Sehnsucht nach Gott durch Warten auf Gott

Sehnsüchtig blickte der Hirsch um sich. Weit und breit war nichts zu sehen. Er war umgeben von blühenden Bäumen und frischen Feldern. Aber er fand nicht, was er suchte und er bekam nicht, wonach er sich sehnte. Alles, was er sich wünschte, war ein kühler Tropfen Wasser. Alles, was er bekam, waren die trockenen Tränen in seinem Gesicht. Wo war nur das Wasser? Gerne wäre er mit seiner Herde auf den Wiesen und Feldern umhergezogen. Viel lieber wollte er sich mit den Seinen freuen. Dankbarkeit hätte sein Herz erfüllen sollen. Stattdessen war er im Innersten betrübt und traurig. Es schien ihm, als ob alle Meeresfluten und Stürme gleichzeitig über ihn hereingebrochen seien. Wellen des Schauderns und der Angst überwältigten ihn. Hatte Gott nicht verheißen, am Tag Seine Güte zu erweisen und auch nachts der Gott unseres Lebens zu sein? Wo blieb dann der kühle Tropfen Wasser? Warum hörte man keine himmlischen Lieder in der Nacht? Hatte Gott ihn vergessen? Gab es kein Wasser für diesen lechzenden Hirsch? Er wollte doch vom Licht und der Wahrheit Gottes geleitet werden. Er wünschte sich, dass Gott seine Freude und Wonne sei. War nicht Er das lebendige Wasser, das unseren ewigen Durst stillt? War nicht Er der Retter in der Not? Gab es nicht vor Seinem Angesicht Freuden in Fülle? Der Hirsch erinnerte sich an die alten aber immer noch wahren Worte: 

“Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Warte vertrauend auf Gott! Denn ich werde Ihm noch danken, dass Er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.” 

Vertrauensvoll und durch diese Worte ermutigt ging er weiter auf seinem Weg. Er wusste, dass Gott ihm zur richtigen Zeit den richtigen Weg zeigen wird. Er war sich sicher, dass Gott ihm ganz nahe war. Seine Sehnsucht nach dem lebendigen Wasser war gestillt, weil er voller Vertrauen auf den Gott des Lebens wartete.

Offenbarung 2,2-5: Aber Ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast.

Die Epheser waren eine Gemeinde, die voller guter Taten und makelloser Integrität war. Sie hassten das Böse und taten das Gute. Der Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge war ihnen wohlvertraut. Sie besaßen die Erkenntnis Gottes und geistliches Unterscheidungsvermögen. In Schwierigkeiten und Herausforderungen haben sie Geduld und Standhaftigkeit bewiesen. Kein Leid war größer als ihre Ausdauer und Beharrlichkeit. Sie waren sogar dazu bereit, für ihren Herrn und Heiland zu sterben. Ihr Glaube konnte Berge versetzen, aber er war wertlos. Alles war wertlos.

Die Epheser hatten nur einen einzigen, scheinbar sehr kleinen und unbedeutenden Fehler. Es gab nur eine Sache, die Jesus an Seiner Gemeinde in Ephesus auszusetzen hatte. Diese eine vermeintlich kleine Sache hätte neben all den positiven Aspekten dieser Gemeinde untergehen können, wäre es nicht die Hauptsache gewesen.

Was Ephesus fehlte, war die erste Liebe. Sie hatten alles, nur nicht das Wichtigste. Sie haben mit unermüdlicher Ausdauer einen schweren Weg auf sich genommen, sind aber in die falsche Richtung gelaufen. Die Epheser haben den Weg gemeistert, aber das Ziel verfehlt. Ihre Bemühungen waren wertlos und nützten ihnen nichts. Sie hatten die erste Liebe verlassen. Anfangs wurden sie noch von Paulus für ihre außerordentliche Liebe gelobt (vgl. Eph. 1,15). Aber ihre einstmals unvergängliche Liebe war vergangen (vgl. Eph. 6,24). Sie hatten die Breite, die Länge, die Tiefe und die Höhe der alle Erkenntnis übersteigenden Liebe Gottes vergessen (vgl. Eph. 3,18-19).

Die Epheser sollten sich an das erinnern, was sie verloren hatten. Der Herr forderte sie dazu auf, umzukehren und Buße zu tun. Er wollte, dass sie wieder die ersten Werke tun. Sie sollten zurück an den Anfang, um wieder von neuem zu beginnen. Ihre Lieblosigkeit konnte durch Liebe verdrängt werden. So wie sie ihre erste Liebe verlassen hatten, konnten sie auch ihre Lieblosigkeit verlassen. Ihre erste Liebe wartete geduldig auf sie, aber sie mussten umkehren. Selbsterkenntnis, Umkehr und die ersten Werke der Liebe waren die Lösung ihres Problems. Sie brauchten einen Glauben, der sich durch tätige Liebe als wirksam und echt erweist (vgl. Gal. 5,6). Glaube ohne Werke der Liebe ist tot (vgl. Jak. 2,17). Ohne Liebe zu Gott ist alles nichts. Sprachen der Engel und Weissagungen werden ohne Liebe zu sinnlosem Lärm. Alle Geheimnisse zu kennen und alle Erkenntnis zu besitzen, ist ohne Liebe wertlos. Starker, unerschütterlicher Glaube, der bereit ist, seinen Besitz und sein Leben aufzugeben, ist nutzlos ohne Liebe. Ohne Liebe sind wir nichts (vgl. 1. Kor. 13,1-3).

Bist du in Gott verliebt? Ist diese erste Liebe eine Realität in deinem Leben? Hast du Sehnsucht nach Gott?

In den Psalmen 42-43 können wir lesen, was es bedeutet, Gott wirklich mit der ersten Liebe zu lieben und sich nach Ihm zu sehnen.

Die Söhne Korahs waren Leviten, die im Tempel als Sänger gedient haben. Vermutlich wurde dieser Psalm von Heman dem Esrachiter geschrieben oder er war zumindest daran beteiligt (vgl. Ps. 88). In 1. Chronik 6,18-23 lesen wir, dass Heman der Enkel Samuels war. Samuel und Heman waren Nachfahren Korahs. Die Söhne Korahs haben genau wie Asaph auch zur Zeit Davids in der Stiftshütte und später dann auch im Tempel gedient. Der Grund, warum diese Sänger Söhne Korahs genannt wurden, war ein ganz besonderer. Korah lebte ungefähr 18 Generationen vor Heman. Es war damals nicht üblich, einen Namen über 18 Generationen hinweg zu tragen. Korah war ein besonderer Mensch, der in der Bibel eine wichtige Rolle gespielt hat. Korah hatte sich gegen Mose und Aaron aufgelehnt (vgl. 4. Mo. 16). Er war ein Cousin Moses und einer der Obersten im Volk Israel (vgl. 2. Mo. 6,18-21). Die Familie Korahs hatte damals schon als Leviten in der Stiftshütte gedient. Sie wollten sich aber mit dem für sie vorgesehenen Dienst nicht zufriedengeben. Sie wollten das Priesteramt Aarons. Korah, seine Familie und seine Freunde haben Gott verachtet und wurden dann lebendig von der Erde verschlungen. Die Söhne Korahs gelten in der Bibel als eins der Beispiele, dass Gott im Gericht aus Gnade immer einen Überrest übriglässt. Offensichtlich wurde nicht die gesamte Familie Korahs mit dem Tod bestraft. Es muss auch Menschen in seiner Familie gegeben haben, die sich nicht gegen Gott aufgelehnt haben und deshalb verschont wurden. Die Söhne Korahs haben mehrere Psalmen geschrieben, die bis heute eine Ermutigung für uns sind. In diesen beiden Psalmen geht es um Sehnsucht nach Gott und um Warten auf Gott.

Die Söhne Korahs schütten in diesen Psalmen ihr Herz aus. Sie reden immer wieder abwechselnd mit Gott und mit sich selbst. Der Psalm 42 beginnt damit, dass sie ihre Sehnsucht nach Gott beschreiben. Wie ein Hirsch, der tagelang schon nach Wasser lechzt, verlangt oder sogar schreit, so hat sich ihre Seele nach Gott gesehnt. Ihre Seelen hatten Durst nach Gott. Sie wollten Gottes Angesicht sehen. Tag und Nacht haben ihre Tränen sie begleitet. Wir wissen nicht genau, was die Söhne Korahs durchgemacht haben und was für Leid in ihrem Leben war, aber wir wissen, dass es sich für sie so angefühlt hat, als ob Gott alle Fluten und Stürme, die es gibt, über sie hat hereinbrechen lassen. In Vers 8 heißt es: „Alle deine Wellen und Wogen sind über mich gegangen.“ Es gab nicht nur eine Welle oder einen Sturm in ihrem Leben, sondern viele. Es hat sich für sie so angefühlt, als ob Gott sie vergessen und verworfen hätte. Selbst ihre Feinde haben sich immer wieder über sie lustig gemacht und sie gefragt, wo ihr Gott denn sei. Sie hatten Angst. Sie waren innerlich aufgelöst und haben sich große Sorgen gemacht.

Äußere Stürme werden durch Sorgen zu inneren Stürmen. Stürme des Lebens sind immer Zeiten der Tränen und der Trauer. Stürme gehören zur Nachfolge dazu. Wir dürfen in diesen stürmischen Zeiten darauf vertrauen, dass es sich lohnt, Christus nachzufolgen, weil eine tränenvolle Aussaat immer zu ewiger Freude führt.

Psalm 126,5-6: Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Wer weinend hingeht und den Samen zur Aussaat trägt, der kommt gewiss mit Freuden zurück und bringt seine Garben.

Bevor wir die Freuden und die Garben im Himmel ernten können, müssen wir das Weizenkorn, das Gott uns anvertraut hat, in die Erde fallen und sterben lassen. Das Säen des Samens, das Fallenlassen des Weizenkorns in die Erde ist schmerzhaft und kostet viel. Es kostet viel Glauben, das Weizenkorn, das man heute hat und auf das man sich verlassen kann, an Gott abzugeben und darauf zu vertrauen, dass dadurch mehr Frucht entsteht. Oft sind es die Tränen, die das Samenkorn benetzen, die zu einer reichen Ernte führen. Es ist nicht einfach, unsere Wünsche, unsere Sehnsüchte, unseren Willen, unsere Begabungen, unsere Zukunft und die Menschen, die wir am meisten lieben, an Gott abzugeben und darauf zu vertrauen, dass Er Größeres und Schöneres damit vorhat, als wir uns vorstellen können. Es kostet Tränen und Leid, uns Gott ganz hinzugeben und uns Ihm völlig anzuvertrauen. Wenn wir das, was uns am Liebsten und Wertvollsten ist, an Gott abgegeben haben, dauert es lange bis wir sehen dürfen, dass Gott daraus etwas völlig Neues macht. Das Weizenkorn, das in die Erde fällt, muss sterben. Es muss Dürren, Fluten und Stürmen standhalten, bevor daraus neue Frucht entsteht. Hingabe ist nicht einfach. Hingabe kostet uns alles, aber Hingabe führt zu großer Freude. Gott sorgt dafür, dass Hingabe zu Freude führt und dass Sein Friede uns auch in stürmischen Zeiten erfüllt. Gott sorgt für uns und deshalb müssen wir uns keine Sorgen machen.

Die Söhne Korahs wussten, dass sie sich auf Gott verlassen konnten, weil Er sich schon in vielen Nöten bewährt hatte. Sie wussten, dass ihr Gott ihnen zum richtigen Zeitpunkt helfen würde. Die Söhne Korahs haben darauf vertraut, dass Gott sie beschützt (vgl. Ps. 43,2). Sie waren sich aber auch bewusst, dass Gott nicht unbedingt die größte Dunkelheit verhindern wird. Sie hatten darauf vertraut, dass Gott am Tag Seine Gnade schenkt und in der Nacht würde Sein Lied bei ihnen sein. In den dunkelsten Nächten haben sie zu dem Gott ihres Lebens gebetet (vgl. Ps. 42,9).

In diesen großen Nöten durften die Söhne Korahs Freude im Leid erleben (vgl. Ps. 43,4). Der Herr Jesus hat um der vor Ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldet und die Schande für nichts geachtet (vgl. Heb. 12,2) und genauso sollen wir in den Bedrängnissen in dieser Welt, die vor uns liegende Freude vor Augen haben. Der Herr Jesus hat auch geweint, war traurig über Jerusalem, war zornig über die geldgierigen Heuchler im Tempel und war sogar zu Tode betrübt im Garten Gethsemane (vgl. Mk. 14,34), aber in dem allem hat der Herr Jesus nicht gesündigt. Der Herr Jesus hat sich allezeit gefreut (vgl. 1. Thess. 5,16), weil das ein Gebot Gottes ist, aber die Freude, von der die Bibel redet, ist kein Lächeln auf dem Gesicht, sondern ein Klammern an die Hoffnung auf das, was vor uns liegt. Wir sollen fröhlich sein in der Hoffnung (vgl. Röm. 12,12). Man kann traurig und betrübt sein und sich trotzdem freuen. Einen Christen erkennt man nicht an der Freude, sondern an der Liebe (vgl. Joh. 13,34-35). Das höchste Ziel des Menschen ist es, Gott zu lieben und Seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst. Wenn ich Gott liebe, dann freue ich mich auch an Ihm und dann verherrliche ich Ihn durch meine Liebe zu Ihm.

Die Freude an Gott ist ein Produkt der Liebe zu Gott. Der Grund meiner Freude an Gott ist meine Liebe zu Gott. Die Freude an Gott ist ein hohes Ziel des Menschen, aber sie ist nicht das höchste Ziel des Menschen, sondern ein Produkt des höchsten Zieles. Wenn Liebe ein Produkt der Freude an Gott wäre, dann wäre es keine Liebe, sondern Selbstsucht. Wenn ich Gott nur liebe, weil Er mich froh und glücklich macht, dann liebe ich nicht Ihn, sondern mich selbst. Wenn ich Gott liebe, dann kann ich wie Asaf sagen:

Ps. 73,25-26: Wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir auch Leib und Seele verschmachten, so bist Du doch, Gott, zu jeder Zeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Wenn du körperlich leidest, kann es sein, dass man dir deine Freude ansieht und du eine freudige Ausstrahlung hast. Wenn deine Seele betrübt ist wie bei den Söhnen Korahs, dann kann niemand deine Freude an Gott erkennen (vgl. Ps. 42,7).

In Vers 7 heißt es: „Mein Gott, meine Seele ist betrübt in mir; darum gedenke ich an Dich.“ Wenn die Seele dieser Söhne Korahs betrübt war, dachten sie an Gott. Der Grund, warum sie in diesem Vers an Gott gedacht haben, war ihre betrübte Seele. In Ihrem Problem und in ihrem Leid sahen sie auf Gott. Sie sahen in Gott die Lösung ihres Problems.

Dem Herrn Jesus hat keiner angesehen, dass Er sich gefreut hat, als Er zu Tode betrübt war und im Garten Gethsemane Blut geschwitzt hat. Der Herr Jesus hatte in allem immer die vor Ihm liegende Freude vor Augen und Er kann auch uns diese Hoffnung schenken, damit wir immer vor Augen haben, dass Gott alles in der Hand hat und unsere Hoffnung nicht enttäuschen wird.

Kinder Gottes dürfen still sein und Gott erkennen. Im Stillsein und im Vertrauen liegt unsere Stärke (vgl. Jes. 30,15). Die Freude an Gott ist unsere Stärke (vgl. Neh. 8,10). Gott ist souverän, wir müssen uns keine Sorgen machen. Wir dürfen Gott vertrauen und uns an Seine Verheißungen klammern. Auch wenn wir wissen, dass Gott allmächtig ist und mit denen, die Ihn lieben, nur das Beste im Sinn hat (Röm. 8,28), zweifeln wir oft. Auch wenn Gott uns verheißt, dass Er alles unter Kontrolle hat, glauben wir Ihm oft nicht und sind nicht still und ruhig. Wenn wir zweifeln und nicht ruhig vertrauen, dann unterstellen wir Gott, dass es möglich ist, dass Er lügt und nicht die Wahrheit sagt. Wenn wir Gottes Verheißungen nicht glauben, dann zeigen wir dadurch, dass wir Ihn nicht für glaubwürdig halten. Wenn wir Gott nicht vertrauen, geben wir dadurch zu erkennen, dass wir Ihm nicht trauen. Wir behandeln Gott so, als ob Er der Teufel wäre. Wir behandeln Gott so, als ob Er ein Lügner wäre. Das hat bei Adam und Eva angefangen und bei keinem von uns aufgehört. Wir alle glauben lieber dem Teufel als Gott. Der Teufel ist ein Lügner. Gott sagt immer die Wahrheit. Gott ist die Wahrheit. Wir dürfen still sein und Gott erkennen. Wir dürfen glauben, dass Gott allmächtig und gut ist. Wir dürfen unseren souveränen Gott erkennen, egal wie real das Böse in unserem Leben und Umfeld ist. Wir dürfen Gott vertrauen und unsere Sorgen auf Gott werfen (vgl. 1. Pet. 5,7), weil Gott allmächtig ist und alles kontrolliert.

Die Söhne Korahs haben in diesen Versen eine Veränderung erlebt und eine Wahrheit erkannt:

Psalm 42,6: Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Warte vertrauend auf Gott! Denn ich werde Ihm noch danken, dass Er mir hilft mit Seinem Angesicht. (Luther 2009)

Psalm 42,6: Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und stöhnst in mir? Harre auf Gott! – denn ich werde Ihn noch preisen für die Heilstaten Seines Angesichts. (Elberfelder)

Psalm 42,12 + 43,5: Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Warte vertrauend auf Gott! Denn ich werde Ihm noch danken, dass Er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. (Luther 2009)

Psalm 42,12 + 43,5: Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und was stöhnst du in mir? Harre auf Gott, denn ich werde Ihn noch preisen, das Heil meines Angesichts und meinen Gott. (Elberfelder)

Im Vers 6 geht es um das Angesicht Gottes. In Vers 12 und in Psalm 43,5 geht es um das Angesicht der Söhne Korahs. Gott hat mit Seinem Angesicht dem Angesicht der Söhne Korahs geholfen. Die Heilstaten von Gottes Angesicht wurden zum Heil ihres Angesichts. Im Hebräischen steht in diesen Versen für Rettung oder Heil das Wort „Jeschuah“. Auf griechisch heißt das Jesus. Rettung kommt von Gottes Angesicht und diese Rettung wird zu unserer ganz persönlichen Rettung.

Gott ist nicht nur ein Retter, Er ist dein Retter. Gott ist das Heil deines Angesichts und dein Gott. Gott ist dein Retter in deinen Nöten und in deinen Schwierigkeiten. Er ist für dich da mit Seinem Angesicht und mit Seiner Gegenwart. Erst wenn wir Gottes Angesicht gesehen haben, können wir sagen, dass Er unsere Rettung und unser Gott ist. Gottes Gegenwart schenkt uns Gewissheit, Frieden und Freude. Christus kam auf diese Welt, um dieser Retter zu sein. Er ist unser ganz persönlicher Retter.

Gott sendet selbst in der tiefsten Dunkelheit Sein Licht und Seine Wahrheit, um uns zu leiten und um uns zu Seinem heiligen Berg und Seinen Wohnungen zu bringen (vgl. Ps. 43,3). Das hat Er in Bethlehem getan und das tut Er auch heute noch. Wir haben nicht die Verheißung, dass Gott jeden äußeren Sturm auf dieser Erde stillen wird, aber wir haben die Verheißung, dass Gott jeden inneren Sturm stillen wird. Gott nimmt uns nicht unbedingt die Ängste, Sorgen und Nöte unseres Herzens und ersetzt sie durch Glück und Freude, aber Er schenkt uns Hoffnung. Im Himmel wird es keine Stürme mehr geben, weder innere noch äußere. Die Stürme von Christen sind niemals hoffnungslos, weil jeder Sturm, ganz egal wie groß und furchteinflößend er ist, spätestens im Himmel gestillt wird. Bis Gott Stürme stillt, kann aber sehr viel Zeit vergehen. Wir müssen lernen, zu warten. Gott will uns durch Wartezeiten eine Menge beibringen. Sehnsucht nach Gott ist immer auch mit Warten auf Gott verbunden.

Warten führt zur Wahrheit

Es gibt nichts, was das menschliche Herz so offenbart, wie warten. Es gibt nichts, was das menschliche Herz so bloßstellt, wie warten zu müssen. Durch Warten werden die wahren Intentionen und Absichten des menschlichen Herzens ans Licht gebracht. Durch Warten kommt die Wahrheit ans Licht. Warten führt zur Wahrheit. Wartezeiten zeigen, worum es Menschen wirklich geht. Menschen, die nicht bereit sind, zu warten, handeln immer aus einer Begierde heraus. Wenn wir nicht dazu bereit sind, auf Gott zu warten, werden wir Seine Werke schnell vergessen und nicht auf Seinen Rat warten, sondern wie das Volk Israel in der Wüste begehrlich sein und Gott in der Einöde versuchen (vgl. Ps. 106,13-14). Warten offenbart die Wahrheit über uns und die Wahrheit über Gott. Wir müssen erst die Wahrheit über uns selbst erkennen, damit wir die Wahrheit Gottes erkennen können. Wer Gott vorauseilt, verpasst die Herrlichkeit Gottes. Nur wartende Menschen werden die Herrlichkeit Gottes sehen. Wer meint, Gott vorauseilen zu müssen, wird am Ende des Weges feststellen, dass Gott sich von Anfang an im Ziel befunden hat, aber in Seiner Allgegenwart auf unserem Weg gegenwärtig sein wollte. Wer schneller sein möchte als Gott, wird den Wettlauf immer verlieren. Gott kennt nicht nur das Ziel, Er ist das Ziel. Gott kennt nicht nur den Weg, Er ist der Weg. Gott kennt nicht nur die Zukunft, Er ist die Zukunft. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt, aber wir wissen, wer die Zukunft bringt. Gott hat die Zukunft in Seiner Hand. Er lenkt und bestimmt die Zukunft. Es gibt nichts Zukünftiges, das Gott überdauern könnte, weil Gott ewig ist. Gott offenbart sich den Menschen, die vertrauensvoll auf Ihn warten. Auch die Söhne Korahs mussten lernen, auf Gott zu warten.

Warten führt zu Wartung

Gott lässt uns oft warten, um uns zu warten. Warten führt zu Wartung. Wenn Gott uns warten lässt, dann will Er uns reparieren. Er will uns durch Warten Glauben und Geduld lehren. Geduld lernt man durch Warten. Gott wird durch wartenden und erwartenden Glauben verherrlicht. Durch Warten wartet Gott unser Herz. Durch Warten repariert Gott unser kaputtes Herz. So wie ein Motor regelmäßig gewartet werden muss, damit er nicht kaputt geht, muss auch unser Herz immer wieder gewartet werden, damit es nicht verdirbt. Bremsen, die verschleißt sind, müssen ausgetauscht werden, damit keine absolute Katastrophe passiert. Mose musste 40 Jahre in der Wüste warten, bevor Gott ihn gebrauchen konnte. All sein Selbstvertrauen musste von Gott erst zerstört werden, bevor er für den Dienst Gottes tauglich war. Wäre Mose ohne seine lange Wartezeit zum Leiter des Volkes Gottes geworden, hätte er kein guter Leiter für dieses widerspenstige Volk sein können. Durch Warten lernen wir Demut und Sanftmut. Mose wurde zum sanftmütigsten Menschen auf der Erde (vgl. 4.Mo. 12,3), weil er 40 Jahre lang auf das warten musste, was er schon vor den 40 Jahren haben wollte. Wartezeiten brechen unseren störrischen Eigenwillen. Wartezeiten reinigen und heiligen unsere Motive und Ziele. Moses Motive waren ehrgeizig und ambitioniert. Er musste lernen, die Ehre Gottes zu suchen. Moses Wartezeit wurde für ihn zur Wandlungszeit. Das Warten hatte Mose verändert.

Oft ist die Dauer unserer Wartezeiten von dem Fortschritt unserer Wartung abhängig. Erst wenn unsere Wartung abgeschlossen ist, ist auch unsere Wartezeit abgeschlossen. Warten muss immer zu Wartung, Wandlung und Veränderung führen. Wenn wir uns weigern, uns von Gott verändern zu lassen, dann werden unsere Wartezeiten verlängert.

Warten führt zu Wertschätzung

Durch Warten lernen wir, das Erwartete wertzuschätzen. Warten führt zu Wertschätzung und Erwartung. Die Bereitschaft, auf eine Person zu warten, zeigt, wie viel Wert wir der Person zumessen. Wenn wir lange auf etwas warten mussten, freuen wir uns umso mehr, wenn wir das Erwartete endlich erhalten. Warten führt zu Erwarten und Erwartung. Warten steigert die Sehnsucht nach dem Erwarteten. Warten auf Gott führt zu Sehnsucht nach Gott. Warten steigert unsere Sehnsucht. Wir können das, was Gott uns schenkt, viel mehr schätzen, wenn wir den Schmerz des Wartens erlebt haben. Oft ist das, was Gott uns schenken möchte, viel größer und viel schöner, als wir erahnen. Er übertrifft unsere Erwartungen, wenn wir Ihm vertrauen.

Warten führt zu Würdigung

Gott wird durch Warten geehrt und gewürdigt. Warten führt zu Würdigung. Abraham zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark durch den Glauben, indem er Gott die Ehre gab und völlig überzeugt war, dass Gott das, was Er verheißen hatte, auch zu tun vermag (vgl. Röm. 4,20-21). Abrahams Glaube ehrte Gott. Wartezeiten dienen oft nicht nur zu unserem Glaubenswachstum, sondern zu der Möglichkeit, unseren starken Glauben unter Beweis zu stellen. Abraham hatte bereits einen starken Glauben. Er war bereits der Vater des Glaubens. Trotzdem ließ Gott ihn noch jahrelang auf Isaak warten, weil der Glaube Abrahams Gott verherrlicht hat. Abraham musste nicht 25 Jahre lang auf Isaak warten, weil sein Glaube noch reifen musste. Abraham konnte 25 Jahre lang auf Isaak warten, weil sein Glaube reif war. Warten würdigt und ehrt Gott. Abraham hatte seine schwachen Momente und musste die Konsequenzen seines Versagens tragen, aber er glaubte Gott und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Im Warten beweisen wir, dass Gott würdig ist, Ihm Glauben zu schenken. Gott wird durch unsere Wartezeiten verherrlicht, gewürdigt und geehrt.

Wartezeiten führen immer zu Dankbarkeit. Wenn wir auf Gottes Zeitpunkte warten, werden wir vor Staunen und Verwunderung mit Dank und Anbetung überströmen. Die Wunder Gottes erzeugen immer eine Verwunderung bei den Menschen. Warten sollte zu einer Erweckung und zu einem Erwachen führen. Das Volk Israel hatte lange auf den Messias gewartet, aber als Er dann da war, gab es keine große Erweckung. Es gab nur einige wenige, die an Ihn geglaubt haben. Das Volk Israel hatte sich nicht wirklich nach Gott gesehnt und hat Gott nicht geliebt, sonst hätten sie den Messias angenommen. Hätten sie wirklich auf Gott gewartet, hätten sie ihre erste Liebe erkannt, als sie vor ihnen stand. Die Söhne Korahs liebten Gott mehr als alles andere. Sie sehnten sich nach Gott und sie suchten Gott im Gebet und diese Gebete oder Psalmen schreiben sie sogar auf:

“Wie der Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so lechzt meine Seele nach dir, o Gott. Meine Seele dürstet nach Gott, ja, nach dem lebendigen Gott. Wann endlich werde ich wieder zum Heiligtum kommen und dort vor Gottes Angesicht stehen?” Ps. 42,2-3

Kannst du das über dich sagen? Liebst du Gott so, wie die Söhne Korahs Gott geliebt haben? Sehnst du dich so nach Gott? Ist Gott deine erste Liebe?

Wenn nicht, dann „bedenke, wovon du gefallen bist und tue Buße und tue die ersten Werke!“ (Offb. 2,5).