bereits über ihren Besuch informiert worden war. Gott hatte am Tag zuvor zu Samuel gesagt, dass er den neuen König zu Samuel senden würde (V. 16). Samuel hatte nichts unternommen, um eine Begegnung mit Saul zu ermöglichen. Er ging seinem ganz normalen Ablauf nach und wollte zu dem Opfer gehen, das er und die Stadt geplant hatten. Samuel vertraute darauf, dass Gott diesen neuen König schon zu ihm führen würde, was Gott dann auch tat.

Gott gebrauchte Sauls Diener. Dieser junge Mann hatte so viel Gottvertrauen, dass er daran glaubte, dass Gott Prophezeiungen erfüllen kann. Er war davon überzeugt, dass Gott zu Propheten redet und dass das, was diese Propheten sagen, auch wirklich eintrifft. Gott gebrauchte das Vertrauen und den Glauben dieses jungen Dieners, um eine Begegnung zwischen Samuel und Saul zu ermöglichen. Dem jungen Mann war sehr wahrscheinlich nicht bewusst, dass er gerade von Gott gebraucht wird. Möglicherweise hat er nie erfahren, wie er von Gott an diesem wichtigen Tag gebraucht wurde. Saul wird ihm diese Geschichte vermutlich nicht erzählt haben. Er hat ja noch nicht einmal seinem Onkel erzählt, was Samuel zu ihm gesagt hatte. Wir lesen auch nichts darüber, dass Samuel den beiden irgendwie offenbart hätte, dass Gott bereits einen Tag zuvor ihre Ankunft prophezeit hatte. Der Junge hat wahrscheinlich nie erfahren, welche Rolle er in dieser Geschichte gespielt hat. Er wurde von Gott geführt und geleitet, war sich dieser Führung und Leitung aber gar nicht bewusst. Im Gegensatz zu Saul suchte dieser Junge wenigstens noch die Führung und Leitung Gottes. Als er aber von Gott geführt und geleitet wurde, hatte er das gar nicht bemerkt. Der junge Diener hatte die Führung und Leitung Gottes gesucht, aber nicht gesehen.

Suchst du Gottes Führung und Leitung in deinem Leben? Erlebst und siehst du Gottes Führung und Leitung in deinem Leben? Bist du wie Saul, der die Führung und Leitung Gottes gar nicht sucht oder bist du wie der Diener Sauls, der Gottes Führung suchte, aber gar nicht bemerkt hat?

Oder bist du wie Samuel, der Gott suchte und der auch gesehen und erlebt hat, wie Gott ihn geführt und geleitet hat? Was war der große Unterschied zwischen diesen drei Männern?

Samuel war ein betender Prophet. Alles, was Samuel prophezeite, erfüllte sich auch. Samuel war aber nicht nur ein Prophet, durch den und zu dem Gott redete. Er war vor allem ein Beter. Samuel war einer der größten und mächtigsten Beter der Menschheitsgeschichte. Gott erhörte Samuel, wenn Samuel betete. In Psalm 99 wird Samuel gemeinsam mit Mose und Aaron als Beter genannt. „Sie riefen den Herrn an und Er erhörte sie“ (Psalm 99,6). Samuel war ein außergewöhnlicher Beter. Gott sagt in Jeremia 15,1, dass selbst wenn Mose und Samuel vor Gott getreten wären, um für das Volk Gottes zu beten, hätte Er nicht auf die beiden gehört. Gott sagt hier, dass Sein Zorn über das Volk so groß war, dass nicht einmal Mose und Samuel Seinen Zorn hätten abwenden können. Samuel und Mose werden hier von Gott als zwei der einflussreichsten Beter, die es je gab, dargestellt. Gott verdeutlichte in Jeremia 15 Sein endgültiges Gericht, indem Er den Menschen zeigte, dass nichts und niemand mehr sie vor Ihm retten konnte. Selbst wenn der bestmögliche Fall für das Volk Israel eingetreten wäre, hätte es für sie damals keine Hoffnung mehr gegeben. Samuel und Mose waren der bestmögliche Fall. Samuel und Mose waren das Beste, was dem Volk Israel hätte passieren können. Sie waren die größte Hoffnung, an die das Volk sich hätte klammern können. Sie waren die beste Chance, die das Volk Gottes hätte bekommen können. Samuel sah Gebet als seine Berufung an. In Seiner Abschiedsrede an das Volk Israel betonte Samuel, dass es fern von ihm sei, sich an Gott zu versündigen und nicht mehr für das Volk Israel zu beten und sie den richtigen Weg zu lehren (vgl. 1. Sam. 12,23). Samuel nennt Gebet vor Lehren. Gebet kann mehr bewirken als Lehren und Predigen. Gebet ist wichtiger als Predigen, weil Predigen ohne Gebet machtlos und fruchtlos ist. Gebet und Lehre müssen Hand in Hand gehen. Leider vernachlässigen wir viel zu oft das Beten. Wenn wir keine Beter sind, sind wir nutzlos und wertlos für das Reich Gottes. Viele legen den Fokus auf das sogenannte Dienen. Gott kennt keinen Dienst ohne Gebet. Wenn du meinst, dass du Gott dienst, obwohl dein Gebetsleben schwach ist, dann täuschst du dich. Wenn du kein Beter bist, dann bist du kein wirklicher Diener Gottes. Die Apostel setzten in Apostelgeschichte 6,4 Diakone ein, damit sie sich auf das Gebet und den Dienst des Wortes Gottes, sprich die Lehre, konzentrieren konnten. Auch die Apostel beachteten diese Reihenfolge. Erst Gebet, dann Lehre. Wir sollten von diesen Männern Gottes lernen. Bevor wir uns an das Wort Gottes wagen, um es zu lehren, müssen wir im Gebet mit Gott verbunden sein. Eine Gemeinde kann nur stark sein, wenn sie starke Beter hat. Gottes Wort wird nur dann Frucht bringen, wenn wir um Frucht bitten.

Samuel war ein Beter, der das Handeln Gottes in seinem Leben erfahren hatte. Samuel erlebte Gott in seinem Alltag, weil er ein offenes Ohr für Gott hatte. Wenn wir Gottes Führung und Leitung in unserem Alltag erleben wollen, müssen wir Beter werden. Wir müssen mit Gott reden und Gott zuhören, damit Er sich uns durch Sein Wort offenbaren kann.